Klimawandel

Pfahlbauten in St. Peter-Ording müssen versetzt werden

Die Pfahlbauten prägen das Bild vom Strand in
St. Peter-Ording

Die Pfahlbauten prägen das Bild vom Strand in St. Peter-Ording

Foto: picture alliance

Pro Jahr gehen bis zu sechs Meter Strand von St. Peter-Ording verloren, weil der Meeresspiegel ansteigt. Das hat Konsequenzen.

St. Peter-Ording.  Sie sind das Wahrzeichen des Nordsee-Ortes und gar nicht mehr wegzudenken: die Pfahlbauten in St. Peter-Ording. Doch sie sind gefährdet. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels wird der Strand immer schmaler, die Pfähle drohen zu versinken. Um die Pfahlbauten zu retten, müssen sie in den kommenden vier Jahren um bis zu 200 Meter nach hinten Richtung Land versetzt werden.

„Baden an und unter dem Pfahlbau verboten“, steht am Strand von Ording auf einem Schild. Hoch über dem Meer trotzen die bis zu acht Meter hohen Gebäude den Sturmfluten. Aber wie lange noch? „Die Nordsee zehrt an den Pfahlbauten, und die Wasserkante kommt jedes Jahr sechs Meter näher an den Strand. Schneller als gedacht“, sagt Tourismus-Direktorin Constanze Höfinghoff. Die Strandbar 54 Grad im Ortsteil Ording, sagt sie, stehe schon jetzt sehr weit draußen. Vor fünf Jahren stand die Bar noch im Spülsaum der Nordsee.

Heftige Schäden durch Sturmtief „Sebastian“

Um die beliebte Bar mit dem Panoramblick auf die Nordsee dauerhaft zu sichern, muss das Gebäude um 160 bis 200 Meter zurückversetzt werden, ebenso das benachbarte Wassersportzentrum X-H2O. Den Anstieg des Meeresspiegels bekommen sie an der Nordseeküste unmittelbar zu spüren. Bereits im September musste das Wassersportzentrum die Saison frühzeitig beenden: Das Sturmtief „Sebastian“ hatte heftige Schäden an der Station angerichtet und unter anderem sämtliche Podestplatten herausgehebelt. „Die Urkräfte, die Wind und Wasser beinhalten, sind doch immer wieder beeindruckend und lassen uns alle vielleicht doch für einen Moment ein bisschen demütiger in unserem schnelllebigen Alltag werden“, steht dort auf der Homepage.

Die schönsten Sehnsuchtsorte im Norden

Ob das am durch den Menschen verursachten Klimawandel liegt, müssen Klimaforscher herausfinden, sagt Geophysiker Arfs Hinrichsen vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Husum. Dass der Meeresspiegel steigt, sei normal nach der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren.

Phasen des Anstiegs und Abfalls

„Es gibt immer Phasen des Anstiegs und Abfalls. Was wir aber beobachten, ist eine Zunahme von starken Winden.“ Und diese Winde bringen den Meeresboden und den Sand in Bewegung – auf Sylt sind daher Sandvorspülungen schon lange üblich. Weil St. Peter-Ording – ähnlich wie Sylt – ungeschützt ist, werde auch dort der Sand zunehmend abgetragen und verlagert. „Dort sind neue Dünen entstanden, die es früher nicht gab“, sagt Arfs Hinrichsen.

Ein neues Service- und Mehrzweckgebäude mit der Wasserrettung, Sanitäranlagen und einem Infopoint der Nationalparkverwaltung in Ording wird im April von vorn­herein 200 Meter hinter der jetzigen Hochwasserlinie neu gebaut. Auch ein Toilettengebäude in Ording-Nord wird weiter weg von der Wasserkante gebaut werden. Kosten: 2,6 Millionen Euro. Diesen Bau muss die Gemeinde bezahlen, wird dabei aber zum größten Teil vom Land Schleswig-Holstein gefördert.

Strandbar 54 Grad will dann ganzjährig öffnen

Toiletten, Gastronomie und Wasserrettung müssten auch deshalb direkt am zwölf Kilometer langen Strand sein, weil Fußwege in den Ort zu weit seien. Es gibt in St. Peter-Ording fünf gastronomische Pfahlbauten, davon gehören die Seekiste in Böhl, Axels Strandhütte am Südstrand und die Strandbar 54 Grad der Tourismuszentrale.

„Wir sind auf diese Gebäude angewiesen“, sagt Constanze Höfinghoff. Die Strandbar, das Wassersportzen­trum und die anderen Pfahlbauten seien ein Symbol für St. Peter-Ording. „Diese müssen wir erhalten“, so Höfinghoff. „Hierfür werden wir keine Förderung erhalten, da es sich um gewerbliche Betriebe handelt.“ Was das kosten wird, konnte noch nicht beziffert werden, da die Konzepte noch nicht stünden. Die Kosten trage die Tourismuszentrale, „gegebenenfalls werden sich Betreiber an den Gebäudekosten auf den Pfahlkonstruktionen beteiligen“.

Alles begann mit der „Giftbude“

Uwe Kirchner, Betreiber der Strandbar 54 Grad, sieht der Verlagerung freudig entgegen. „Wir sind gerade europaweit unterwegs auf der Suche nach neuen gastronomischen Konzepten.“ Er rechnet damit, dass es bereits Ende 2020 so weit sein könnte. Dann soll die Bar auch ganzjährig geöffnet sein. Für alle anderen Pfahlbauten gebe es derzeit keine Versetzungs­pläne. Allerdings: „Gegebenenfalls müsste die Silbermöwe sich mit der Versetzung auseinandersetzen“, so Höfinghoff.