Bad Oldesloe

Unbekannter legt Oldesloer Politiker Schweinekopf vors Haus

Staatsschutz ermittelt, ob die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund hat. Der türkischstämmige Mann setzt sich für Integration ein

Bad Oldesloe. Eine türkischstämmige Familie aus Bad Oldesloe hat vor ihrem Haus eine grausige Entdeckung gemacht. Ein Unbekannter hatte einen Schweinekopf auf die Terrasse gelegt. Für Muslime ist das eine Provokation oder Bedrohung. Der Staatsschutz in Lübeck hat jetzt Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen.

„Ich wollte es zunächst nicht glauben“, sagt Aygün Caglar (42) und erinnert sich an den Tag, als seine Frau Hülya (41) verschreckt ins Schlafzimmer kam, nachdem sie den abgetrennten Tierkopf auf der Terrasse gefunden hatte. Caglar, der für die CDU im Parlament der Stormarner Kreisstadt sitzt, sieht darin eine islamfeindliche Aktion, die er sich anders nicht erklären könne. „Ich habe keine Feinde“, sagt der Sozialpädagoge, der beim Jugendamt in Hamburg arbeitet.

Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Stadtverordneter engagiert sich Caglar für sozial schwache Jugendliche in Bad Oldesloe, insbesondere bei der Integration. Ihm sei es wichtig, dass junge Menschen nicht in die Fänge von Salafisten geraten. Zudem ist der Politiker, der in der Nähe von Köln geboren wurde, Mitglied der türkisch-islamischen Gemeinde. „Dort waren die Menschen irritiert und bestürzt, als ich ihnen davon erzählt habe.“ Genauso wie seine Parteikollegen. „Das ist perfide“, sagt Jörg Feldmann, Vorstandsvorsitzender der CDU in Bad Oldesloe. Er verurteilt die symbolträchtige Aktion scharf. Ferner wundert sich Feldmann über das Vorgehen der Polizei. Nachdem Caglar die Beamten kurz nach dem Fund alarmiert hatte, sei ihm gesagt worden, er solle ein Foto vom Schweinekopf machen und zur Aussage zur Wache kommen. Feldmann, der selbst Polizist ist, sagt: „Das halte ich für unsensibel und nicht sachgerecht.“

Erst Mittwoch, eine Woche nach dem Fund, untersuchen Kriminalbeamte aus Lübeck den Tatort. Warum sie ihre Arbeit erst so spät aufnahmen, warum der Schweinekopf für Untersuchungen nicht beschlagnahmt wurde, dazu geben die Ermittler keine Auskunft. Nur: „Wir machen keine Angaben zu ermittlungstaktischen Maßnahmen“, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft Lübeck erklärt, dass sie von dem Vorfall erst am 20. Dezember informiert worden sei. Gemeinsam mit dem Staatsschutz werde geprüft, „ob die Handlung einen fremdenfeind­lichen Hintergrund hat“, sagt Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der vierfache Vater Aygün Caglar hat ein Interesse daran zu erfahren, was die Hintergründe dieser Aktion sind: „Derjenige, der den Schweinekopf abgelegt hat, will, dass ich und meine Familie Angst haben.“