Waltershof

Wärmespeicher könnte Kraftwerk teilweise ersetzen

Umweltsenator sieht Anlage in Waltershof als möglichen Baustein für Hamburgs „Wärmewende“

Waltershof. Wenn das Kohlekraftwerk Wedel bis Ende 2021 vom Netz geht, wie es Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) vorsieht, soll die Fernwärme für bis zu 150.000 Haushalte im Hamburger Westen unter anderem aus Abwärme etwa von Müllverbrennungsanlagen und Industriebetrieben kommen. Zwischengespeichert werden könnte die Wärme in Grundwasser führenden Schichten im Boden, in den sogenannten Aquiferen.

Den Prototypen für einen solchen Wärmespeicher hat der Versorger Hamburg Wasser seit August auf dem Gelände des Klärwerks Dradenau südlich der Elbe getestet – mit einem erfreulichen Ergebnis, wie Hamburg-Wasser-Chef Michael Beckereit am Dienstag sagte: „Die ersten Daten zeigen, dass die Technologie in großem Maßstab umgesetzt werden kann.“

Eingeleitet worden war erst auf 65 Grad erwärmtes und dann auf 75 Grad erwärmtes Wasser. Bei der Entnahme war das Wasser am Ende des Zyklus nur noch 30 bzw. 40 Grad warm – die Verluste betrugen also mehr als 50 Prozent. Die Verluste hätten sich mit der Zeit allerdings verringert, weil sich der Boden großräumig erwärmt habe, sagte Beckereit. Berechnungen zufolge würde der Boden nach einiger Zeit eine Temperatur erreichen, durch die sich die Wärmeverluste in einem Zeitraum von zehn Jahren und mit der 15-fachen Menge des eingespeisten Wassers auf durchschnittlich zwölf Prozent reduzieren ließen, erläuterte Projektleiter Kai Radmann.

Auch bei geringeren Verlusten müsste das entnommene Wasser allerdings mit einer Wärmepumpe heißer gemacht werden, um die für das Fernwärmenetz nötigen Vorlauftemperaturen von 90 bis 135 Grad zu erreichen.

Eine großtechnische Anlage am Standort Dradenau könnte den Berechnungen zufolge jährlich rund 160.000 Megawattstunden Wärme speichern. Zum Vergleich: Das Kraftwerk Wedel lieferte 2016 Wärme im Umfang von 1,3 Millionen Megawattstunden. Beckereit sprach folglich von einem „kleinen Rädchen in einem Gesamtsystem“. Senator Kerstan sagte: „Wir prüfen derzeit viele Varianten. Der Aquiferspeicher könnte einen wichtigen Beitrag zu Hamburgs Wärmewende leisten.“ Sechs Millionen Euro würde die Anlage kosten, sagte Beckereit. Das sei deutlich günstiger als oberirdische Speicher. Welche Energiequellen als Wedel-Ersatz erschlossen werden, will Senator Kerstan spätestens im Dezember bekannt geben.