Millionenschweres Projekt

Fasten im Fünf-Sterne-Offiziersheim auf Sylt

So soll der Lanserhof in List auf Sylt aussehen. Die Bauzeit wird auf etwa zwei Jahre veranschlagt

So soll der Lanserhof in List auf Sylt aussehen. Die Bauzeit wird auf etwa zwei Jahre veranschlagt

Foto: Lanserhof

Seit das Militär abgezogen ist, steht das ehemalige Offiziersheim in List leer. Die Baugenehmigung ist bereits erteilt.

List/Sylt.  Wer durch List fährt, den nördlichsten Ort der Insel Sylt, dem fällt das ehemalige Offiziersheim fast zwangsläufig ins Auge. Majestätisch thront das reetgedeckte Gebäude auf einer Düne direkt am Wattenmeer. Gebaut in den 1930er-Jahren, diente es bis zum endgültigen Abzug des Militärs im Jahr 2007 als eine Art Freizeiteinrichtung für Offiziere. „Dort wurde gegessen, es gab eine Kegelbahn und einen Fernsehraum. Außerdem fanden dort die Empfänge der Marine statt“, erzählt der Sylter Manfred Koch, der dort als Koch und später als Ausbilder arbeitete. Zudem bot das Offiziersheim mit seinen Nebengebäuden, darunter vier Strandhäuser sowie das „Haus Eider“, Übernachtungsmöglichkeiten für Durchreisende und Mitarbeiter. Seit 2007 stehen die Gebäude leer.

Jurist stammt aus Kitzbüheler Hoteliersfamilie

Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Vergangenes Jahr sicherte sich der Tiroler Investor Christian Harisch das Areal, noch ohne überhaupt eine Baugenehmigung zu haben. Die ist jetzt erteilt. Auf dem Gelände soll eine Fastenklinik nach dem Vorbild des „Lanserhof Tegernsee“ entstehen. In Deutschland gibt es bereits einen Ableger in Hamburg, das „Lans Medicum“ am Stephansplatz in der Innenstadt. Die Frage nach der Kaufsumme lächelt Harisch weg. „Die habe ich vergessen“, sagt er. Dass ein zweistelliger Millionenbetrag an den ehemaligen Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), geflossen ist, dem widerspricht Harisch nicht.

Der promovierte Jurist stammt aus einer Kitzbüheler Hoteliersfamilie. Neben dem Lanserhof betreibt er die Hotels Weißes Rössl (Kitzbühel), Schwarzer Adler (Kitzbühel) und den Margarethenhof (Tegernsee).

Ambulante ärztliche Leistungen

„Wir bieten im Lanserhof ambulante ärztliche Leistungen an. Daneben haben die Patienten auch die Möglichkeit, Fünf-Sterne-Hotelkomfort zu genießen. Der Tegernsee im Süden und Sylt im Norden sind meiner Meinung nach die wichtigsten touristischen Destinationen. Deshalb wollen wir hierher“, erklärt Harisch die geplante Expansion.

Rund 100 Millionen Euro will er allein in den Bau des Lanserhof investieren. Das ehemalige Offiziersheim steht unter Denkmalschutz und muss erhalten bleiben – weitere 40 Millionen hat Harisch für den Umbau sowie den Neubau der drei Strandhäuser am Watt vorgesehen. „Am Nutzungskonzept für das ehemalige Offiziersheim arbeiten wir noch. Die Architektur mit dem großen Festsaal ist ja sehr speziell. In den Strandhäusern sollen Ferienwohnungen entstehen“, so Christian Harisch. Priorität habe aber ganz klar die Errichtung des Lanserhofs.

Basiswoche kostet etwa 3500 Euro

Als Zielgruppe will Harisch „jeden ansprechen, der Wert auf seine Gesundheit legt.“ Das muss man sich allerdings leisten können – die Basiswoche im Lanserhof schlägt mit etwa 3500 Euro zu Buche. Einen ärztlichen Leiter hat Harisch bereits eingestellt. „Momentan arbeitet er an unserem Standort am Tegernsee.“ Der Lanserhof Sylt hat Platz für bis zu 80 Gäste. Um sie sollen sich in Spitzenzeiten 150 Mitarbeiter kümmern. „Wir werden bei der Gemeinde List Personalwohnungen anmieten. Der erste Vertrag steht kurz vor dem Abschluss.“ Geplant ist auch die Einrichtung einer Kernspintomografie (MRT), die Patienten aller Kassen offen stehen soll.

Lists Bürgermeister Ronald Benck begrüßt das Bauprojekt. „Für die Ortsentwicklung ist das ein Gewinn. Es ist gut, dass da oben auf der Düne nicht alles verfällt und dass es jetzt losgeht“, sagt er. Am 6. Oktober stehen Christian Harisch zusammen mit der Gemeindevertretung und dem Kreisbaudirektor bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung in List Rede und Antwort. „Wir wollen das hier zusammen mit den Bürgern machen, auf Bedenken eingehen“, versichert Harisch. Anregungen will er berücksichtigen, „sofern es möglich ist“. Derzeit werde mit Hochdruck an den Bauvorbereitungen gearbeitet.

Abbruch beginnt Ende November

Geht es nach Christian Harisch, sollen die Abbrucharbeiten an den Nebengebäuden am 30. November beginnen. „Am 29. November hat der Lanserhof in Hamburg fünfjähriges Jubiläum. Wenn ich einen Wunsch frei habe, soll einen Tag später Spatenstich in List sein.“ Für die Bauzeit des Lanserhofs plant Harisch zwei Jahre, für die weiteren Gebäude ein bis eineinhalb Jahre.