Tourismus

Hotels sollen der Nordseeinsel Föhr neuen Schwung bringen

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Geneviève Wood
Die Strände sind
der große
Trumpf der Insel
Föhr – hier der
Abschnitt bei
Nieblum

Die Strände sind der große Trumpf der Insel Föhr – hier der Abschnitt bei Nieblum

Foto: Michael Rauhe / HA

Den Norden entdecken, Teil 7: Ein neues Resort soll mehr Kurzurlauber anlocken. Weitere Projekte sind geplant.

Föhr.  Bloß nicht werden wie Sylt! Das fürchten viele Fans und Bewohner der Nordseeinsel Föhr immer und tun sich vielleicht auch deshalb schwer mit Veränderungen. Manche Insulaner und Inselfans befürchten, dass mit dem Hotelneubau am Südstrand der besondere Charme der zweitgrößten Nordseeinsel verloren, eine Schickimickisierung einhergeht. „Das betonieren wir auch noch!“ steht in schwarzen Buchstaben auf dem Bauzaun. Dahinter entsteht derzeit das Wellness Resort Südstrand in Wyk. Es ist das erste große Hotelprojekt überhaupt auf der Insel. Föhr verändert sich. Muss sich verändern, sagen Tourismusexperten und Einheimische.

Tipps für den Inselbesuch

Noch ist es ein Betonklotz, doch bis zur Eröffnung im kommenden Frühjahr soll sich das ändern – 144 Zimmer, 23 Ferienappartements, Strandbar, Restaurant, 2000 Quadratmeter Wellnessfläche auf Vier-Sterne-Niveau entstehen.

„Wir brauchen dringend Hotels auf der Insel“, sagt Jochen Gemeinhardt, Geschäftsführer der Föhr Tourismus GmbH. Denn: Für Kurzurlauber, die zwei bis drei Tage auf die Insel kommen wollen, gibt es kaum Übernachtungskapazitäten. Die Ferienwohnungen und -häuser sind auf Urlauber eingestellt, die mindestens eine Woche bleiben.

Der Strandabschnitt vor der Surfschule

Im vergangenen Jahr hat Föhr erstmals die Marke von 200.000 Übernachtungsgästen geknackt: Im Vergleich zu 2015 hat die Insel 2016 ein Plus von 4,3 Prozent verzeichnen und damit ein neues Rekordergebnis von 207.2016 Gästen erzielen können. Doch der Trend geht in Richtung Kurzaufenthalte. „Die Hotelbetten werden neuen Schwung für die Insel bringen“, ist Gemeinhardt überzeugt. Doch Neues, sagt er, sei auf der Insel schwer durchzuboxen. Selbst für das Holifestival, das am 29. Juli zum ersten Mal stattfindet, mussten die Beteiligten viel Überzeugungsarbeit leisten.

Dabei ist Föhr in anderen Bereichen, wie dem Schutz der Meere vor Plastikmüll, Vorreiter. Mehr als 50 Ferienunterkünfte sind plastikarm und mit einem entsprechenden Signet ausgezeichnet. In dem denkmalgeschützten Reetdachhaus von Vermieterin Ruth Stavermann in Midlum beispielsweise wird weitgehend auf Plastik verzichtet und so holen Justus (8) und sein Bruder Johannes (5) aus der Nähe von Frankfurt ihre Milch morgens in der Glasmilchflasche von der Milchtankstelle. Statt Seife aus dem Plastikspender liegt ein Stück Seife in Seesternform auf einem Porzellanteller. Kleinigkeiten, die Großes bewirken.

Föhrer pflegen ihre Traditionen

„In Sachen Naturschutz strengt sich Föhr sehr an“, sagt Gerlinde Ochmann, die Großmutter von Johannes und Justus. Sie macht seit 20 Jahren Urlaub auf Föhr, immer in derselben Ferienwohnung. Nicht im Hotel. Das war auch kaum möglich.

Für mehr Hotelbetten sorgt Roluf Hennig. Er ist einer von denen, die aktiv werden. Er war in St. Peter Ording und in Heiligenhafen, hat sich die Hotels dort angeschaut und ist mit frischen Ideen zurückgekommen. Sein in die Jahre gekommenes Hotel und Restaurant „Zur Post“ in Utersum – im Westen der Insel, wo man die schönsten Sonnenuntergänge erleben kann – wird ab September herausgeputzt, teilweise neu gebaut. Und einen neuen Namen bekommt es auch: „Waanwinj“ – friesisch für Westwind.

Die Föhrer, sagt Roluf Hennig, pflegten ihre Traditionen. Zu Hause spricht Herr Hennig nur friesisch. Hier Tradition, dort Moderne. Sein Haus soll zeitgemäßer werden. Die Zahl der Zimmer wird sich von elf auf 18 erhöhen, sie werden heller, alle werden einen Balkon oder eine Terrasse haben, eine Sauna soll es auch geben. Zwei Millionen Euro werden dafür investiert. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt der 53-Jährige. Er möchte damit jüngere Leute ansprechen.

Dass nicht jeder Urlaub in Ferienwohnungen machen möchte und dass andere Urlaubsformen nicht unbedingt eine Konkurrenz sind, sondern eine Erweiterung, das haben sie in Utersum schon gemerkt. Der Wohnmobilstellplatz hinter dem Deich kam nach der üblichen Skepsis dann doch und wurde inzwischen von 30 auf 50 Stellplätze vergrößert. Der Platz wird gut angenommen und als Glücksgriff für die Insel bezeichnet. „Wer sich ein teures Wohnmobil leisten kann, kann sich auch einen Restaurantbesuch leisten“, sagt Tourismuschef Gemeinhardt.

Ein Hotel bauen möchten sie im benachbarten Nieblum auch. Die Pläne, die Bürgermeister Friedrich „Freddy“ Riewerts in seinem Büro auf den Tisch legt, zeigen weiße, reetgedeckte Häuser – das geplante Wellness-Hotel am Strandweg soll sich dem Ort anpassen. Es gibt einen Investor sowie einen Betreiber für das Hotel mit 121 Zimmern und einem für die Öffentlichkeit zugänglichen riesigen Pool mit Sauna. Auch Riewerts sah sich in St. Peter und in Hohwacht um. „Dort ist so viel los, dass die Geschäftsleute und die Gastronomen auch im Winter öffnen können.“ Das ist auch sein Ziel für Nieblum.

Meisten Besucher kommen im Sommer

Die meisten Besucher kommen im Sommer, zu Weihnachten und Silvester – die Saison muss auf Föhr dringend ausgeweitet werden, sagen sie hier. Geschieht das nicht, glaubt Nieblums Bürgermeister, „ist unser Ort bald ein Museumsdorf. Aber unsere Kinder und Enkelkinder brauchen Zukunftsaussichten vor Ort.“ Umso frustrierender ist es für Riewerts, dass das Hotelprojekt stockt. Und das liegt nicht an den üblichen Bedenkenträgern. „Das Okay der unteren Naturschutzbehörde aus Husum fehlt“, so Riewerts. Denn die Wiese, die bebaut werden soll, gelte nun als Wertgrünland – also als artenreiches Biotop.

Und wird Föhr, die bodenständige Nordseeinsel, auf der Familien mit Kindern gern Urlaub machen, so nobel wie Sylt? Nein, das glaube er nicht, sagt Roluf Hennig, der Hotelier aus Utersum. „Von einer Versylterung sind wir weit entfernt.“ Aber von den geplanten Neuerungen profitierten alle. Christa Hückstädt von der Nieblumer Windsurfing Schule, die in zweiter Generation von Sohn Dirk betrieben wird, sagt: „Natürlich brauchen wir ein Vier-Sterne-Hotel. Für Kurzzeiturlauber ist das gut. Und auch die Golftouristen gehen lieber in ein Hotel als in eine Ferienwohnung.“ Sie freue sich schon auf die Wellnessanwendungen im Resort, sagt sie und lacht. Wolfgang Müller, der Hotelinvestor sagt: „Ich glaube nicht, dass das Hotel den Charakter der Insel verdirbt. Wir schließen nur eine Lücke.“

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