Undeloh

Streit um Nacktwanderer landet vor Gericht

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Lutz Kastendieck

Landkreis Harburg wehrt sich juristisch gegen die Markierung eines Naturistenpfads, den die Gemeinde Undeloh längst ausgewiesen hat. Bürgermeister hält Rechtsstreit für lächerlich – und gewinnt ihn

Undeloh.  In einem Forst unweit der Seevequelle hat die kleine Heidegemeinde Undeloh im Mai 2012 einen etwa zehn Kilometer langen Wanderweg speziell für Nacktwanderer ausgewiesen. Der idyllische Pfad wird seitdem gut frequentiert. Er hat allerdings einen entscheidenden Makel: Weil er nicht gekennzeichnet ist, geraten Naturisten immer wieder auf Abwege. Dann treffen sie nicht nur auf Wanderer und Walker aus der textilen Fraktion. Sie stranden auch schon mal auf den Höfen der Heidebauern. Das sorgt auf beiden Seiten für Irritationen. Und gipfelte jetzt in einem Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg.

Um das Konfliktpotenzial zu minimieren, haben Nacktwanderer schon vor Jahren am Waldparkplatz auf halber Strecke zwischen Wesel und Wehlen ein kleines Schild mit einer Karte des Naturistenpfads aufgestellt. „Es ist allerdings immer wieder entfernt worden, insgesamt achtmal“, weiß „Nacktivist“ Volker Lüchau zu berichten.

Deshalb hat die Gemeinde 2014 beim Landkreis Harburg eine Beschilderung des Weges beantragt. Das lehnte die Verwaltung in Winsen aber kategorisch ab. Schließlich liege der Wanderweg mitten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Und Eingriffe, die diese schützenswerte Kulturlandschaft zerstören, beschädigen oder verändern könnten, seien nur erlaubt, „wenn überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit“ eine naturschutzrechtliche Befreiung rechtfertigen würden.

„Das Aufstellen von Schildern und die Markierung eines Nacktwanderweges an exponierten Stellen, wie etwa Bäumen im Naturschutzgebiet, bedeutet eine Veränderung, die nach unserer Rechtsauffassung nicht dem überwiegenden öffentlichen Interesse entspricht“, sagte Landkreissprecher Johannes Freudewald dem Abendblatt.

Diese Sichtweise mochten die Lüneburger Juristen nicht teilen. In der Verhandlung am vergangenen Donnerstag wies Richterin Gunhild Becker anhand mehrerer Fotos nach, dass es in dem betreffenden Heideareal Hinweisschilder und Wegmarkierungen en masse gibt: „Ich bin dort selbst kürzlich gewandert und hatte keine Mühe, genügend Beispiele im Bild festzuhalten“, erklärte die Juristin.

Zu den bereits existierenden Schildern gehört übrigens auch eine etwa drei Quadratmeter große Informationstafel zum Seeve-Radweg. Ob sie rechtmäßig aufgestellt worden ist, vermochte Ana Cristina Bröcking, Rechtsvertreterin des Landkreises, kurioserweise nicht mit letzter Sicherheit zu sagen. Es sei bislang nicht einmal ermittelt worden, wer sie überhaupt aufgestellt habe. Gut möglich, dass sie, wie alle Tafeln zum 92 Kilometer langen Seeve-Radweg, demnächst abgebaut werden müssen.

„Dabei sind Wegweiser und Piktogramme absolut richtig und sinnvoll, damit Wanderer, Walker und Radler eben nicht vom rechten Weg abkommen und die Heidelandschaft so unberührt bleibt, wie es eben geht“, sagt Undelohs Bürgermeister Albert Hohmann. Dass in diesem Zusammenhang mit dem Landkreis vor Gericht gestritten werden müsse, sei lächerlich und vollkommen überflüssig.

Hotels und Gaststättenverzeichnen mehr Zulauf

Zumal die Gemeinde von den Nacktwanderern nachweislich profitiert habe. Gastronomen und Hoteliers hätten seit der Ausweisung des Naturistenpfads mehr Zulauf verzeichnet und die Gemeinde touristisch noch attraktiver gemacht. „Nicht einmal der Eigentümer des Waldes, der Klosterforst Hannover, hat Bedenken angemeldet“, so Hohmann.

Auch die Lüneburger Richter sahen letztlich keinen Grund, die Ausweisung des Nacktwanderwegs zu untersagen. Das Anbringen von Wanderwegsmarkierungen „in Form von zehn Zentimeter großen gelben N´s an Bäumen mit Forstmarkierungsfarbe“ würde keine erhebliche Abweichung vom aktuellen Zustand darstellen und sei folglich auch nicht verboten. Die Notwendigkeit für das Aufstellen eines Hinweisschildes auf dem Waldparkplatz sah die Kammer hingegen nicht.

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