Schleswig

Akten zurück zum Kölner Stadtarchiv

Vom Landesarchiv in Schleswig fährt letzter von 16 Lastwagen ins Rheinland

Schleswig. Das Landesarchiv in Schleswig gibt die zwischengelagerten Akten aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv zurück. „Donnerstag früh soll der letzte Lkw abfahren“, sagt der stellvertretende Leiter des Kölner Archivs, Ulrich Fischer, in Schleswig. Nach knapp acht Jahren kehren damit mehr als ein Kilometer Akten, verpackt in 3000 Pappkartons, verteilt auf 16 Lastwagen-Fuhren, wieder zurück ins Rheinland.

„Schleswig ist das letzte weit entfernte Asylarchiv, das wir nun räumen können“, sagt Fischer. Beendet ist die Arbeit damit aber noch lange nicht. Vorsichtig öffnet der Historiker gemeinsam mit dem Direktor des schleswig-holsteinischen Landesarchivs, Rainer Hering, einen der Kartons. Gerne habe man die eigenen Bestände dafür zusammengerückt, sagt Hering. „Das ist wie Weihnachten“, meint Fischer, als er den Deckel hebt.

Gleich neben Aufzeichnungen über den Hansetag im 16. Jahrhundert lagern mit Schreibmaschine geschriebene Schnipsel aus dem 20. Jahrhundert. Per Hand müssen diese sogenannten „Köln-Flocken“ gesichtet, sortiert, gereinigt und schließlich wieder zusammengesetzt werden. Dennoch ist Fischer zuversichtlich, dass nicht mehr als fünf Prozent der Bestände beim Einsturz dauerhaft verloren gingen, als das Archiv im März 2009 durch Pannen beim Bau einer U-Bahn einstürzte. 27 Regal-Kilometer Akten landeten damals im Dreck. Tausende Freiwillige hatten geholfen, die Akten zu sichern, wie Fischer sagt. Bis sämtliche Dokumente zumindest grob vom Baustaub gereinigt und neu erfasst seien, dauere es geschätzt noch 20 Jahre.

Bis im ersten Quartal 2020 das neue Archiv in Köln öffnen soll, für das der Stadtrat 76 Millionen Euro freigegeben hatte, würden die meisten Bestände nun in Düsseldorf zwischengelagert, sagt Fischer. „Das ist zumindest geografisch näher an Köln als an Schleswig.“