Hannover

Neuer Streit um Bahn nach Hannover

Ausbau soll Züge elf Minuten schneller machen. Protest gegen Lärm in Lüneburg

Hannover.  Dauerbrenner Bahnausbau: Obwohl keiner die Notwendigkeit neuer Gleise zwischen Hamburg und Hannover bestreitet, bahnt sich um das Projekt neuer Streit an. Statt des von einem Dialogforum abgesteckten Ausbaus der bestehenden Strecke fordert Lüneburg jetzt eine Neubautrasse.

„Der Schienenlärm liegt bereits jetzt für Wohngebiete an der Strecke im gesundheitsgefährdenden Bereich“, sagt Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Mit dem Bau eines dritten Gleises werde sich dieser Zustand dramatisch verschlechtern. Dann würden 400 Güterzüge täglich die Anwohner im Lärm ersticken. Mädge: „Auf lange Sicht können wir auf eine lärmgeschützte Neubaustrecke entlang der A 7 für den Güterverkehr nicht verzichten.“

Verstimmt reagiert Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD): „Wir werden jetzt ganz bestimmt nicht wieder von vorne anfangen.“ Der Bundestag habe die Ausbaupläne für den Verkehrswegeplan demokratisch beschlossen. Diese gehen über den im Dialogforum gefundenen Kompromiss eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen sowie Ausbauten auf anderen Strecken hinaus. Die Pläne haben nicht nur den wachsenden Güterverkehr von den Seehäfen ins Hinterland im Blick, sondern auch den schnellen ICE-Verkehr: Mit Tempo 230 bis 250, möglichst ohne lästiges Abbremsen wie bisher in Lüneburg und Uelzen, sollen die Schnellzüge zwischen Hannover und Hamburg elf Minuten Fahrzeit einsparen. Damit dies gelingt, sind vier Ortsumfahrungen für Lüneburg, Deutsch Evern, Bad Bevensen und Uelzen geplant. De facto ergeben sich damit längere Neubauabschnitte, wenn auch nicht die von Lüneburg geforderte und dem Dialogforum 2015 verworfene Neubaustrecke. Mit der Vorplanung will die Bahn im Dialog mit Betroffenen 2017 beginnen. „Die Wirtschaft braucht dringend die zusätzlichen Kapazitäten“, sagt Olaf Kahle, Präsident der Indus­trie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg. Um die Wogen zu glätten, wird Lüneburgs Oberbürgermeister an diesem Montag im Verkehrsministerium in Hannover erwartet. Am Donnerstag gibt es in Lüneburg einen ersten Infotermin über den Ausbau.