Höhbeck

Lahmes Internet hat auch Vorteile

Fremdenverkehrsunternehmen in Niedersachsen werben, kein WLAN zu haben

Höhbeck.  Schnelles Internet? An manchen Orten in Niedersachsen können die Menschen davon nur träumen - oder fluchen und für Verbesserungen kämpfen. Im dünn besiedelten Landkreis Lüchow-Dannenberg zum Beispiel. Aus der Not eine Tugend machen können die Menschen dort aber auch, Hoteliers etwa, die für einen entspannten Urlaub ohne WLAN werben.

Größere Firmen gibt es in der Region nur wenige. Ein wichtiger Arbeitgeber ist der Safthersteller Voelkel in der Gemeinde Höhbeck. Der wünscht sich dringend eine bessere Internetverbindung. „Wir haben hier auf dem Land erhebliche Probleme“, beklagt der technische IT-Leiter des Unternehmens, Fritz Tiedke. „Wir haben eine teure, aber leistungsschwache Verbindung.“ Tiedke beschreibt die Lage so: „Wir müssen verschiedene Internet-Portale nutzen, um Anmeldungen etwa für Lieferungen vorzunehmen, da hakt es manchmal.“ Wegen der schwachen Verbindung gebe es außerdem extrem lange Wartezeiten. Jürgen Schulz, Landrat im Kreis Lüchow-Dannenberg, mahnt seit Jahren, dass eine unzureichende Internetversorgung zur wirtschaftlichen Überlebensfrage für die Region werden kann.

Und wie sieht es in anderen Regionen in Niedersachsen aus? Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums haben knapp 75 Prozent der 2,4 Millionen Häuser im Land inzwischen eine Internetversorgung von 50 Megabite pro Sekunde. Vor Start der Breitbandoffensive der Landesregierung 2013 waren es nur 36 Prozent. Auch Nick Kriegeskotte vom Digitalverband Bitkom sagt: „Niedersachsen ist beim Breitbandausbau in den vergangenen Jahren gut vorangekommen.“ In den ländlichen Regionen gebe es aber noch Nachholbedarf.

Einige Fremdenverkehrsunternehmer im Land haben aus der Internetnot eine Tugend gemacht. Sie werben für ihre Häuser mit dem Label „Hotels ohne WLAN – Adressen für entspannte Reisen“. „Es zeichnet uns aus, dass wir kein Internet haben“, sagt etwa Heinz-Robert Miemert, Inhaber eines Ferien-Bauernhofs im Landkreis Celle. „Wir haben sehr viele Gäste, die das nicht wünschen.“

Ganz ähnlich sieht es Barbara Kenner, Besitzerin eines Biohotels in Lüchow-Dannenberg. „Der Handyempfang ist mäßig, dafür haben wir auch wenig Strahlung von Handymasten“, sagt sie. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Gäste miteinander reden, statt per SMS zu kommunizieren.“ (dpa)