Konkurrenz

Bestattungstrends zwingen Friedhöfe zum Umdenken

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Klassische Gräber sind heute weniger gefragt

Klassische Gräber sind heute weniger gefragt

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Evangelische Friedhöfe im Norden kooperieren, um sich zu vermarkten. Die Konkurrenz durch private Waldbestatter wächst.

Hamburg.  Um sich gemeinsam besser vermarkten zu können, haben die Friedhöfe der evangelischen Nordkirche einen Förderverein gegründet. "Die Bestattungskultur verändert sich immer schneller, darauf müssen die kirchlichen Friedhöfe reagieren", sagte Dirk Abts, Friedhofsbeauftragter des Ev.-Luth. Kirchenkreises Hamburg-Ost. Die Anforderungen würden sich stetig verändern. "Die Friedhöfe stehen heute vor ganz anderen Herausforderungen als noch vor zehn Jahren."

Friedhöfe müssen um ihre Kunden werben

Die Bestattungsgesetze würden lockerer, und die Konkurrenz, beispielsweise durch kommerziell betriebene Bestattungswälder, werde größer, sagte Abts. Dadurch und durch die allgemeine demografische Entwicklung gehe die Zahl der Bestattungen auf Friedhöfen seit einigen Jahren zurück. "Früher war klar, dass man in dem Ort bestattet wird, in dem man lebt", erklärt Abts. "Das ist schon lange nicht mehr so." Inzwischen müssten Friedhöfe um ihre Kunden werben.

Hinzu komme, dass vielen der Unterschied zwischen einem kirchlichen und einem kommunalen Friedhof gar nicht bewusst sei. Das gebe es selbst unter Pastoren, so Abts. Außerdem sei das Image des Friedhofs oftmals negativ besetzt, was jedoch überwiegend auf veralteten Vorstellungen beruhe. Dennoch bemerke er, dass gerade junge Menschen wieder viel Wert auf ein klassisches Grab legen.

Initiatorin aus Blankenese

Der Förderverein unterstützt seine Mitglieder bei Aktionen zur Öffentlichkeitsarbeit, hat die Internetpräsenz kirchliche-friedhoefe.de erstellt, veröffentlicht Werbematerialien und informiert auf Messen. Die Gründung begann vor knapp zehn Jahren vorerst als "lockerer Interessenverband", erklärt Ulrike Drechsler, Friedhofsverwalterin in Blankenese, die neben Abts und weiteren Kollegen die Vereinsgründung mit initiiert hat.

Schnell wuchs der Verband auf über 50 Friedhöfe. "Da wollten wir ihn auf breitere Beine stellen", sagte Drechsler. Alle Mitglieder sollten Einfluss auf die Verwendung von Geldern haben, "wir wollten ein demokratisches Gremium schaffen". Im September 2015 wurde schließlich der gemeinnützige Verein gegründet. Am 1. Dezember soll auf der Mitgliederversammlung der neue Vorstand gewählt werden. Derzeit sind 34 der rund 1.500 kirchlichen Friedhöfe in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Mitglied beim "Verein zur Förderung des Friedhofswesens in der Nordkirche e.V.". Der Mitgliedsbeitrag orientiert sich an der Zahl an Bestattungen pro Jahr.

( epd )

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