Hannover

AfD in Harburg unter zehn Prozent

Kommunalwahl in Niedersachsen. Im Landkreis Stade liegt die CDU vor der SPD und den Grünen

Hannover.  Die Kommunalwahlen in Niedersachsen sind am Sonntag auf ein mindestens so großes Interesse gestoßen wie die aus dem Jahr 2011. Bis zum späten Nachmittag gaben 44,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, das waren exakt so viele wie vor fünf Jahren, teilte die Landeswahlleitung in Hannover mit. In den großen Städten wurde ein gestiegenes Interesse an der Briefwahl verzeichnet. Bei den Direktwahlen zu den sechs neuen Landräten lag die SPD nach vorläufigen Zahlen in den meisten Landkreisen vorn.

Im Landkreis Harburg war kurz vor Redaktionsschluss die CDU die stärkste Partei. Sie lag bei 33,5 Prozent, die SPD bei 25,9, die Grünen bei 14,1 Prozent, Wählergemeinschaft 3,3 Prozent, die FDP bei 5,5 Prozent, die Linke bei 2,8 Prozent. Die AfD konnte zunächst kein zweistelliges Ergebnis vorweisen und lag bei 9,9 Prozent. Die Freien Wähler kamen auf 5,0 Prozent (Stand 22.02 Uhr). Da waren 301 von 320 Wahllokalen ausgezählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,8 Prozent. 2011 lag die Gesamtbeteiligung bei 54,1 Prozent.

Die stärkste Partei im Landkreis Harburg blieb am Sonntagabend die CDU. Sie musste aber genau wie die SPD Verluste hinnehmen. In einer ersten Stellungnahme sagte der CDU-Kreisfraktionsvorsitzende Hans-Heinrich Aldag: „Wir haben fünf Prozent verloren. Das ist enttäuschend. Aber es haben eben auch viel mehr Parteien und Gruppen kandidiert. Deshalb verlieren die größeren Parteien jetzt Stimmen.“ Die Arbeit im Kreistag werde nicht einfacher. Die politische Situation „bunter“.

Für die SPD äußerte sich Tobias Handtke ebenfalls am späten Abend. „Auch wir werden einige Prozentpunkte verlieren und haben damit unser Wahlziel nicht erreicht. Das stimmt nicht optimistisch.“ Der SPD-Kreisfraktionsvorsitzende wies aber darauf hin, dass die Ergebnisse in den einzelnen Gemeinden durchaus unterschiedlich ausfielen. So hatte die SPD im Wahlbereich Neu Wulmstorf kurz vor 21 Uhr 40,5 Prozent und war damit dort die stärkste Partei.

Im Landkreis Lüneburg hatte ebenfalls die SPD die Nase vorn. Die Sozialdemokraten kamen auf 30,1 Prozent und lagen damit knapp vor der CDU mit 28,3 Prozent. Die Grünen erreichten 17, 3 Prozent. Auch hier konnte die AfD mit 9,5 Prozent nicht die Zen-Prozent-Marke überwinden. Auch Die Linke trat in Lüneburg an und kam auf 5,8 Prozent.

Im Landkreis Stade dominierte die CDU mit 33,9 Prozent. Die SPD landete hier mit 26,9 Prozent auf Platz zwei. Drittstärkste Kraft wurde die FWG mit 15, 4 Prozent vor den Grünen mit 8,4. Die AfD kam hier auf 8,1 Prozent.

Bei den Landratswahlen in den Landkreisen Hildesheim und Leer lagen die beiden SPD-Bewerber am Abend deutlich in Führung. Olaf Levonen (Landkreis Hildesheim) und Matthias Groote (Landkreis Leer) sicherten sich dort schon im ersten Wahlgang den Landratsposten. Auch in den Landkreisen Göttingen und Wittmund hatten die SPD-Kandidaten in den Zwischenständen die Nase vorn, hier deuteten sich aber bereits Stichwahlen an.

In Hameln sind bei den Stadtratswahlen in einem Wahlbereich falsche Stimmzettel ausgegeben worden. Es habe sich um die Stimmzettel eines anderen Hamelner Wahlbereichs gehandelt, sagte Hamelns Wahlleiter Dieter Schur am Sonntagabend. „Ab 10.30 Uhr war die Welt wieder in Ordnung.“

Bei der Oberbürgermeisterwahl in Celle wird es voraussichtlich ebenso eine Stichwahl geben. Der bisherige Amtsinhaber Dirk-Ulrich Mende (SPD) lag nach Angaben der Stadt nach der Auszählung eines Großteils der Wahlbezirke vor seinem CDU-Herausforderer Jörg Daniel Nigge. Beide lobten einstimmig am Abend die hohe Wahlbeteiligung von mehr als 50 Prozent.

„Ansonsten war es fast vorauszusehen, dass es auf eine Stichwahl hin­auslaufen wird“, sagte Nigge im NDR-Fernsehen. „Aber wir werden zwei Wochen lang alles geben.“ Amtsinhaber Mende sagte im Hinblick auf die anstehende Stichwahl und die absolute Mehrheit: „Ich hätte sie natürlich gerne direkt gehabt.“

Aus vielen Städten und Gemeinden sei ein stark gestiegenes Interesse an der Briefwahl gemeldet worden, sagte Björn Schwiegmann von der Landeswahlleitung. „Wir können keine sichere Prognose abgeben, aber wir rechnen im Vergleich zum Jahr 2011 nicht mit einem Sinken der Beteiligung.“ Damals hatten 52,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abge­geben.

Insgesamt waren am Sonntag rund 6,5 Millionen Bürger aufgerufen, über die Zusammensetzung der Stadt- und Gemeinderäte sowie der Kreistage zu entscheiden. Um die Mandate bewarben sich fast 67.000 Männer und Frauen. 25 Parteien waren zugelassen, aber auch viele lokale Wählergruppen und Einzelbewerber.Vor fünf Jahren siegte die CDU mit 37,0 Prozent, vor den Sozialdemokraten mit 34,9 Prozent. Die Grünen kamen im Jahr 2011 auf 14,3 Prozent, die FDP auf 3,4, Wählergruppen auf 6,3 Prozent und die Linkspartei auf 2,4 Prozent.