Stade

Falsche Zahlen: AfD zieht Flyer zu Kriminalität zurück

Stader Ortsverband verwendete manipuliertes Foto und verdreifachte die Rohheitsdelikte

Stade. „Unbequem. Echt. Mutig.“: Das plakatierte die AfD in Niedersachsen wenige Tage nach dem erfolgreichen Abschneiden bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Wenige Tage vor den Kommunalwahlen in Niedersachsen am Sonntag, hat sich die AfD Stade nun mit einem einigermaßen mutigen und alles andere als echten Flyer in die Nesseln gesetzt. Bekannt ist bereits, dass auf diesem Flugblatt ein manipuliertes Foto zu sehen ist. Es trägt die Überschrift „Innere Sicherheit im Landkreis Stade“, entstand aber 2009 in Athen. Recherchen des Abendblatts haben nun ergeben, dass der Flyer weitere Fehler enthält: Sechs von 18 Zahlen zur Kriminalitätsentwicklung sind falsch.

Die Zahl der Rohheitsdelikte (Körperletzung, Raub usw.) ist in Wirklichkeit deutlich niedriger als von der AfD behauptet. Es waren 2015 nicht etwa 4951 solcher Delikte, sondern nur 1691. Die Zahl der Diebstähle ist hingegen deutlich höher: Es waren nicht 1691, sondern 4951. Herbert Kreykenbohm, Sprecher der Polizeiinspektion Stade, sagt: „Die Zahlen sind offenbar vertauscht worden.“ Folge: Alle sechs Werte zu den Diebstählen und den Rohheitsdelikten (jeweils von 2013 bis 2016) sind falsch.

Der AfD-Sprecher geht sofort zum Gegenangriff über

Doch nicht nur das: Die Partei hat sich mit dem Abdruck des Fotos vermutlich einer Verletzung des Urheberrechts schuldig gemacht. Das Bild war im Dezember 2009 bei einer Demonstration in Athen entstanden. Ein Demonstrant schlägt mit einer Fahnenstange auf einen am Boden liegenden Polizisten ein. Anlass für den gewalttätigen Protest: Im Jahr zuvor hatte ein Polizist einen 15 Jahre alten Schüler in Athen erschossen.

Das Foto kursiert schon seit Längerem im Internet – in einer manipulierten Form. Irgendwer hatte dem Schläger mit der Fahnenstange den Schriftzug „Antifaschistische Aktion“ auf den Rücken montiert. Und so wurde in dem AfD-Flyer aus dem gewalttätigen griechischen Protest gegen eine Polizeiaktion die Attacke eines deutschen Linken gegen die Polizei. Nutzt die AfD Stade etwa Propagandamethoden, um im Wahlkampf punkten zu können?

Anruf bei Helmut Wiegers, Sprecher der AfD im Landkreis Stade. Der geht sofort zum Gegenangriff über. „Dass sich jetzt alle Medien über das Bild aufregen, zeigt mir, dass hier eine Kampagne gegen die AfD gefahren wird.“ Dabei sei das mit dem Foto nur „ein kleines Missgeschick“ gewesen. „Niemand interessiert sich für die Inhalte des Flyers“, sagt er. Das Abendblatt hat sich dafür interessiert. Auf die Zahlen angesprochen, verspricht Wiegers, der Sache nachzugehen: „Wenn das stimmt, dann kriegt hier jemand die Ohren langgezogen.“

Am Ende steht das Eingeständnis von Wiegers: „Es stimmt, die Zahlen sind falsch. Wir werden den Flyer nicht mehr verteilen.“