Schleswig-Holstein

Nach den Touristenrekorden kommt der Bauboom

Das Beach Motel in St. Peter-Ordung lockt vor allem junge Gäste in den Norden. Nun soll es einen zweiten Standort in Heiligenhafen bekommen

Das Beach Motel in St. Peter-Ordung lockt vor allem junge Gäste in den Norden. Nun soll es einen zweiten Standort in Heiligenhafen bekommen

Foto: Andrea Flak

Immer mehr Urlauber kommen nach Schleswig-Holstein. Nun herrscht in den Küstenorten an Nord- und Ostsee Goldgräberstimmung.

Eutin.  In den schleswig-holsteinischen Badeorten ist so etwas wie Goldgräberstimmung ausgebrochen. Überall werden neue Hotels gebaut. Der enorme Anstieg bei den Übernachtungszahlen begeistert die Gastronomen und elektrisiert die Investoren. Das Land eilt von Rekord zu Rekord. 2014 wurden 22,8 Millionen Übernachtungen gezählt. Es war der höchste Wert seit 33 Jahren. 2015 lief es noch besser: 23,5 Millionen Übernachtungen. Kein Wunder, dass sich an der Küste derzeit viel verändert – besonders an der Ostseeküste. In Eutin stellten am Donnerstag mehrere Tourismusverbände ihre Pläne für die kommenden Jahre vor. Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT), sagte: „Bis 2018 wollen die Tourismusorte rund 500 Millionen Euro in neue Hotels und Promenaden investieren.“

Natürlich sind dies nur zum Teil kommunale Investitionen. Der Löwenanteil entfällt auf Unternehmer, die an der Küste investieren. Zum Beispiel in Lübeck-Travemünde. 126 Millionen Euro soll das Feriendorf kosten, das am rechten Ufer der Travemündung entsteht. Der Travemünder Stadtteil Priwall war für Investoren lange Zeit uninteressant gewesen, lag er doch direkt an der innerdeutschen Grenze. Vom Priwallstrand aus blickte man auf Stacheldraht – keine Aussicht, für die man Hoteliers begeistern kann. Doch das ist längst Vergangenheit. Auf dem Priwall ist mittlerweile eine Siedlung mit dänischen Ferienhäusern entstanden. Im Oktober war dann Grundsteinlegung für das touristische Großprojekt „Priwall Waterfront“. Der dänische Unternehmer Sven Hollesen will entlang des Traveufers gegenüber des Travemünder Zentrums eine Ferienanlage mit rund 1500 Betten errichten. Geplant sind 454 Appartements und ein Hotel, Läden und ein Indoor-Spielplatz. Auch die in die Jahre gekommene Priwallpromenade wird erneuert. Sie soll schon Mitte kommenden Jahres fertig sein. Die Ferienanlage wird vermutlich Ende 2018 eröffnen.

Apartmenthaus mit 100 Wohnungen geplant

„Hier entsteht eine Perle des Tourismus, die auf die gesamte Ostseeküste ausstrahlen wird“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) bei der Grundsteinlegung.

Auf der anderen Seite der Trave wird ebenfalls Neues entstehen. Auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Schwimmbads will die Deutsche Immobilien AG für 95 Millionen Euro ein a-ja-Hotel mit 240 Zimmern und ein Schwimmbad bauen. Zudem ist ein Apartmenthaus mit 100 Ferienwohnungen und 400 Betten für 25 Millionen Euro geplant. Das Hotel soll Ostern 2018 fertig sein.

In Heiligenhafen werden derzeit gleich zwei Hotels gebaut. Links und rechts der 2013 eröffneten Seebrücke stehen sie, noch in diesem Jahr sollen sie an den Start gehen. Der Hotelier Jens Sroka wiederholt hier ein Konzept, mit dem er bereits auf der anderen Seite des Landes Erfolg gehabt hat, im Nordseebad St. Peter-Ording. In Heiligenhafen ist alles noch eine Nummer größer: Das „Beach Motel“ hat 110 Zimmer, die „Bretterbude“ 81 Zimmer. Beide Hotels richten sich an junge Gäste, die „Bretterbude“ vornehmlich an Kiter und Surfer. Die Zimmer heißen hier „Butzen“, auf der Internetseite dominiert ein flapsiger Grundton. Die günstigste Butze kostet ab 39 Euro, die teuerste ab 129 Euro. Die Butzenmieter werden geduzt. Die Architektur erinnert mit ihren hölzernen Balkonen und Veranden entfernt an Strandhäuser in den USA.

In Grömitz wird dagegen derzeit an einem weitgehend kommunalen Projekt gearbeitet. Es wird das Gesicht des Bades verändern. Es geht um das rund 22.000 Quadratmeter große, direkt an der Kurpromenade gelegene Gelände des alten Freibads. Ab Herbst 2017 soll dort der „Dünenpark“ entstehen – ein Areal mit einem Beach Club, einem Abenteuerspielplatz sowie Restaurants.

Neues Kreuzfahrtschiff vor Travemünde getauft

Neben neuen Hotels, Ferienhäusern und Promenaden lockt ein buntes Veranstaltungsangebot an die Ostsee. So laden 18 Küstenorte am 3. Juli zum Strandfrühstück. In Eckernförde, Grömitz und Kellenhusen gibt es Open-Air-Konzerte. Großenbrode veranstaltet im August erstmals eine „Künstlerpromenade“. Die Holsteinische Schweiz lockt mit abendlichen Naturerlebnissen unter dem Motto „Nachtgeflüster“ und organisierten Picknickveranstaltungen, zum Beispiel am Plöner Schloss.

Auch auf dem Wasser ist viel los: Am 15. Juli wird das neue Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ der TUI Cruises vor Travemünde getauft. Ende August startet der Kitesurf World Cup auf der Insel Fehmarn. Feiern und genießen lässt es sich auch auf dem neuen Partyboot des Ferienparks Weissenhäuser Strand. Das Boot in Donutform verfügt über einen mittig angebrachten Grill, sodass bis zu zehn Personen auf der Ostsee ein leckeres Barbecue genießen können. Wer in diesem Sommer an der Ostsee Urlaub machen will, sollte sich also beeilen. „Viele Orte wie Grömitz, Kellenhusen und Weißenhäuser Strand sind schon weitgehend ausgebucht“, sagte OHT-Geschäftsführerin Katja Lauritzen.