Hamburg–Westerland

Überhitzte NOB-Loks Richtung Sylt werden zum Politikum

Ein Zug der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) im Bahnhof Altona (Archiv)

Ein Zug der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) im Bahnhof Altona (Archiv)

Foto: Imago/Rüdiger Wölk

Warum Bauteile überhitzen, bleibt unklar. Ersatzfahrzeuge eingesetzt. Image der Firma Bombardier leidet. Politiker in Sorge um Sylt.

Hamburg/Westerland.  Auf der Bahnstrecke Hamburg–Westerland wird es vermutlich auch weiterhin zu Verspätungen von bis zu 45 Minuten kommen. Das teilte die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) mit, die auf dieser Strecke verkehrt. Die Lokomotiven der Firma Bombardier, die die NOB einsetzt, neigen weiterhin zu Überhitzung und müssen dann abgeschaltet werden. Von heute an sollen drei Ersatzfahrzeuge für Entlastung sorgen. Hans-Jörn Arp, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, hat unterdessen die Landesregierung aufgefordert, für Abhilfe zu sorgen. „Es muss alles getan werden, um das Problem möglichst schnell zu beseitigen“, sagte er. „Das Image der Insel Sylt leidet.“

Auch das Image der Firma Bombardier leidet. NOB fährt auf der Strecke mit insgesamt 15 Loks der nagelneuen Baureihe 245. Sie haben vier Motoren und sollen besonders sparsam sein. Die Loks sind erst seit Ende 2013 für den Betrieb zugelassen. Auch die Deutsche Bahn hat schon einige von ihnen geordert. Sie setzt die Loks beim Sylt-Shuttle ein, allerdings in einer Ausstattungsvariante mit stärkeren Motoren als bei der NOB. Schon im Februar 2015 hatte diese Baureihe bei der Südostbayernbahn für Probleme gesorgt. Für Bombardier ist die Lösung des NOB-Problems überaus wichtig. Ein Team von Mitarbeitern hält sich in Husum auf. Dort befindet sich das NOB-Depot. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das Problem zu lösen“, sagte der Bombardier-Sprecher An­dreas Dienemann. Noch weiß man allerdings nicht, warum ein Bauteil der Loks immer mal wieder überhitzt. „Wir befinden uns ganz am Anfang der Analyse“, sagte Dienemann.

Die 15 NOB-Loks sind das Ergebnis einer komplizierten Ausschreibung, bei der das Land Schleswig-Holstein dem Bahnunternehmen vorschrieb, Fahrzeuge dieses Typs einzusetzen. Sie sind gemietet. Der Neupreis einer Lok liegt bei rund vier Millionen Euro. Das Land setzt derzeit darauf, dass Bombardier die Probleme beheben kann. Die sind vor gut einer Woche erstmals aufgetreten. Seitdem gibt es fast täglich Verspätungen. Am vergangenen Freitag waren sechs Abfahrten betroffen, am Sonnabend fünf und am Sonntag drei. Am Montag gab es eine Verspätung und zwei Zugausfälle. Weder die Abfahrt um 15.31 Uhr ab Husum noch die um 17.40 Uhr ab Hamburg-Altona kam zustande.