Parchim

Wenig Metropole, aber sehr viel Region

Das alles ist jetzt Großraum Hamburg: Impressionen aus dem Altkreis Parchim, der bald zur Metropolregion gehört. Ihr Botschafter: ein Promi-Schuhmacher

Parchim. Promi-Schuhmacher Kay Gundlack sitzt in seiner Manufaktur und telefoniert mit Rammstein. Es geht um einen Auftrag der Band – hohe, schwarze Stiefel. Ein Kunstwerk von einem Schuh, kreiert für die neue Tournee. Seine Werkstatt befindet sich in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern), rund 90 Autominuten von Hamburg entfernt.

Während der Promi-Schuhmacher Kundenpflege betreibt, steht die gebürtige Hamburgerin Sonni Frankello auf einer grünen Wiese mitten in der Pampa. Das Dorf heißt Platschow, liegt in der Nähe von Ziegendorf und ist die Heimat von acht Elefanten, Schweinen und einem Lama, mit dem schon mal ein Werbefilm gedreht wurde.

Das alles ist Hamburg – zumindest die Metropolregion, die immer größer wird. Sie reicht nun von Cuxhaven bis zum Altkreis Parchim, zu dem Patschow genauso gehört wie Plau am See. Der Lenkungsausschuss der Metropolregion hat jetzt grünes Licht für die Osterweiterung gegeben. Die Zustimmung der Regionalparlamente gilt als sicher. Die östlichen Kommunen erhoffen sich dadurch eine stärkere wirtschaftliche und touristische Entwicklung. Ihr größtes Kapital – die fast unberührte Natur in einem Land, wo so mancher Lebenstraum wahr werden kann.

Die acht Afrikanischen und Asiatischen Elefanten zählen zwar nicht zur heimischen Fauna. Längst sind sie aber zu einer touristischen Attraktion geworden. 40.000 Gäste kommen pro Jahr zum Elefantenhof und erleben, welche Kunststücke die ehemaligen Zirkustiere können. „Wir haben uns hier einen Traum erfüllt“, sagen die Elefantenhof-Betreiber und Tierlehrer Sonni und Lillian Frankello und zeigen auf das 40.000 Quadratmeter große Gelände mit einem Wasserbecken, aus dem keck zwei Seelöwen gucken. Platz, Futter und Natur gibt es rund um Ziegendorf genug. Die Besucher werden mit exklusiven Events wie der Dschungelnacht am 28. August auf die grüne Wiese gelockt. Wer will und sich rechtzeitig anmeldet, kann dann zwischen Elefantengehege und Lagerfeuern in Zelten übernachten. Von der Metropolregion erhoffen sich die Betreiber eine bessere touristische Vermarktung.

Gut 50 Kilometer von Platschow entfernt verkauft in Plau am See ein junger Mann in Fischerhemd Saibling-Brötchen aus dänischer Aquakultur und geräucherten Hecht, gefangen vor Ort. Der Plauer See ist der siebtgrößte Deutschlands. Der Blick geht vom Fischerhafen auf eine 100 Jahre alte Hubbrücke, auf der die Autos im Schritttempo in die Altstadt fahren. An den Restaurants der Elde-Promenade speisen Touristen aus Nordrhein-Westfalen, während ein Doppeldeckerbus zur nächsten Tour startet. Michael Wufke, 36, strahlt. Er ist Geschäftsführer der Tourist-Info am Markt und lebt gern in Plau am See. „Ich genieße es, nach Dienstschluss hinaus in die Natur zu gehen und zur Ruhe zu kommen.“ Mit Stolz erzählt er von den steigenden Übernachtungszahlen. 2008 waren es rund 400.000, im vergangenen Jahr 460.000.

In Hamburg ist die Einwohnerdichte 60-mal größer als in Parchim

„Auch gastronomisch tut sich bei uns viel“, sagt er. Sieben Restaurants haben sich unter dem Motto „Plau kocht“ zusammengetan. Sie servieren regionale Spezialitäten aus Hecht, Zander und Wild. Und im Herbst kommen verstärkt heiße Suppen auf den Tisch. Gut 94.400 Einwohner leben im 2200 Quadratkilometer großen Altkreis Parchim, der bald ganz offiziell zur Metropolregion mit ihren rund fünf Millionen Einwohnern gehört. Während in Hamburg 2400 Einwohner pro Qua­dratkilometer leben, sind es im Altkreis Parchim gerade mal durchschnittlich 42, berichtet Stadtpräsidentin Ilka Rohr.

Eine Autostunde von Plau am See entfernt liegt Sternberg, Am Fuße der im 14. Jahrhundert erbauten Kirche St. Maria und St. Nikolaus befindet sich die Touristen-Information. Dort informiert Fachmann Martin Bouvier ein Gästepaar über ein Konzert des Dresdner Kreuzchors am 29. Juni in der Stadtkirche. „Wir haben eine fantastische Landschaft mit 100 Seen rund um Sternberg“, wirbt er für seine Region. Die Aufnahme in die Metropolregion Hamburg sei ein richtiger Schritt. „Nun kommt es darauf an, dass wir interessante Angebote für die Großstädter schaffen.“

Vor der Parchimer Schuhmanufaktur von Kay Gundlack hält wenig später mal wieder eine S-Klasse. Kunden aus Hamburg. Sie betreten das Geschäft und betrachten eine Fotowand. Sie zeigen den Promi-Schuhmacher mit Thomas Gottschalk und dem Geiger David Garrett. Für sie und viele andere bekannte Künstler und Manager fertigt der Kreative Kunstwerke für die Füße.

Die Maßarbeit ist ab 1600 Euro zu haben. „Ich konnte mir in Parchim einen Traum erfüllen“, sagt er begeistert. Schon als Kind wollte er Schuhmacher werden. Nun gehört er zu den besten seiner Zunft. Die Lage zwischen Berlin und Hamburg sei für ihn optimal, sagt Gundlack. Sehr zur Freude von Parchims Bürgermeister Dirk Flörke: „Die Schuhmanufaktur ist der beste Werbeträger für unsere Region.“