Stadthagen

Nachwuchs-Fußballer von Hannover 96 bereuen Überfallplan

Die drei A-Jugendlichen müssen jetzt Sozialarbeit leisten

Stadthagen. Erst Pokalhelden, dann Angeklagte: Keine Woche nach dem Gewinn des DFB-Pokals der A-Junioren in Berlin sitzen drei Nachwuchs-Fußballer von Hannover 96 mit gesenktem Kopf im Amtsgericht Stadthagen. Um maskiert und bewaffnet eine Spielhalle zu überfallen, sollen die 19-Jährigen am 2. Februar Autokennzeichen gestohlen und an ihrem Wagen befestigt haben. Auf dem Parkplatz vor der Spielothek in Lauenau an der A 2 verließ das Trio jedoch der Mut, vielleicht kam auch die Einsicht. Jedenfalls fuhren die drei mit dem Wagen, der einem Vater gehörte, zurück nach Hannover.

Dort fiel das im absoluten Halteverbot geparkte Auto mit zwei unterschiedlichen Nummernschildern auf. Im Wagen lagen unter anderem eine Schreckschusspistole, Munition für andere Waffen sowie Sturmhauben. Die drei Spieler legten bei der Polizei ein Geständnis ab und packen auch am Donnerstag im Prozess vor Jugendrichter Kai Oliver Stumpe aus. „Dümmer ging’s nicht. Ich bereue das ganz krass“, sagt einer der Angeklagten. „Es ist mir sehr peinlich. Es wird nie wieder vorkommen“, beteuert sein Mitspieler.

Die Geständnisse wertet der Richter als strafmildernd. Der Spieler, der die Idee zu dem Überfall hatte, wird wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und illegalen Waffenbesitzes zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. Er hatte die Pistole aus dem Waffenschrank seines Vaters geholt und den Wagen gefahren. Seine beiden Kumpel erhielten jeweils 40 Sozialstunden und 300 Euro Geldstrafe. Nach eigenen Angaben verdienen die Fußballer beim Bundesligisten 900 bis 1000 Euro netto pro Monat.

Psychisch extrem angegriffen wirkt der blonde Initiator des Ausflugs in die Gangsterwelt. Auf Nachfrage des Richters erzählt er, wie er in Zockerkreise abgerutscht ist. „Ich bin normalerweise ein kleiner Dorfjunge“, sagt er. In Hannover sei er in andere Kreise geraten, habe erst ein bisschen hier und da gespielt, doch dann habe es ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr normal war. Inzwischen sei er in Therapie. „Ich werde in Zukunft neben meinem Sport etwas Vernünftiges tun“, kündigt der 19-Jährige an. Seine Komplizen leben allein in Hannover, die Familien in Berlin und im Rheinland.