Kiel

Immer neue Vorwürfe: Sexueller Missbrauch in Jugendheim?

Der Abgeordnete der Piratenpartei, Wolfgang Dudda, erhebt neue schwere Vorwürfe

Der Abgeordnete der Piratenpartei, Wolfgang Dudda, erhebt neue schwere Vorwürfe

Foto: Nordpool / imago

In einer Einrichtung in Dithmarschen soll es 2013 einen Fall von sexuellem Missbrauch gegeben haben – behauptet ein anonymer Informant.

Kiel.  Miserables Essen, langes Fixieren von Heiminsassen auf dem Boden, ein Fall von sexuellem Missbrauch: Mit weiteren Vorwürfen gegen ein schleswig-holsteinisches Jugendheim ist der Landtagsabgeordnete Wolfgang Dudda (Piraten) am Montag an die Öffentlichkeit gegangen. Ob diese Vorfälle, die älteren Datums sind, der Wahrheit entsprechen, ist unklar. Dudda hat zwar eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. Sie bezieht sich allerdings lediglich auf ein Gespräch, das er am vergangenen Freitag mit einer anonym bleiben wollenden „Auskunftsperson“ geführt hat.

Der Gesprächspartner gab laut Dudda an, sowohl im Heim Friesenhof als auch in der Heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe Dithmarschen in Dörpling gearbeitet zu haben. Dieses Heim wird von ehemaligen Friesenhof-Mitarbeitern geführt. Der Friesenhof wiederum steht derzeit im Mittelpunkt eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses, dem Dudda angehört. Der Ausschuss versucht zu klären, ob das Sozialministerium nicht schon viel früher hätte verhindern können, dass das Heim in Wesselburen wie eine geschlossene Einrichtung geführt wurde. Die weiblichen Insassen mussten dort elementare Verletzungen ihrer Grundrechte erdulden.

Ein Einzelfall war das offenbar nicht. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass es im Therapiezentrum Rimmelsberg in Großjörl (Kreis Schleswig-Flensburg) erniedrigende Erziehungsmethoden und aus Strafpunkten bestehende Disziplinierungsmaßnahmen gegeben hat. Nach Auskunft der Heimaufsicht sind diese Mängel schon seit Längerem abgestellt. Thomas Friedrich, Leiter der Behörde, sagte, man habe „erhebliche strukturelle und konzeptionelle Änderungen“ herbeigeführt.

Essen von schlechter Qualität

Nun also das Heim in Dörpling. Glaubt man Dudda, gab es auch dort Strafen, die in einer pädagogischen Einrichtung nichts zu suchen haben. So soll sich der Mitarbeiter Bernd P. im Jahr 2013 gegenüber der „Auskunftsperson“ gerühmt haben, soeben „eine Dreiviertelstunde auf Marie gesessen“ zu haben: „Die war ein bisschen aufmüpfig.“ Ein anderer Mitarbeiter habe, so ein weiterer Vorwurf, während einer Nachtwache mit einer der weiblichen Insassen sexuelle Handlungen durchgeführt. Er sei im Sommer 2013 fristlos entlassen worden, so Dudda.

Zudem sei das Essen von schlechter Qualität gewesen. Das „billigste vom Billigsten“ habe es gegeben, behauptet der Informant. Brot, Margarine, billiger Aufschnitt, Nudeln mit Soße – mehr habe es nicht gegeben.

Welche Folgen Duddas eidesstattliche Versicherung hat, ist unklar. Der Abgeordnete legte sie völlig überraschend und ein wenig spektakulär während einer Sondersitzung des Kieler Sozialausschusses vor, in der es eigentlich um die Zustände im Therapiezentrum Rimmelsberg gehen sollte. Das Heim in Dörpling befindet sich seit Mai 2014 in anderen Händen und wurde umbenannt. Die Einrichtung, in der es im Sommer 2013 angeblich einen
sexuellen Missbrauch gegeben haben soll, existiert so also gar nicht mehr. Dudda erwartet dennoch, dass die dem Sozialministerium unterstellte Heimaufsicht in Dörpling eingreift. „Denn der Mitarbeiter Bernd P. arbeitet dort immer noch“, so Dudda. Das Ministerium will den Fall prüfen. Der Nachweis anonymer Vorwürfe sei allerdings besonders schwierig, sagte ein Pressesprecher.