Kulturelles Erbe

Ausstellung in Lüneburg zeigt die Schätze des Nordens

Museumsdirektorin Heike Düselder mit Exponaten aus dem 13. bis 17. Jahrhundert, die im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden

Museumsdirektorin Heike Düselder mit Exponaten aus dem 13. bis 17. Jahrhundert, die im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden

Foto: Philipp Schulze / dpa

Die bemerkenswerte Schau präsentiert Stücke aus 15 Heimatmuseen der Region, die das kulturelle Erbe bewahren.

Lüneburg.  Es ist Vormittag und noch ist es ruhig im Museum Lüneburg. Aber so langsam füllen sich die Räume mit Besuchern. Kuratorin Birte Stüver läuft an den Vitrinen vorbei, in denen Pfeilspitzen aus der Bronzezeit, eine Fischerlade aus dem 18. Jahrhundert und eine historische Spindel liegen. Die Exponate sind nur ein Teil der vor Kurzem eröffneten Sonderausstellung „Aus allen Winkeln“, die zurzeit im Museum Lüneburg zu sehen ist. 15 norddeutsche Heimatmuseen haben sich für die Sonderausstellung zusammengeschlossen, darunter auch das Elbschifffahrtsmuseum aus Lauenburg und das Freilichtmuseum am Kiekeberg. Alle teilnehmenden Museen haben gemeinsam, dass sie das kulturelle Erbe der norddeutschen Region bewahren und vermitteln wollen. „Diese kleinen Museen haben ganz viele Schätze“, erzählt Kuratorin Birte Stüver. Anstelle der großen Museen in Hamburg seien die Heimatmuseen aus den umliegenden Gebieten eine schöne Alternative für einen Ausflug. „Man kann seine Region einmal ganz neu entdecken.“

An drei Sonntagen nacheinander finden im Rahmen der Sonderausstellung Aktionstage statt, die thematisch geordnet jeweils eine Auswahl der fünfzehn Museen in den Fokus rücken. Jetzt standen die Heimat- und Geschichtsmuseen im Mittelpunkt.

Die achtjährige Emma und ihr siebenjähriger Bruder Luis sind für den Aktionstag mit ihren Eltern Nicole und Jeffrey van der Gugten nach Lüneburg gekommen. Die beiden Kinder sitzen am Stand des Us Heimathus Adendorf vor einer Wanne mit Seifenwasser und filzen Bälle aus Schafswolle. Wie die Wolle früher von Hand gesponnen wurde, haben sie heute bereits gelernt. Die Eltern schauen ihren Kindern beim Filzen zu. Nicole van der Gugten streicht sich nachdenklich durch die dunklen Haare: „Man fährt immer zu den großen Museen nach Hamburg. Aber was hier so vor Ort ist, das schaut man sich als Letztes an“, stellt sie fest.

Deshalb hat sich Familie van der Gugten vorgenommen, in nächster Zeit gezielt die kleineren Museen in der Heide und der Region um Lüneburg zu erkunden. „Heute haben wir auch schon einige Flyer von den Museen mitgenommen“, bekräftigt Jeffrey van der Gugten. Sohn Luis, der gerne Museen besichtigt, hat nichts dagegen einzuwenden. Stolz zeigt er seinem Vater seinen fertigen, selbstgefilzten Woll-Ball in seiner Lieblingsfarbe Grün: „Der ist für unsere Katze, als Spielzeug.“

Einen Raum weiter sind Henry Makowski und Renate Cordes vom Heimatmuseum Dahlenburg gerade in ein angeregtes Gespräch über Kriegspferde vertieft. „Lüneburg hat eine alte Pferdetradition, die Dragoner“, erzählt Henry Makowski. Der 89 Jahre alte Naturfilmer mit dem weißen Vollbart kennt sich aus mit der Schlachtenkavallerie des 18. und 19. Jahrhunderts. Bevor die Kriegspferde von militärischen Panzern abgelöst wurden, waren sie für die Offiziere des Landkreises unverzichtbar. Für die Bauern aus der Lüneburger Heide war die Pferdezucht deshalb eine lukrative Nebeneinnahmequelle. Ehe die Tiere in den Schlachten eingesetzt wurden, etwa bei der Göhrde-Schlacht von 1813, wurden sie auf der Heidefläche trainiert, sagt Makowski. Das Heimatmuseum Dahlenburg beherbergt eine umfangreiche Sammlung zu den norddeutschen Befreiungskriegen.

Mit Schlachten haben die Exponate des Gildehauses Bardowick nichts zu tun: Das heimatkundliche Museum in einer alten Windmühle ist an diesem Tag mit einer Präsentation historischer Fotografien vertreten. Die Bilder dokumentieren den Gemüsehandel in Hamburg Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf den Feldern um Lüneburg wurden damals Rüben und Kohlrabi, Lavendel, Majoran und Petersilie angebaut und auf Wochenmärkten in Hamburg verkauft. Eine Besonderheit der Region: Noch bis in die 50er-Jahre hinein trugen Bauersfrauen und Mägde auf ihren Köpfen eine Warsch – ein rundes Kissen, auf denen sie die schweren Körbe mit der Ernte balancierten. Das Gemüse wurde mit kleinen Booten auf der Ilmenau und der Elbe nach Hamburg transportiert und dort auf dem Deichtormarkt und dem Messberg zum Verkauf angeboten. Die älteren Besucher, die heute dem Vortrag im Museum Lüneburg lauschen, erinnern sich noch an diese Zeit.

„Heutzutage kaufen wir alles fertig im Laden“, sagt Kuratorin Birte Stüver. Eine Aufgabe der Heimatmuseen sei es, daran zu erinnern, wie früher noch alles in mühevoller Handarbeit produziert wurde – vom Wollfaden bis zum Steinwerkzeug. An den kommenden beiden Sonntagen gibt es zwei weitere Aktionstage: am 7. Februar zu Handwerk und Technik und am 14. Februar zu den Museen für Natur und Archäologie. Dann können Besucher selber Korn mahlen und mit Feuersteinen experimentieren.

Die Ausstellung in Lüneburg

Bis zum 14. Februar
Die Sonderausstellung „Aus allen Winkeln“ im Museum Lüneburg ist noch bis zum 14. Februar geöffnet

Öffnungszeiten
Dienstags, mittwochs und freitags 11 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Am Wochenende 10 bis 18 Uhr