Friedrichskoog

Erneut acht Pottwale gestrandet

Tote Bullen in der Elbmündung vor Kaiser-Wilhelm-Koog entdeckt. Heute sollen sie geborgen werden

Friedrichskoog. Ein trauriger Anblick: In der Elbmündung vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog im Kreis Dithmarschen sind acht Pottwale gestrandet. Es handele sich um junge Bullen von neun bis zwölf Metern Länge, teilte der Landesbetrieb für Küstenschutz am Montag in Husum mit. Die Tiere waren bereits am Sonntagabend entdeckt worden. Die Gezeiten und die anbrechende Dunkelheit hätten es den Mitarbeitern erst am Montagmorgen ermöglicht, mit einem Raupenfahrzeug zu den Tieren zu gelangen. Ein Wal lag zu diesem Zeitpunkt im Sterben, die anderen waren bereits tot.

Alle Tiere liegen dicht beieinander in der nicht zugänglichen Zone 1 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, etwa fünf Kilometer südlich des Hafens Friedrichskoog und zwei Kilometer vor dem Deich. Trotz absehbar erhöhter Wasserstände und stürmischer Winde soll am Dienstagmorgen mit der Bergung der toten Tiere von Land aus begonnen werden.

Erst vor drei Wochen waren zwölf Pottwale im Wattenmeer tot aufgefunden worden, drei davon in Schleswig-Holstein. Seit den 1990er-Jahren strandeten damit 82 Pottwale an der Wattenmeerküste von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Pottwale werden dem Azorenbestand zugerechnet. Die Männchen dieser Population verbringen den Winter im Nordatlantik. Auf ihren Wanderungen gelangen einzelne Tiere irrtümlich in die vergleichsweise flache und nahrungsarme Nordsee. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sie sich dort schlecht orientieren. Wenn die schweren Wale dann im Flachwasser auf dem Grund liegen, kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge abdrücken. Die Tiere sterben an akutem Herz-Kreislauf-Versagen.

Die flache Nordsee ist schon seit Hunderten Jahren als tödliche Falle für Pottwale bekannt. Strandungen sind nach Angaben des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. „Bisher haben wir keine direkten Hinweise, dass ein bestimmter, einzelner Einfluss dazu geführt hat, dass die Tiere in die Nordsee kommen und stranden“, sagte Institutsleiterin Ursula Siebert. Dass viele Tiere auf einmal stranden, könne damit zu tun haben, dass sich die Pottwal-Bestände erholt hätten und damit mehr Tiere auf die Wanderroute gingen.