Uelzen

Die Rückkehr der alten Hanse und ein neuer Titel

Lübeck mit dem Holstentor gilt als „Königin“ der Hanse. 1293 wurde der Rat von Lübeck als höchste Rechtsinstanz bei Streitigkeiten anerkannt

Lübeck mit dem Holstentor gilt als „Königin“ der Hanse. 1293 wurde der Rat von Lübeck als höchste Rechtsinstanz bei Streitigkeiten anerkannt

Foto: TA CAPS / Thorsten Ahlf

Die Stadt Uelzen darf den Titel jetzt im Namen tragen – 180 Städte aus 16 Ländern gehören der neuen Hanse an.

Uelzen/Lübeck.  Das neue Jahr begann für Uelzen mit einem Paukenschlag: Bürgermeister Jürgen Markwardt (SPD) verkündete auf dem Neujahrsempfang, Uelzen dürfe sich ab sofort offiziell Hansestadt nennen. Die niedersächsische Landesregierung habe dafür die kommunalrechtliche Genehmigung erteilt. „Jetzt“, sagte Jürgen Markwardt dem Abendblatt, „werden wir Ortsschilder, Briefköpfe, Siegel, Internetadresse und Hauptsatzung mit dem Zusatznamen Hansestadt versehen.“

Mit dem Titel rückt in der 33.000-Einwohner-Stadt die hanseatische Vergangenheit noch stärker in den Blickpunkt. Einst gehörte Uelzen dem mittelalterlichen Städtebund an und seit 2008 auch der neuen Hanse. Jetzt befindet sich die Stadt mit dem berühmten Hundertwasserbahnhof in bester Gesellschaft mit Lüneburg, Stade und Buxtehude. Sie dürfen sich seit einigen Jahren ebenfalls offiziell „Hansestadt“ nennen.

Kaum ein historischer Name poliert das Image einer Kommune so glänzend auf wie dieser alte Städtebund – das „frühe europäische Friedensbündnis“ (Henning Voscherau). Vom 13. bis zum 17. Jahrhundert gehörten ihm bis zu 225 größere und kleine Städte in heutigen 16 europäischen Ländern an. Wer nun den Titel im Stadtnamen führt, darf vor allem auf mehr Touristen und öffentliche Aufmerksamkeit hoffen. Es gibt allerdings eine Voraussetzung: „Mitglied des Hansebundes der Neuzeit kann jede Stadt werden, die nachweist, dass sie auch im Mittelalter schon dabei war“, sagt Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), Vormann der neuen Hanse.

Stade zum Beispiel darf mit dem Segen des Innenministeriums seit 2009 den Titel Hansestadt tragen; die ersten Verbindungen zu diesem Handelsverband gehen ins 14. Jahrhundert zurück. Nach Ansicht von Historikern war Stade schon vor der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1209 und lange vor Hamburg einer der bedeutendsten Handelsplätze im Norden.

„Unsere Gäste“, sagt Frank Tinnemeyer von Stade Tourismus, „verbinden mit dem Namen Hansestadt eine reiche geschichtliche Tradition und altes Kopfsteinpflaster. Beides können wir ihnen bieten.“ Seit dem Jahr 2009 sind die Übernachtungszahlen um 20 Prozent gestiegen – ein möglicher Effekt des neuen Images. In Stadtführungen und bei einem Besuch des Schwedenspeichers beispielsweise können die Touristen die hanseatische Tradition entdecken.

Ähnliches berichtet auch Katja Oldenburg-Schmidt, die parteilose Bürgermeisterin von Buxtehude. Von 1363 bis 1591 war Buxtehude aktives Mitglied in der Hanse. Und seit 2014 steht offiziell Hansestadt drauf, wo Hansestadt drin ist. „Der Titel hilft uns, die Stärken – zum Beispiel den Wassertourismus und den im Stadtkern gelegenen Fleth – für die Touristen noch inter­essanter zu machen“, sagt die Bürgermeisterin. Dieser Name sei ein zusätzliches Qualitätsmerkmal, mit dem Buxtehude als Destination bei Touristen punkten könne. Außerdem seien viele Bürger jetzt stolz, in einer Hansestadt zu leben. Mehr noch: „Das Stadtmarketing konnte die Kommunikationswege verbessern und kostengünstig Marketing im Verbund der Hanse betreiben.“

Die junge, alte Hansestadt Uelzen rechnet ebenfalls mit einem Aufschwung im Tagestourismus. Und mit einem Bauboom. Denn kürzlich wurde das Programm „Altstadt 2025“ gestartet, bei dem Eigentümer öffentliche Zuschüsse für Sanierung und Modernisierung ihrer Häuser erhalten. Bürgermeister Jürgen Markwardt: „Wir erhoffen uns einen zusätzlichen Ansporn für die Eigentümer, ihre Häuser in der Innenstadt zu erneuern, damit die hanseatische Optik im Glanz erstrahlt.“ Das wiederum, fügt der Politiker hinzu, trage zu Impulsen für Handwerk und Wirtschaft bei.

Wie Hanse-Vormann Saxe dem Abendblatt sagte, liegen derzeit weitere Bewerbungen für die Aufnahme in den Hansebund der Neuzeit vor. So muss die Delegiertenversammlung des Hansetages über die Anträge der niederländischen Stadt Venlo und der russischen Stadt Porkhow entscheiden. Allerdings werden auch immer wieder Anträge abgelehnt. Zum Beispiel von der Stadt Wilhelmshaven, die im Mittelalter noch gar nicht existiert habe. Und von den Shetland-Inseln. „Diese hatten zwar im Mittelalter Kontakte zur Hanse – sind aber nun einmal keine Stadt“, sagt Saxe.

Heute gehören der Hanse als weltweit größte, freiwillige Städtegemeinschaft 181 Mitgliedsstädte in 16 Ländern an. Dazu zählen Braunschweig genauso wie Osterode im Harz und natürlich Hamburg, Lübeck und Bremen. „Wir“, sagt Hanse-Vormann Saxe, „begrüßen es sehr, wenn eine Stadt ihre offizielle Bezeichnung in Hansestadt ändert.“ Schließlich gehe es darum, die Bedeutung der mittelalterlichen und der neuzeitlichen Hanse stärker in der Bevölkerung zu etablieren.