Mecklenburg-Vorpommern

Investor plant 104 Meter hohen Wohnturm auf Rügen

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Es wäre Mecklenburg-Vorpommerns höchstes Gebäude. Eine Baugenehmgiung gibt es aber bislang nicht. Der Plan gefällt auch nicht allen.

Prora. Ein Bauunternehmer plant auf der Ostseeinsel Rügen einen 104 Meter hohen Wohnturm.

Das 27-etagige Gebäude mit 100 Wohnungen soll 500 Meter vom Strand entfernt in Prora bei Binz entstehen. Wie Investor Jürgen Breuer sagte, wolle er der Gemeinde für das 13.000 Quadratmeter große Grundstück 3,5 Millionen Euro zahlen. "Der Turm gibt Prora ein Gesicht", sagte er.

Das Projekt wurde am Dienstagabend bei einer Bürgerversammlung mit rund 200 Einwohnern kontrovers diskutiert. Kritisiert wurde unter anderem die Höhe des Baukörpers und dass weitere Hochhäuser folgen könnten. Für andere wäre der Bau ein "architektonisches Statement". Architektenkammer und Landestourismusverband sehen das Vorhaben eher skeptisch.

Bislang gibt es keinen Bebauungsplan. Auch die Zustimmung der Gemeindevertreter fehlt noch.

Prora – Eine Hinterlassenschaft der Nazis

Prora auf Rügen ist bekannt wegen eines Beton-Kolosses – eine Nazi-Hinterlassenschaft. Am 2. Mai 1936 ließ der Chef der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Robert Ley, auf Geheiß Hitlers in der Prorer Wiek zwischen Binz und Sassnitz den Grundstein für ein Mega-Feriendomizil legen. Die auf 4,5 Kilometer Länge konzipierte Anlage sollte die Deutschen neben anderen KdF-Projekten (KdF = Kraft durch Freude) wie des Urlaubsschiffes „Wilhelm Gustloff“ im gemeinsamen Erleben der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ auf Systemtreue trimmen.

Zur Inbetriebnahme als Massenferienobjekt kam es allerdings nie. Mit Kriegsbeginn wurden die Arbeiten in Prora eingestellt. Nach Kriegsende nutzte die NVA das Gebäude, bis 1996 die Bundeswehr. Noch heute ist die Anlage weitgehend erhalten. Sie steht unter Denkmalschutz.

Eine Studie (S.T.E.R.N-Studie) im Auftrag des Bundes, dem damaligen Eigentümer, gab 1997 die weitere Entwicklung vor. Die Gesamtanlage wurde unter Denkmalschutz gestellt, vier Blöcke verkaufte der Bund an Privatinvestoren. Dort entstehen jetzt Ferien- und Eigentumswohnungen sowie Hotelappartments. Ein Block ging an den Landkreis, dort betreibt das Deutsche Jugendherbergswerk seit 2011 eine Unterkunft mit 400 Betten.

( dpa )

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