Kiel

Hells Angel in Abwesenheit verurteilt – er lebt in Thailand

Das Opfer ist schwerbehindert. Für die Tat muss ein Hells Angel in Haft – doch der ist in Thailand

Kiel.  Er setzte seine Frau als Lockvogel ein, um einen verfeindeten Rocker in die Falle zu locken: Sieben Jahre nach Schüssen vor der Therme in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) hat das Kieler Landgericht einen Rocker zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Doch der 42-jährige Hells Angel fehlte bei der Urteilsverkündung am Freitag – er ist in Thailand mit einer zweiten Ehefrau.

Von der Strafe muss er voraussichtlich nur acht Monate absitzen, unter anderem weil ein Teil aus einer früheren Strafe, die mit einfloss, bereits verbüßt ist, wie der Vorsitzende Richter sagte. Über einen Haftbefehl will das Gericht noch entscheiden. Der Verteidiger wollte aus Mangel an Beweisen Freispruch.

Bei der Tat war der Intimfeind des Angeklagten, den er den verfeindeten Bandidos zurechnete, schwer verletzt worden. Der Mann ist seither schwerbehindert. Das Gericht zeigte sich aufgrund einer „Fülle von Indizien“ überzeugt, dass der Angeklagte Auftraggeber und Drahtzieher war. Dabei setzte der 42-Jährige auch Detektive und seine heutige Ehefrau als Lockvogel ein. Sie wurde bereits verurteilt.

Ob gegen den 42-Jährigen der vom Staatsanwalt geforderte Haftbefehl ergeht, ist noch offen. Das Gericht will darüber noch entscheiden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den Angeklagten auch wegen Bigamie. Der 42-Jährige soll in Thailand eine zweite Frau geheiratet haben. Der Rocker erschien seit dem siebten Verhandlungstag nicht mehr zum Prozess.

Dass der Angeklagte möglicherweise nur acht Monate der neuen Strafe verbüßen muss, ergibt sich auch wegen der überlangen Verfahrensdauer. Deswegen gelten sechs Monate der Strafe als bereits verbüßt.