Hannover

Sportschütze gesteht Todesschuss

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Werkstattinhaber erschießt 18-Jährigen bei Einbruchversuch in Hannover. Es drohen bis zu 15 Jahre Haft

Hannover. Mit einem Geständnis hat der Prozess gegen einen Sportschützen in Hannover begonnen, der bei einem Einbruchversuch in seine Autowerkstatt einen jungen Mann erschossen hat. Zudem entschuldigte sich der 41-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht bei der Familie des Opfers.

In der Tatnacht Anfang Juni habe er nach nächtlichen Geräuschen draußen eine vermummte und mit einer Pistole bewaffnete Person und weitere Gestalten erblickt. In panischer Angst habe er seine eigene Waffe, die er als Sportschütze ganz legal besitzen darf, aus dem Tresor geholt und die Haustür geöffnet. Als sich einer der Einbrecher zu ihm drehte, habe er einen Schuss abgegeben. „Ich wollte eigentlich gar nicht schießen“, sagte der Angeklagte. Warum er nicht zuerst die Polizei gerufen habe, konnte der Angeklagte nicht erklären.

Die angebliche Notwehrsituation, auf die sich der Mann nach der Tat Anfang Juni berief, hält die Staatsanwaltschaft jedoch nicht für plausibel. Seine Sig-Sauer-9-mm-Pistole in beiden Händen haltend habe der Angeklagte in der sogenannten Combat-Haltung auf den jungen Mann angelegt, hieß es am Dienstag in der Anklage.

Teile der Tat wurden von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, die der Angeklagte zum Schutz seines Betriebes installiert hatte. Bereits am Mittwoch will das Gericht bei einem abendlichen Ortstermin an dem Haus mit angrenzender Werkstatt in Hannover-Anderten die Gegebenheiten und die Beleuchtungssituation in Augenschein nehmen. Was konnte der Schütze von den insgesamt vier jungen Eindringlingen sehen, von denen einer nach seiner Wahrnehmung eine Waffe trug? Und aus welchem Abstand drückte der trainierte und zielsichere Sportschütze ab?

Auch die drei Komplizen des jungen Mannes, die der Notwehrtheorie schon bei ihrer Polizeivernehmung widersprachen, werden zu den Abläufen etwas sagen können. Dem Schützen drohen bei einer Verurteilung 5 bis 15 Jahre Haft.

Die Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!“ sieht sich durch den Fall in Hannover in ihrer Forderung nach einem Verbot sämtlicher scharfer Waffen in den Händen von Sportschützen bestätigt. Ohne die Möglichkeit, in der Situation zu einer Waffe greifen zu können, hätte es das tödliche Drama nicht gegeben, sagte der Sprecher der Initiative, Roman Grafe. Seit dem Amoklauf von Winnenden seien mehr als 60 Menschen in Deutschland mit Waffen von Sportschützen getötet worden. Fälle möglicher Notwehr seien dabei eher ungewöhnlich. Häufiger setzten Sportschützen ihre Waffen etwa bei Konflikten im familiären Umfeld ein, sagte Grafe. „Ich hoffe, dass in Hannover durch das Urteil ein Zeichen gesetzt wird, dass wir amerikanische Verhältnisse nicht wollen, bei denen jeder, der über ein Grundstück läuft, erschossen werden kann.“

Bislang blieb der Ruf der Initiative nach einem strengeren Umgang mit Sportwaffen ohne Erfolg. „Im Mai dieses Jahres hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Beschwerde gegen das deutsche Waffengesetz, die ich gemeinsam mit Hinterbliebenen des Winnender Schulmassakers eingelegt hatte, ohne weitere Prüfung abgewiesen“, sagte Grafe.

( dpa )

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