Berlin

Erdkabel nicht teurer als Masten

SuedLink-Empfehlungspapier kommt auf nahezu identische Kosten. Tennet fürchtet Verzögerungen

Berlin. Der Netzbetreiber Tennet, der den Bau der SuedLink-Stromtrasse umsetzt, hat gestern in Berlin im Wirtschaftsausschuss angekündigt, dass jahrelange Verzögerungen beim Bau der neuen Hochleistungstrasse, die Strom aus Windkraft von Norddeutschland nach Süddeutschland transportieren soll, zu erwarten sind. Der Netzbetreiber begründet dies mit dem jüngsten Kabinettsbeschluss, der den massiven Einsatz von Erdkabeln erlaubt. Aufgrund dieser Entscheidung müsse vielfach neu geplant werden.

Der Ingenieur Ingo Rennert, Vorstandschef der Infranetz AG mit Sitz in Müden in Niedersachsen, hat ebenfalls ein Positionspapier in den Ausschuss eingebracht. In diesem werden die Vorteile einer Erdverkabelung dargelegt. Zeitliche Verzögerungen seien dabei nicht zu erwarten, da der Bau einer reinen Erdkabeltrasse viel schneller und dabei kostenneutral zu schaffen sei, als der von der Tennet bislang geplante Mix von Strommasten und Erdkabeln.

Der Netzbetreiber Tennet wollte bislang Erdkabel nur an ausgewählten Stellen einsetzen. Eine vollständige Erdverkabelung wurde mit angeblichen Mehrkosten in Höhe von etwa acht Milliarden Euro abgelehnt.

Laut Rennert sind die öffentlich diskutierten Mehrkosten in Milliardenhöhe aus der Luft gegriffen. Eine Erdverkabelung sei beim derzeitigen Stand der Technik in etwa gleich teuer. Langfristig sei die Erdkabellösung sogar sinnvoller, weil ökonomischer. Die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Überlandleitung sei mehr als doppelt so hoch im Vergleich zu einer unterirdischen Leitung. Hinzu kämen geringere thermische Verluste der unterirdischen Kabel. Durch sie könne der wirtschaftliche Verlust pro Jahr um 31,3 Millionen Euro reduziert werden, so Rennert..

Auch Umweltschutzgründe sprächen für den Einsatz von Erdkabeln. Statt der etwa 2000 Hektar Wald, die für die Schneisen der Strommastentrasse gefällt werden müssten, würde bei Erdkabeln kein einziger Hektar Wald gefällt. Die moderne Aushubtechnik mit Fräsen mache dies möglich.

Zudem würde der Erdkabeleinsatz den Tod von Millionen von Vögeln verhindern. Da die SuedLink-Trasse quer zu Vogelzuglinien verlaufe, sei auf Basis von Studien der Universität Hamburg zu erwarten, dass 1,76 Millionen Vögel jedes Jahr an den neuen Masten verenden würden. Auf die geplante technische Lebensdauer der Leitungen von 80 Jahren hochgerechnet bedeute dies, neben den bereits vorhandenen Millionen Vögeln, die jährlich an Strommasten verenden, 141 Millionen zusätzlicher Vogelschlagopfer, die zu erwarten seien. Auch Bienenbestände würden mit Erdkabeln geschützt, da diese nicht aufgrund von Magnetfeldern ihren Orientierungssinn verlören.

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