Handeloh

Heilpraktiker vergiften sich mit Drogen

Mehr als 30 Verletzte. Teilnehmer einer Tagung sollen Amphetamine geschluckt haben – ein Rauschgift

Handeloh.  Den Notärzten und Sanitätern kamen torkelnde Menschen entgegen, manche hatten Wahnvorstellungen, Krämpfe und Schmerzen, alle waren benommen und berauscht – es war ein ungewöhnlicher Großalarm für die Rettungskräfte im Landkreis Harburg. Im Tagungszentrum „Tanzheimat Inzmühlen“ haben am Freitag mehr als 30 Menschen eine Drogenvergiftung erlitten. Wie konnte es dazu kommen?

Fest steht nur: Bei der Massenvergiftung mit Drogen sind im niedersächsischen Handeloh Dutzende Heilpraktiker und Homöopathen, darunter möglicherweise auch Ärzte für Naturheilverfahren, verletzt worden. Die Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 55 Jahren litten auch unter Luftnot und Herzrasen, wie Matthias Köhlbrandt von der Kreisfeuerwehr Harburg am späten Freitagabend sagte.

In dem Tagungszentrum, das die Heilpraktiker und Homöopathen am Freitag gemietet hatten, hätten die Helfer die Vergifteten kaum ansprechbar angetroffen, sagte Kreissprecher Johannes Freudewald. „Es sind aber keine lebensbedrohlichen Erkrankungen.“

Zunächst war noch von zwei lebensgefährlich Verletzten die Rede gewesen. Als Ursache wurde nach ersten Erkenntnissen eine Vergiftung mit Amphetaminen festgestellt, wie der Kreissprecher sagte. Die synthetisch hergestellten Aufputschmittel haben eine euphorisierende Wirkung. Wie Ecstasy und Speed gehört auch die künstlich hergestellte Modedroge Crystal zur Gruppe der Amphetamine.

Mehr als 150 Rettungskräfte der Feuerwehren, des Deutschen Roten Kreuzes und der Johanniter-Unfallhilfe waren im Einsatz. Die Verletzten mussten in mehreren Kliniken untergebracht werden. Polizei und Feuerwehr konnten zunächst nicht sagen, ob die Teilnehmer die Drogen selbst eingenommen hatten oder ob sie ihnen eingeflößt worden waren. Vor Ort wurde aber vermutet, dass die Verletzten die Drogen bewusst eingenommen hatten. Ein Sprecher: „Die Befragungen beginnen, sobald die Menschen wieder ansprechbar und die Aussagen auch verwertbar sind.“ Ob es ein Fall für die Staatsanwaltschaft werde, müsse sich zeigen. Das Tagungszentrum wird von der Stiftung „Heilende Kräfte im Tanz“ (HKiT) betrieben. Motto: „Wer die Einkehr und Stille in der Natur sucht und auf einem Seminar ungestört tagen will, ist hier goldrichtig.“ (lno/tjo/zv)