Cuxhaven/Brunsbüttel

Neustart nach 14 Jahren Flaute auf der Elbe

Am Morgen wurde Start der Fährverbindung Cuxhaven-Brunsbüttel gefeiert. Minister taufen Schiffe auf die Namen "Grete" und "Anne-Marie".

Cuxhaven/Brunsbüttel. 14 Jahre lang herrschte Flaute auf der Strecke Cuxhaven-Brunsbüttel ­– jetzt kommt wieder Leben in die jahrhundertealte Elb-Verbindung: Am 20. August 2015 nimmt die neu gegründete Reederei Elb-Link GmbH den Betrieb auf.

Mit zwei Schiffstaufen und einem großen Festakt wird am Mittwoch der Start der neuen Fährverbindung Cuxhaven-Brunsbüttel gefeiert. Die ersten regulären Fährfahrten sind am Donnerstag jeweils um 5 Uhr morgens von Cuxhaven und von Brunsbüttel vorgesehen.

Zu den Feierlichkeiten am Mittwoch werden die Verkehrsminister von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Olaf Lies und Reinhard Meyer (beide SPD), in beiden Häfen erwartet. Bei einem Festakt in der Hapag Halle in Cuxhaven wird der frühere estnische Staatspräsident Arnold Rüütel sprechen, danach ist Party angesagt. Betreiber der Fährverbindung ist die Reederei Elb-Link mit Sitz in Cuxhaven. Sie gehört einem estnischem Unternehmen.

Mit täglich bis zu zwölf Abfahrten in jeder Richtung pendeln zunächst zwei Fähren im 90-Minuten-Takt zwischen dem Anleger Steubenhöft in Cuxhaven und Brunsbüttel. Die Fahrtzeit wird circa 70 Minuten betragen. Von 2017 an ist der Einsatz eines dritten Schiffs geplant. An Bord und an Land entstehen rund 45 neue Arbeitsplätze.

Mit dieser neuen Verbindung gewinnt der Nord-Süd-Verkehr von und nach Dänemark eine wichtige Trasse zurück, die insbesondere den Knotenpunkt Hamburg samt Elbtunnel entlastet. Sowohl im Fracht- wie auch im Passagierverkehr wachsen Schleswig-Holstein und Niedersachsen noch enger zusammen. Urlauber aus Deutschland und den Benelux-Staaten erreichen entspannter ihre Ferienziele im Norden und viceversa: 30 Kilometer Wasserlinie statt 200 Kilometer Landstraße, 1/ Stunden an Bord statt 3/ Stunden hinterm Lenkrad – oder, wie Elb-Link-Geschäftsführer Christian Schulz sagt: „Eine kleine Seereise über die Elbe statt Stau auf der A7.“ Schulz weiter: „Gerade für Urlauber, die schon eine längere Strecke hinter sich haben, bietet die Fährpassage eine erfrischende Pause auf dem Weg in die Ferien und willkommene Abwechslung für Kinder an Bord.“

Gutachter bescheinigen der Fährverbindung Brunsbüttel-Cuxhaven Potenzial. Das Planungs- und Ingenieurbüro BalticMarineConsult GmbH aus Rostock ging bereits in einer 2012 erstellten Studie von einem Verkehrsaufkommen von jährlich 265.000 Pkw, 625.000 Passagieren und 48.000 Frachteinheiten aus. Für Geschäftsführer Schulz spielt denn auch das Cargo-Segment eine herausragende Rolle für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens: „Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an einer Lösung für die immense Nachfrage nach Trailer-Transporten. Auch die Erhöhung der Zahl an Abfahrten speziell für Fracht-Bedarf über die westliche Elbe ist bereits in Planung.“

Wie das Unternehmen mitteilte, kommen zwei erst fünf Jahre alte Doppelendfähren zum Einsatz, die bislang im Inselverkehr vor Estland fuhren. Die Schwesterschiffe wurden 2010auf der norwegischen Fiskerstrand-Werftgebaut, sind 88,55 Meter lang und16 Knoten schnell. Passagiere an Bord freuen sich über den besonders leisen und vibrationsarmen diesel-elektrischen Antrieb. Auf den Autodecks ist Platz für 150 Pkw bzw. 55 Pkw und 16 Lkw. Die mit Café und Restaurant ausgestatteten Fähren befördern bis zu 600 Personen.

Zuvor allerdings feierten die Betreiber am 19. August 2015 eine Doppelschiffstaufe. Im Beisein des niedersächsischen Verkehrsministers Olaf Lies und seines schleswig-holsteinischen Amtskollegen Reinhard Meyer wurden die neuen Elbfähren auf die Namen „Grete“ und „Anne-Marie“ getauft. Damit erinnert ELB-LINK an die Pionierleistung der Cuxhavener Unternehmerin Greten Handorf, die vor rund 100 Jahren mit zwei Kuttern gleichen Namens die erste regelmäßige Fährverbindung nach Brunsbüttel aufnahm. Taufpatin der „Grete“ ist die Staatssekretärin im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, Daniela Behrens.

Damit den Fahrgästen von heute lange Wartezeiten erspart bleiben, setzt die Reederei auf ein eigens entwickeltes intelligentes Buchungssystem. Damit sind Ticketbuchungen mit wenigen Klicks direkt auf der Website www.elb-link.de möglich – oder mobil noch während der Fahrt in Richtung Elbe. Passagiere erhalten einen stets aktuellen Überblick über die noch freien Plätze auf den Autodecks – und können sich spontan und kurzfristig zwischen Fährpassage oder Landweg entscheiden. Außerdem gibt es Fahrkarten auch ganz klassisch in den Hafenbüros von Elb-LInk direkt am Anleger zu kaufen.

Für die Verkehrs-Infrastruktur im Norden bedeutet die neue Fährverbindung einen wichtigen Lückenschluss insbesondere für die Anbindung an Skandinavien sowie die baltischen Staaten. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und im Zuge der EU-Osterweiterung hat sich rund um die Ostsee eine bedeutende, maritim orientierte Wirtschaftsregion entwickelt, die unter anderem auch mit der langfristig geplanten Küstenautobahn A20 samt Elbquerung bei Glückstadt erschlossen werden soll. Bis zu deren Fertigstellung erwarten Politik und Investoren gerade von der neuen Fährverbindung bedeutende wirtschaftliche Impulse für Schleswig-Holstein und ganz Norddeutschland.

Für Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer ist die Aufnahme des Fährbetriebs zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven durch die Elb-Link Reederei ein großer Gewinn für den gesamten Norden: "Diese Linie bildet gewissermaßen als Vorgriff auf die entstehende Elbquerung im Zuge der Autobahn A20 einen wertvollen zusätzlichen Brückenschlag, von dem Schleswig-Holstein und Niedersachsen gleichermaßen profitieren werden."

Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Olaf Lies, betonte, dass die Fährverbindung gerade auch für Gütertransporter interessant sein könnte. Diese könnten mit der Elbquerung den staugefährdeten Verkehrsraum Hamburg umschiffen. Dies könnte ein Beitrag dazu sein, die Verkehrssituation in Norddeutschland zu entspannen. Aber gerade im Bereich Touristik sei die Fährverbindung ein Gewinn für die vielen Urlauberinnen und Urlauber an der Nordseeküste.