Jamel

Künstlerpaar will Nazis trotzen

Brandstifter hatten die Scheune der Lohmeyers angezündet – doch die wollen standhaft bleiben

Jamel. Trotz des Brandanschlags auf seine Scheune will das Künstlerpaar Birgit und Horst Lohmeyer in Jamel in Mecklenburg-Vorpommern bleiben und sich dort weiter gegen Rechtsradikale engagieren. „Wegzugehen ist im Moment für uns keine Option“, sagte Birgit Lohmeyer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Schwerin bestätigten weitere vorläufige Untersuchungen den Verdacht der Brandstiftung.

„Wir sind hier genau am richtigen Platz und Stachel im Fleisch der Neonazis“, sagte Birgit Lohmeyer. Mit Blick auf die islamfeindliche Pegida-Bewegung und die große Zahl von Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte fügte sie hinzu: „Es muss noch viel mehr Leute geben wie uns. Jetzt aufzugeben und wegzuziehen, wäre ein völlig falsches Signal. Das werden wir auf keinen Fall tun.“

In der Nacht zu Donnerstag war die Scheune des von dem Ehepaar betriebenen Forsthofs in Jamel abgebrannt. Die Polizei hatte bereits kurz nach dem Feuer mitgeteilt, dass sie von Brandstiftung ausgeht. Wie ein Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft am Freitag sagte, bestätigten die inzwischen abgeschlossenen Analysen der Brandsachverständigen, dass Brandbeschleuniger verwendet wurden. Erkenntnisse zu möglichen Tätern und Motiven gab es demnach aber weiterhin nicht.

Die Lohmeyers haben sich als Aktivisten gegen rechte Umtriebe auch bundesweit einen Namen gemacht. In ihrem kleinen Wohnort bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern haben sich gezielt Rechtsextremisten niedergelassen. Gegen deren Präsenz protestieren die Künstler jedes Jahr mit einem Open-Air-Musikfestival für Toleranz und Demokratie. Dafür erhielten sie 2011 den Paul-Spiegel-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Lohmeyer sagte, in der Scheune seien „keine großen Wertgegenstände“ gewesen, allerdings „viele Utensilien“ für das Festival, das für den 28. und 29. August geplant ist. Die Veranstaltung werde trotzdem stattfinden, auch wenn jetzt noch viele Dinge dafür ausgeliehen werden müssten. „Doch wir haben heute schon so viele Unterstützungsanrufe und Mails bekommen, dass wir ganz zuversichtlich sind, dass das Festival wie gewohnt stattfinden kann – rund um die abgebrannte Scheune“, so Birgit Lohmeyer.