Schleswig-Holstein

Grundschulen: Ungleicher Lohn für gleiche Arbeit

Gewerkschaft fordert, Grundschullehrer in Schleswig-Holstein künftig wie Kollegen an Gemeinschaftsschulen zu bezahlen.

Kiel. Auch die Grundschullehrer müssen besser bezahlt werden und ihr Geld wie ihre Kollegen an den weiterführenden Schulen nach der Besoldungsstufe A13 bekommen. Das fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Anlass ist die Besoldungsreform der schleswig-holsteinischen Landesregierung, die zum Februar 2016 in Kraft treten soll.

Der Entwurf sieht vor, dass künftig alle Lehrer an Gemeinschaftsschulen ebenso wie ihre Kollegen an den Gymnasien nach A13 bezahlt werden. Die Grundschullehrer aber sollen weiterhin A12 bekommen. Das bedeutet für einen 30 Jahre alten Pädagogen knapp 3200 brutto im Monat, bei A13 wären es 3586 Euro. „Das ist nicht hinnehmbar und verstößt gegen den Grundsatz gleiches Geld für gleiche Arbeit“, sagt Bernd Schauer, Geschäftsführer der GEW im Norden.

Die künftigen Lehrer an Gemeinschaftsschulen werden automatisch nach A13 bezahlt. Ihre Kollegen, die bereits im Schuldienst sind, sollen nach und nach hochgestuft werden, sodass die Zwei-Klassen-Gesellschaft an den weiterführenden Schulen beendet wäre. Die GEW begrüßt die Pläne, die Besoldung an den Gemeinschaftsschulen einheitlich nach A13 vorzunehmen. Aber, und da setzt die Kritik an, diese Lehrkräfte werden nicht automatisch hochgestuft. Sie müssen sich fortbilden und bewähren, acht Jahre plant das Ministerium insgesamt für den Übergang von A12 zu A13. „Das ist ja geradezu grotesk. Jetzt sollen die Kollegen nachweisen, dass sie für die Arbeit qualifiziert sind, die sie schon seit Jahren ganz selbstverständlich und erfolgreich leisten“, sagt Schauer. Gemeinschaftsschullehrer arbeiteten seit vielen Jahren in denselben Klassen wie Realschul- oder Gymnasiallehrer und würden auch Abschlussprüfungen abnehmen. Laut Schauer übernehmen sie dieselben schulischen und außerunterrichtlichen Arbeiten – „bekommen dafür aber 370 bis 450 Euro weniger im Monat“.

Nach der Ausbildung endet die Gemeinsamkeit – mit dem Gehalt

Doch nicht nur diese Barrieren ärgern die GEW. Grundschullehrer bleiben von höherem Gehalt ausgeschlossen und sollen auch nach der neuen Besoldungsverordnung nach A12 vergütet werden. „Das ist völlig unverständlich, denn nach der neuen Ausbildung studieren alle künftigen Lehrer zehn Semester und schließen das Studium mit dem Master ab“, sagt Schauer. Für alle gleich geregelt sei auch der Vorbereitungsdienst, der eineinhalb Jahre dauert und mit dem zweiten Staatsexamen abschließt. Doch dann endet die Gemeinsamkeit, und die Grundschullehrer müssen sich auch künftig mit weniger Geld zufrieden geben.

„Das lässt sich zum einen inhaltlich begründen. Der Unterricht an den weiterführenden Schulen ist deutlich stärker berufs- und wissenschaftsorientiert als der an der Grundschule, wo die Arbeit der Lehrer eher pädagogisch ausgerichtet ist“, sagt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Genau diese Auffassung empört die GEW: „Das bedeutet doch: Pädagogische Arbeit ist nichts Wert oder zumindest sehr viel weniger als die in der Sekundarstufe I“, sagt Schauer.

Die Grundschule sei das Fundament jeder weiteren Bildung, die Lehrkräfte seien extrem gefordert. Da es nicht ausreichend Sonderschullehrer gebe, müssten sie die Inklusion oft im Alleingang stemmen, die Verlässlichkeit der Betreuung gewährleisten, gleichermaßen begabten wie Kindern mit Lernschwierigkeiten, mit familiären Problemen, mit Dyskalkulie oder Konzentrationsstörungen gerecht werden. Hinzu kämen Doppelaufsichten und intensive Elterngespräche. „Da ist so manche Kollegin nach 28 Unterrichtsstunden einfach platt“, sagt Inge Dutko vom Segeberger Kreisvorstand der GEW, die selbst Grundschullehrerin ist. Sie und ihre Kollegen verdienten am wenigsten Geld und müssten die meisten Stunden unterrichten.

Das Ministerium verweist auf die anderen Bundesländer: „Bundesweit liegt die Besoldung der Grundschullehrer bei A12. Dass ausgerechnet das arme Land Schleswig-Holstein – ein Nehmerland im Finanzausgleich – vorprescht, halte ich nicht für vertretbar“, sagt Ministerin Ernst. Rund elf Millionen Euro werde es allein kosten, die Lehrer an Gemeinschaftsschulen hochzustufen. Die Pensionen eingerechnet, summiere sich das Reformpaket auf 30 Millionen Euro.

Die Prioritäten lägen bei der Unterrichtsversorgung: „Wir brauchen mehr Lehrerinnen und Lehrer, um die Qualität an unseren Schulen weiter zu verbessern. Beides ist zurzeit nicht zu realisieren: Mehr Geld für alle Lehrkräfte, und mehr Lehrkräfte.“ Der Entwurf zur neuen Besoldungsverordnung sei gut und ausgewogen. Das sieht die GEW anders. Momentan informiert sie die Pädagogen über die Pläne der Landesregierung und plant einen „heißen Herbst“ mit Protestaktionen.