Helgoland

Adieu Sansibar – moin Helgoland

Vor 125 Jahren verzichtete Deutschland auf die Insel vor Afrika und erwarb die in der Nordsee

Helgoland. August 1885. Ein Geschwader deutscher Kriegsschiffe erreicht Sansibar, die sagenumwobene Gewürz- und Sklaven-Insel im Indischen Ozean, 40 Kilometer vom tansanischen Festland entfernt. Kommodore Carl Heinrich Theodor Paschen übergibt dem Sultan von Sansibar eine Botschaft des deutschen Kaisers. Unverblümt wird Barghash bin Said aufgefordert, die deutschen Bemühungen zu tolerieren, sich an der Küste Tansanias festzusetzen. Als der Sultan zögert, richten die Schiffe ihre Geschütze auf den Palast. Der Sultan lenkt ein.

Es sind die Jahre, in denen das Deutsche Reich versucht, zur Kolonialmacht aufzusteigen. Die Küste Tansanias scheint der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft ein Landstrich voller Chancen zu sein, doch eigentlich erhebt der Sultan von Sansibar Anspruch darauf.

Die Briten beobachten die deutschen Anstrengungen mit Sorge. In London befürchtet man, dass Deutschland sich Sansibar einverleiben könnte. Reichskanzler Otto von Bismarck bietet den Briten eine Zusammenarbeit an. Sein Ziel ist, dass der Sultan die Niederlassungen der Deutschen auf dem Festland anerkennt und dort auf seine Hoheitsrechte verzichtet. Nach langen Verwicklungen unterzeichnen am 1. Juli 1890 Deutschland und Großbritannien den „Vertrag über Kolonien und Helgoland“. Der Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer sagt, dass das reiche Sansibar nicht gegen das tausendmal kleinere Helgoland eingetauscht worden sei. Tansania war deutsche Kolonie, aber eben nicht Sansibar. „Also gab das Deutsche Reich den Anspruch auf etwas auf, was ihm gar nicht gehörte.“

Die Insel in der Nordsee, 40 Kilometer vom Festland entfernt, gehörte seit 1814 zu Großbritannien. „Großbritannien war der Ansicht, dass Deutschland im Konfliktfall Helgoland sowieso rasch erobern würde“, sagt Zimmerer. „Also beschlossen die Briten, Helgoland mit großem Gestus einzutauschen. Und Deutschland wollte Helgoland, weil es zentral für die Kontrolle der Elbe-Weser-Mündung war.“