Lokführerstreik

Am Wochenende droht der Verkehrskollaps im Norden

Langes Wochenende, gutes Wetter und die Nachwirkungen des Lokführerstreiks. Der ADAC rechnet schon am Freitagnachmittag mit Staus auf der A7.

Hamburg/Hannover/Kiel. So viel vorab: Es wird sehr, sehr voll werden zu Pfingsten auf den Autobahnen rund um Hamburg. Ein langes Wochenende und gute Wetteraussichten ziehen Zigtausende Urlauber und Ausflügler an die Küsten, an Seen und aufs Land. Schon an gewöhnlichen Feiertagswochenenden prognostizieren Verkehrsexperten Staus und stockende Fahrten im Norden. Nun kommen nicht nur diverse Baustellen auf der A7 und der A23 hinzu. Am kommenden Wochenende werden sich die Nachwirkungen des Ausstandes der Lokführer auf den Verkehr auf den Autobahnen und Bundesstraßen in Norddeutschland auswirken.

„Viele Urlauber haben sich kurzfristig entschieden, aufs Auto umzusteigen“, sagt Christian Hieff, Sprecher des ADAC in Hamburg. „Wir merken das auch bei unserer Autovermietung am Umsatzanstieg.“ Hinzu kommt, dass für Bremer, Niedersachsen, Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen ein echter Kurzurlaub ansteht, weil in diesen Bundesländern nach Pfingstmontag noch ein Tag schulfrei ist. In Baden-Württemberg und Bayern starten sogar zweiwöchige Ferien. Auch aus dem Westen und dem Süden Deutschlands zieht es viele Menschen zu Erholung in den Norden.

Die größten Verkehrsstörungen erwartet Christian Hieff am Freitagnachmittag, 22. Mai. „Dann werden der Pendlerverkehr, der Lkw-Verkehr sowie der Urlauberverkehr erhöht sein. Eng wird es auch am Sonnabend, 23. Mai (Vormittag und früher Nachmittag) auf den Straßen, besonders auf der Autobahn 7 Richtung Norden. „Die A7 ist derzeit Stauweltmeister wegen der vielen Baustellen.“ Schon an normalen Verkehrstagen sei die A7 in diesem Jahr weit über ihre Kapazitätsgrenze hinaus belastet. Auch auf der A23 müssten Autofahrer mit Stillstand im Bereich Itzehoe und im weiteren Verlauf Richtung Heide rechnen. Geduld sei auch auf den Autobahnen 1 Richtung Lübeck, A21 Richtung Kiel und A24 Richtung Berlin gefragt.

Weitgehend freie Fahrt haben Autofahrer am Pfingstsonntag, 24. Mai. Mit starkem Heimreisverkehr in Richtung Süden ist dann am Pfingstmontag, 25. Mai, und auch noch am Dienstag, 26. Mai, jeweils am Nachmittag zu rechnen.

Von der Autobahn runterfahren bringt meistens nichts

Und was sollen Autofahrer tun, die einen richtig dicken Stau auf der Autobahn geraten sind? „Nicht runterfahren“, rät Hieff: "Das bringt meist keinen Zeitgewinn.“ Umleitungsempfehlungen durch das Navi an Bord seien kein Geheimnis. Die erhielten alle Autofahrer und deshalb staue sich der Verkehr auch auf den Umleitungsstrecken. „Die Erfahrung zeigt, dass sich Staus auf Autobahnen schneller auf als Staus auf Bundesstraßen.“ Die Devise heißt also: Geduld bewahren. Anders bei einer Vollsperrung nach einem Unfall. Da hilft nur: Autobahn verlassen, wenn möglich, und einen neuen Weg suchen.

Experte Hieff empfiehlt allen Autofahrern zu Pfingsten: Gelassen bleiben. „Sie sollten sich nicht unter Zeitdruck setzen. Das erhöht den Stressspiegel und die Aggressivität und somit auch die Unfallgefahr.“

Wer eine längere Reisezeiten einplane, fahre besser. „Man sollte sich die Zeit im Auto so angenehm wie möglich gestalten. Getränke und Snacks einpacken. Gute Musik und Hörspiele für die Kinder mitnehmen.“ Vor allem aber sollten Autofahrer sich darauf einstellen: Es wird lange dauern.

Zur Erleichterung des Pfingstreiseverkehrs dürfen außer am Pfingstsonntag, 24. Mai, von 00:00 bis 22:00 Uhr, auch am Pfingstmontag, 25. Mai, von 00:00 bis 22:00 Uhr, Lkw über 7,5 Tonnen auf dem gesamten deutschen Straßennetz nicht fahren. Weil Pfingsten auch in anderen europäischen Ländern gefeiert wird, gelten auch dort mitunter zusätzliche Fahrverbote für schwere Brummis.