Westerland

Angestellter legt Feuer im Miramar

Mitarbeiter der Fünf-Sterne-Herberge auf Sylt sitzt in Untersuchungshaft. Seit Ende 2013 hat es mehrfach gebrannt

Westerland. Die rätselhaften Brände im Nobelhotel Miramar auf Sylt wurden offenbar vorsätzlich von einem Angestellten gelegt. Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen, der bereits seit mehreren Jahren in dem Fünf-Sterne-Haus arbeitet. Seit Ende 2013 war in dem 112 Jahre alten Betrieb zweimal von einem Unbekannten mehrere Feuer gelegt worden.

Der Verdächtige sitze in Untersuchungshaft, sagte der Flensburger Oberstaatsanwalt Rüdiger Meienburg. Der mutmaßliche Täter bestreitet, die Feuer gelegt zu haben, es gebe jedoch deutliche Indizien. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung soll es sich bei dem Verdächtigen um einen 24 Jahre alten leitenden Angestellten handeln, der dem Betreiberehepaar Christiana und Nicolas Kreis in der Geschäftsführung assistierte. Unbestätigten Berichten zufolge soll der Mann die Brände nach Streitigkeiten um sein Arbeitsverhältnis gelegt haben. Zudem werde gegen ihn auch wegen Diebstahls ermittelt. Wegen der Brandstiftung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

Mutmaßlicher Täter schlug wiederholt auf mehreren Stockwerken zu

Zuletzt war am 1. Mai in dem Hotel ein Feuer ausgebrochen. Mehr als 100 Gäste wurden in Sicherheit gebracht, niemand wurde verletzt. Der Brand war in einem Technikraum im Keller des Hotels entdeckt worden. Weil die Strom- und Heizungsanlage durch den Brand ausfiel, wurden ein Teil des Hotels zunächst evakuiert und 103 Gäste in andere Hotels gebracht. Während der Löscharbeiten hatten Einsatzkräfte einen weiteren Brandherd im vierten Stock des Hauses festgestellt. Dort wurde ein Wäschehaufen offenbar vorsätzlich in Brand gesteckt.

Bereits am Abend des 31. Dezember 2013 hatte es in dem Hotel gebrannt. Damals gab es ebenfalls zwei Feuer durch Brandstiftung. Zunächst wurde ein Feuer in einem Tagungsraum entdeckt, nach Mitternacht brannte es im Heizungskeller.

Die Feuerschäden und Schadstoffbelastung führte dazu, dass das Miramar für vier Monate geschlossen und umfangreich renoviert werden musste. Verletzt wurde bei den Bränden niemand.

Nach dem neuerlichen Feuer musste das Hotel Miramar erneut für mehrere Tage schließen, um die Brandschäden zu beseitigen. Die Hotelinhaber Christiana und Nicolas Kreis sprachen von einem „persönlichen Anschlag“. Die Polizeidirektion Flensburg legte für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung von 25.000 Euro fest. Ob die Ermittler durch einen Zeugen auf den mutmaßlichen Täter aufmerksam wurden, ist bislang noch unklar.

Die Brände führten bereits nach dem ersten Feuer vor anderthalb Jahren zu Spekulationen unter den Hotelgästen. Das Miramar mit herausgehobener Lage an der Friedrichstraße in Westerland gilt seit Jahrzehnten als Flagschiffhotel der gehobenen Gesellschaft auf Sylt mit einem äußerst familiären Innenleben. „Den Charakter dieses Hotels zu wahren, ist uns sehr wichtig“, sagte Nicolas Kreis im Herbst 2014 dem Hamburger Abendblatt. Für ein Doppelzimmer mit Frühstück müssen Gäste im Miramar, das nach dem Lustschloss in Italien benannt ist, mindestens 320 Euro bezahlen.

Sänger Udo Lindenberg gehört zu den prominenten Hotel-Gästen

Auch prominente Hamburger kehren an Wochenenden häufig in die Nobelherberge ein. In der Bibliothek des Hotels ist ein nicht ganz jugendfreies Bild von Udo Lindenberg ausgestellt. Der Alt-Rocker ist Miramar-Fan, in der Hotelchronik schreibt er sogar, dass er hier vor langer Zeit entschieden habe, mit deutschen Texten Karriere zu machen. Im Restaurant hängt ein weiteres Lindenberg-Plakat. „Miramar ist wunderbar“, hat der Künstler es betitelt.

Drei Jahre nach dem Bau des Hotels im Jahr 1903 wurde das Miramar bereits durch Wasser an den Rand der Zerstörung gebracht. Kurz nach seiner Gründung war das Hotel noch völlig unzureichend auf Sturmfluten vorbereitet, „Die geschäftstüchtigen Insulaner haben meinem Urgroßvater leider nicht gesagt, mit welcher Macht die Elemente auf der Insel zuschlagen können“, sagte Nicolas Kreis. Mehr als ein Jahrhundert später konnte das Feuer, das ein Mensch in das Hotel brachte, noch rechtzeitig gelöscht werden.