Orkantiefs ziehen ab

Bilanz: So wüteten „Elon“ und „Felix“ im Norden

Nach drei stürmischen Tagen, Hunderten Feuerwehreinsätzen und einer Aussetzung aller Fernverbindungen der Bahn zieht das zweite Sturmtief über Hamburg ab. Doch von Entwarnung kann keine Rede sein.

Hamburg. “Elon“ und “Felix“ weckten im Norden Erinnerungen an die beiden Orkane “Xaver“ und “Christian“ vor einem Jahr. Auch sie zogen kurz hintereinander über Hamburg hinweg und richteten zum Teil schwere Schäden an. Allein Sturmtief „Felix“ löste am Sonnabend bei den Feuerwehren in Hamburg und Schleswig-Holstein Hunderte Einsätze aus.

Zumeist mussten umgestürzte Bäume beseitigt werden, größere Schäden wurden aber nicht gemeldet. 2500 Freiwillige Feuerwehrleute unterstützen die rund 400 Berufsfeuerwehrleute in Hamburg. Entwarnung geben die Rettungskräfte aber noch nicht, für den Sonntagmorgen erwartet die Hansestadt noch eine Sturmflut. Während auf Sylt ein moderates Hochwasser von 1,5 Meter über der normalen Flut erwartet wird, könnte es Hamburg schwerer treffen.

Insgesamt zählte die Feuerwehr am Freitag und Sonnabend 936 wetterbedingte Einsätze, davon 535 während „Elon“ über Hamburg zog. 401 Mal musste die Feuerwehr am Sonnabend wegen „Felix“ ausrücken. Hinzu kommen die rund 700 täglichen Einsätze der Rettungskräfte.

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Wie schon am Vortag hatte der Sturm auch am Sonnabend Auswirkungen auf den Verkehr. Besonders hart traf es den Bahnverkehr in und um Hamburg. Am Sonnabend strich die Deutschen Bahn ab 15 Uhr alle Fernverbindungen. Umgestürzte Bäume blockierten mehrere Bahnstrecken. Zahlreiche Reisende saßen an Hamburger Bahnhöfen fest. Auch auf Nebenstrecken in Niedersachen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein gab es erhebliche Behinderungen.

Zugleich gab es mit über 20 Grad einen Wärmerekord am Alpenrand, noch nie war es seit der Wetteraufzeichnung an einem Januartag so warm. Auch in Hamburg waren die Temperaturen ungewöhnlich mild. Am Sonntag sinkt das Quecksilber aber wieder in den Keller.

Einen tödlichen Unfall gab es auf der A 2 in der Nähe von Porta Westfalica in Nordrhein-Westfalen, als ein Geländewagen bei Starkregen von der Straße abkam. Dabei wurde der Fußball-Profi Junior Malanda vom VfL Wolfsburg aus dem Auto geschleudert und tödlich verletzt, teilte die Polizei Bielefeld mit. Der 20 Jahre alte belgische Junioren-Nationalspieler spielte seit Beginn des Jahres 2014 für die Niedersachsen.

Der öffentliche Nahverkehr in Hamburg konnte weitgehend in Betrieb gehalten werden. Ein Zug der Linie U1 entgleiste am Sonnabend nachdem die Bahn auf einen umgestürzten Baum auffuhr. Die Fahrgäste konnte den Zug unverletzt verlassen. Die Bergung des tonnenschweren Zuges dauert zur Stunde noch an.

Besonders stürmisch wurde es am Sonnabendnachmittag. In Neugraben erfassten Böen das Dach einer Mehrfamilienhauszeile und riss es ab. „Allein zwischen 14 und 15 Uhr hatten wir mehr als 130 Einsätze“, berichtete Feuerwehrsprecher Hendrik Freese. Deutlich ruhiger ging es hingegen zunächst an Schleswig-Holsteins Nordseeküste zu. Dort brausten die Böen zwar mit Macht über die „Waterkant“, blieben aber bis zum Nachmittag ohne größere Auswirkungen. Im Kreis Stormarn rückte die Feuerwehr zu rund 40 Einsätzen aus

Nachdem „Elon“ am Freitag mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von mehr als 130 Kilometern pro Stunde über den Norden hinweggezogen war, lagen die Top-Geschwindigkeiten am Sonnabend bei knapp über 100 Kilometern pro Stunde. So wurden auf Sylt in Böen 105 km/h, in Büsum 101 und in Hamburg 97 km/h vom Deutschen Wetterdienst erfasst.

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