Wilhelmshaven

Forschungsschiff „Sonne“ schaut bis zum tiefsten Meeresboden

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Für Expeditionen auf den Weltmeeren haben deutsche Meeresforscher jetzt ein neues Werkzeug. Die „Sonne“ gilt als das derzeit modernste Forschungsschiff. Freitag und Sonnabend ist sie in Hamburg.

Wilhelmshaven. Mit der „Sonne“ haben deutsche Wissenschaftler das nach Angaben der Bundesregierung modernste Forschungsschiff der Welt bekommen.

Es nahm nach 20 Monaten Bauzeit und mehrwöchigen Erprobungsfahrten am Montag seinen Dienst in Wilhelmshaven auf. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) übernahmen die „Sonne“ dort von der Papenburger Meyer Werft.

Das schwimmende Hochleistungslabor stellt sich noch im November in norddeutschen Hafenstädten vor. Am Freitag, 21. November, und am Sonnabend, 22. November, können die Hamburger jeweils von 10 bis 16 Uhr einen Blick auf und in die FS „Sonne“ werfen, die dann an der Überseebrücke liegt. Besucher können das Bordleben kennenlernen. Außerdem informiert eine Ausstellung norddeutscher Forschungseinrichtungen über Klima und Ozean, Meeresbodenerkundung und biologische Vielfalt in der Tiefsee.

Die „Sonne“ wird auch in Bremen, Warnemünde und Kiel festmachen.

Im Frühjahr beginnt die erste Forschungsreise. Die Haupteinsatzgebiete der 116 Meter langen und 21 Meter breiten „Sonne“ liegen im Indischen und Pazifischen Ozean. An Bord ist Platz für bis zu 40 Forscher und die Besatzung von 35 Seeleuten. Federführend bei den weltweiten Expeditionen ist das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Wanka lobte das 124,4 Millionen Euro teure Projekt als „Vorzeigewerk deutscher Schiffbaukunst“. Das neue Hightech-Schiff werde höchsten Ansprüchen moderner Meeresforschung gerecht. Für die Wissenschaft seien Daten zum Klimaschutz, zur Erwärmung und Versauerung der Meere oder zur Eisschmelze in der Arktis besonders wichtig. Daher werde die Bundesregierung in den kommenden Jahren Milliarden investieren und vier weitere Forschungsschiffe erneuern. Als nächstes ist ein Nachfolger des Forschungseisbrechers „Polarstern“ geplant.

Werftchef Bernard Meyer bezeichnete den Neubau als „Quantensprung“ und Herausforderung für seine Ingenieure und Techniker. Die Forscher hätten nun ein schönes Werkzeug an die Hand bekommen: „Machen Sie was damit, denn das Meer hat mehr Geheimnisse als der Weltraum.“

Weil erinnerte an die Erfahrung der Werft beim Bau riesiger Kreuzfahrtschiffe: „Die Meyer Werft hat sicher größere Schiffe gebaut, aber dies ist bisher das intelligenteste.“ Mit der Papenburger Werft, der Reederei in Leer und der Stadt Wilhelmshaven als Heimathafen habe sein Bundesland großen Anteil an dem Schiff, sagte Weil: „Die „Sonne“ ist eine stolze Niedersächsin.“

Die „Sonne“ löst nach 36 Jahren ihren gleichnamigen Vorgänger ab. Das neue Schiff zeichnet sich durch eine besonders hohe Energieeffizienz aus. Es wurde nach neuesten Umweltstandards konstruiert. Zur Ausrüstung gehören neben Kränen, Kühlräumen und Laboren auch Tiefsee-Lotanlagen. Damit kann der Meeresboden bis in eine Tiefe von elf Kilometern vermessen werden. Mit videogesteuertem Gerät können die Forscher von Bord aus Proben nehmen.

Ein Koloss für die Wissenschaft

Größe: Die „Sonne“ ist 116 Meter lang und 20,60 Meter breit. Neben der Besatzung von 35 Männern und Frauen können bis zu 40 Wissenschaftler an Bord gehen.

Geschwindigkeit: Mit bis zu 15 Knoten (knapp 28 Kilometer pro Stunde) soll das Schiff vor allem im Pazifischen und Indischen Ozean fahren.

Ausstattung: Neben Kränen, Kühlräumen und Laboren gehören Tiefsee-Lotanlagen zum Equipment. Damit kann der Meeresboden vermessen werden. Mit videogesteuertem Gerät können die Forscher von Bord aus Proben nehmen.

Forschung: Das Schiff soll zur Erforschung unterschiedlicher Bereiche beitragen. Dabei geht es etwa um den Einfluss der Meere auf das Weltklima oder um marine Rohstoffe.

Bauwerft: Gebaut wurde der Koloss in Papenburg auf der Meyer Werft. Ursprünglich sollte die Schwesterwerft Neptun in Rostock den Bau ausführen, doch um Überkapazitäten auszugleichen, wurde das Projekt nach Niedersachsen verlagert.

Kosten: 124,4 Millionen Euro investieren der Bund und die Küstenländer in das neue Flaggschiff. Eigner wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

( (dpa) )

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