Abrissarbeiten

Strahlung verzögert Atommeiler-Rückbau in Stade

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Bei Abrissarbeiten am Atommeiler in Stade wurde nun radioaktiv belastete Kondensnässe entdeckt. Seit Februar haben Messungen immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt.

Stade. So wie ursprünglich geplant wird der Rückbau des seit 2003 stillgelegten Atomkraftwerks Stade nicht zu realisieren sein. Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums wurde im Sockelbereich des Reaktors, in dem seit 1972 Atomstrom erzeugt wurde, radioaktiv kontaminierte Kondensnässe nachgewiesen. "Deshalb wird der Rückbau nicht bis Ende 2014 erfolgen, sondern etwa drei oder vier Jahre länger dauern", sagt Rudi Zimmeck, Sprecher des Ministeriums in Hannover.

Seit Februar 2014 hätten mehrfache Messungen zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt, sagt Zimmeck. "Die Werte lagen sowohl unter als auch über der zulässigen Belastungsgrenze, stellen jedoch keine gesundheitliche Gefährdung dar." Auch die Sprecherin des für das Stader Kernkraftwerk zuständigen Betreibers E.on Kernkraft, Petra Uhlmann, sagt, dass die bisher gemessenen Strahlenwerte "nahe der Freigabegrenze" und damit so gering seien, dass Mitarbeiter in dem Bereich tätig sein könnten.

Aber: "Die Verzögerung von bis zu drei Jahren ergibt sich aus den unerwarteten Strahlungswerten", sagt Petra Uhlmann. Der Betonsockel müsse nun so zerlegt werden, dass er außerhalb des betroffenen Bereichs auf Radioaktivität untersucht werden kann. Die E.on-Sprecherin weiter: "Diese Untersuchungen werden Aufschluss darüber geben, ob der Bauschutt als radioaktiver Abfall entsorgt werden muss oder deponiert beziehungsweise uneingeschränkt freigegeben werden kann."

Bisherige Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Strahlungsbelastungen in Reaktorräumen des Sperrbereichs entstanden seien. "Dort war der Zugang nur nach strengen Vorgaben des Strahlenschutzes möglich." Zusätzliche Sicherungsmaßnahmen seien nicht erforderlich.

Inzwischen kommt auch Entwarnung aus Sachsen, wo der Bauschutt vom Stader Meiler entsorgt wird. Jeweils 1000 Tonnen sollten 2014 und 2015 auf der Deponie in Grumbach im Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge eingelagert werden. Das Umweltministerium in Dresden hatte das Abbruchmaterial auf Radioaktivität prüfen lassen und unbedenklich bewertet. Das Material sei so geringfügig belastet, dass es normal entsorgt werden könne. Zudem sei der Bauschutt bereits in Niedersachsen untersucht und freigegeben worden.

Umweltorganisationen kritisieren, dass tonnenweise Reaktorschutt durch Deutschland gefahren wird. Der sächsische BUND-Landesvorsitzende Felix Ekardt sagt: "Wir haben den Verdacht, dass der zu erwartende Widerstand gegen die Lagerung des Mülls hier geringer eingeschätzt wurde als in Niedersachsen."

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