Nach Skandal um Hygienemängel

Vion plant neuen Schlachthof im Norden

Nach der Großrazzia könnte der umstrittene Schlachthof der Firma Vion in Bad Bramstedt möglicherweise aufgegeben und durch einen Neubau ersetzt werden. Standort könne, müsse aber nicht Bad Bramstedt sein.

Bad Bramstedt. Der umstrittene Schlachthof der Firma Vion in Bad Bramstedt, der größte in Schleswig-Holstein, könnte bald durch einen Neubau ersetzt werden. Das bestätigte der Karl-Heinz Steinkühler, der Pressesprecher von Vion. „Das ist ein Planungsvorhaben zur Kapazitätserweiterung, das in den nächsten fünf bis sieben Jahren umgesetzt werden soll“, sagte er. Der Standort könne, müsse aber nicht Bad Bramstedt sein. Vion präferiert einen Ort mit guter Verkehrsanbindung, der zentral in Schleswig-Holstein liegt. 40 Millionen Euro will das Unternehmen investieren.

In Bad Bramstedt ist man angesichts eines möglichen Wegzugs alarmiert. „Ich wusste bislang nichts von diesen Plänen“, sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach. Das Unternehmen mit seinen 390 Beschäftigten ist für die 14.000-Einwohner-Stadt ein wichtiger Arbeitgeber und ein ebenso wichtiger Gewerbesteuerzahler. Kütbach ist bekannt, dass Vion in unmittelbarer Nähe seines jetzigen Standorts im Gewerbegebiet Nord ein Grundstück besitzt, das für eine Erweiterung geeignet wäre. „Darüber ließe sich doch reden“, sagte der Bürgermeister, der durchaus hofft, dass er den Schlachthof halten kann.

Der 1968 gegründete Betrieb, in dem jährlich 120.000 Rinder geschlachtet werden, war im Februar nach einer Großrazzia in die Schlagzeilen geraten. Wegen Hygienemängeln und Verstößen gegen das Tierschutzgesetz wurde er vom Kieler Landwirtschaftsministerium für fünf Wochen geschlossen. Erst nachdem sich Vion zu Nachbesserungen verpflichtet hatte, durfte wieder gearbeitet werden. Mittlerweile wurden dort rund 1,5 Millionen Euro investiert.

Nach wie vor hält das Unternehmen die Schließung durch die Behörden für unnötig. Der Vion-Direktor Heinz Schweer schob im hauseigenen Mitteilungsblatt „ProAgrar“ die Schuld daran auch den Landwirten und den Speditionen in die Schuhe. „In Zukunft heißt es also: Bitte genau hinsehen, welche Rinder transportfähig und für die Lebensmittelherstellung zugelassen sind“, schrieb er.