Timmendorf

Aus Hunkes Teehaus wird die Ostsee-Sansibar

Auf Timmendorfs Seebrücke eröffnet der Gastronom Christian Kermel das Restaurant Wolkenlos. Spätestens am 1. Juli soll der Betrieb des Restaurants starten.

Timmendorf. Christian Kermel hat sich ein schönes Stück Ostsee ausgesucht, vielleicht sogar das schönste. Auf der Timmendorfer Seebrücke, ganz am Ende des 135 Meter langen Stegs, steht sein Restaurant. Der Name ist Programm: „Wolkenlos“ wird es heißen, spätestens am 1. Juli soll es eröffnet werden. Dieses Datum markiert das Ende eines Streits, der für viel böses Blut in der Ostseegemeinde gesorgt hat.

Dabei hatte es Jürgen Hunke mit seinem Teehaus, in das nun Kermels Restaurant einziehen wird, nur gut gemeint. Ein Geschenk für Timmendorf sollte es sein, für den Ort, den der Hamburger Kaufmann und HSV-Aufsichtsratsmitglied als Zweitwohnsitz nutzt. Der Asienliebhaber war 2008 von einer Erscheinung heimgesucht worden: Vor seinem „inneren Auge“, so hat er es selbst beschrieben, habe er ein „weißes, sanft beleuchtetes Teehaus“ gesehen, das „sich auf der nächtlichen, windstillen Ostsee spiegelt“. Flugs beschloss er, der Gemeinde dieses Teehaus zu schenken – als Ort der Begegnung zwischen Kunst und Kultur.

Der mittlerweile verstorbene Volker Popp, damals Bürgermeister von Timmendorf, war begeistert – und fand, dass man Hunke für diese Idee „jeden Tag streicheln müsste“. Ob er diesen Vorsatz in die Tat umgesetzt hat, ist nicht überliefert. Bekannt ist hingegen, dass sich in der Gemeinde alsbald Widerstand regte. Denn Hunkes Teehaus-Idee erwies sich als teure Tasse Tee. Der Ersatz für die marode Seebrücke bedurfte einer sehr soliden Bauweise, um das Teehaus zu tragen, das immerhin eine Nutzfläche von 360 Quadratmetern hat. 2,4 Millionen Euro kostete der Steg am Ende, die Gemeinde hat ihn allein bezahlt. Das fanden nicht alle Bürger toll. Einige führten einen Bürgerentscheid herbei, um das Projekt zu stoppen. Doch die Hunke-Befürworter behielten die Oberhand, 2010 war das.

Danach ging der Streit erst richtig los. Hunke wollte in dem Teehaus Kunst ausstellen und Tee anbieten, die Gemeinde gab einem Restaurationsbetrieb den Vorzug. 2012 kündigte Timmendorf den Vertrag mit Hunke. Der zog vor Gericht. Im Sommer 2013 einigte man sich dann doch noch. Im November wurde Richtfest für das Teehaus mit den geschwungenen Dächern gefeiert. Vor wenigen Tagen hat Christian Kermel den Mietvertrag unterschrieben.

Und nun legt er los. „Die Lage ist einmalig“, sagt der 26-Jährige. „Ich freue mich darauf, die Region nach vorn zu bringen.“ 400.000 bis 500.000 Euro will er in das Gebäude am Ende der Seebrücke investieren. 160 Plätze hat sein Restaurant, 20 Mitarbeiter wird er beschäftigen. Mit „pazifischer Küche“ will der Mann, der zwei Jahre lang auf Hawaii gelebt hat, die Touristen und die Timmendorfer ins Wolkenlos locken.

Kermel kennt sich aus im Tourismus. Seine Firma, die Vivaldi AG, hat drei Vier-Jahreszeiten-Hotels in Lübeck, Kühlungsborn und Zingst gepachtet, hinzu kommen zwölf Gastronomiebetriebe. Das Wolkenlos ist für den Lübecker das erste Restaurant, das nicht mit einem Hotel verbunden ist.

Kermel ist durch die Medienberichterstattung über das hunkesche Teehaus auf die Seebrücke aufmerksam geworden. „Ich habe mich schon ein Jahr vor der Ausschreibung in Timmendorf beworben“, sagt er. Jetzt hat er einen Mietvertrag mit einer optionalen Laufzeit von 20 Jahren in der Tasche – und plant Großes. Das Timmendorfer Wolkenlos könnte zum ersten Glied einer Kette werden. Das Vorbild dafür hat Kermel auf der Insel Sylt gefunden. „Wir denken an ein Franchise-System, mit dem das Wolkenlos zur ,Sansibar der Ostsee‘ werden könnte.“ Einige Ideen für die Küche seines Restaurants hat er von Hawaii mitgebracht. „Zum Beispiel Muschelpasta ‚Ozean‘. Das Nudelgericht kombiniert Meeresfrüchte mit Tomaten, Kapern und Fenchel“, sagt er.

In Timmendorf freut man sich mittlerweile darauf, dass am Ende der Seebrücke nun endlich etwas zu sehen und zu erleben sein wird. Der Kurdirektor Joachim Nitz sagt: „Ich bin heilfroh, dass wir den Mietvertrag unter Dach und Fach haben.“ Das Konzept sei „toll“, der Platz natürlich ebenso: „Man sitzt dort ja fast auf der Ostsee.“

Und Jürgen Hunke? Der Mann mit der Vision? „Ich sehe das mit einem fröhlichen und einem traurigen Auge“, sagt er, der gerade in Binz auf Rügen urlaubt. „Das Gebäude wird ein wunderschöner Anziehungspunkt für die Gemeinde werden.“ Das Restaurant – na ja. „Ich werde 71, das Leben ist viel zu kurz, um sich zu ärgern.“ Der Name, den er dem Projekt gegeben habe, bleibe immerhin. Das sei vereinbart worden. „Es heißt ‚Mikado-Teehaus‘.“

Wird im Mikado-Teehaus Wolkenlos auch Tee angeboten, Herr Kermel? Kermel lacht. „Ja“, sagt er, „es gibt auch Tee.“