Pfusch in Sylter Geburtsklinik?

Der Hamburger Anwalt Burkhardt Müller-Sönksen hat wegen Todesfall Strafanzeige erstattet

Sylt. In der Geburtshilfestation der Sylter Nordseeklinik ist möglicherweise jahrelang gepfuscht worden. Die Vorwürfe kommen vom Klinikbetreiber selbst, dem Krankenhauskonzern Asklepios, und richten sich gegen die beiden Beleggynäkologen und die Hebammen. Wegen eines Todesfalls bei einer Geburt hat zudem der Hamburger Rechtsanwalt Burkhardt Müller-Sönksen Strafanzeige erstattet. Die Geburtshilfestation war zu Jahresbeginn geschlossen worden.

Zwei tote Säuglinge bei Geburten in der Nordseeklinik, je einer in den Jahren 2011 und 2012, hatten bei Asklepios offenbar zu Bedenken hinsichtlich der Arbeit der beiden Gynäkologen geführt. „2012 und 2013 haben wir daraufhin ein Audit durchgeführt, wir haben die Situation dort unter die Lupe genommen“, sagt Franz Jürgen Schell, Pressesprecher von Asklepios.

„Dabei haben wir festgestellt, dass die Arbeit ganz schlecht dokumentiert wird und dass dort eine Risikoschwangere betreut wurde, die eigentlich aufs Festland gehört hätte.“ Geburtskliniken sind in Deutschland in Qualitätsstufen eingeteilt. In der Sylter Klinik dürfen nur einfache Geburten vorgenommen werden, schwierigere Fälle müssen beispielsweise ins Flensburger Diakonissenkrankenhaus gebracht werden.

Der Hamburger Rechtsanwalt und ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen vertritt die Eltern des 2012 gestorbenen Säuglings. Zu seinen Mandanten möchte er sich nicht äußern. Seine Anzeige bezieht sich auf alle im Zusammenhang mit dem Tod möglichen Straftaten. Auch eine Hebamme aus Schleswig-Holstein hat mittlerweile Anzeige erstattet – gegen Asklepios. Ihr Vorwurf lautet, die Klinik habe wegen unzureichender Organisation eine Mitverantwortung für den Tod der beiden Kinder. Nach Auffassung von Asklepios ist diese Anzeige „schon auf den ersten Blick völlig unbegründet“.

Über die Geburtshilfe auf der Insel Sylt ist in den vergangenen Monaten viel debattiert worden. Asklepios hatte ursprünglich argumentiert, die steigenden Haftpflichtprämien für die Beleggynäkologen und Beleghebammen seien nicht mehr zu bezahlen. Deshalb müsse die Station geschlossen werden. Hinzu käme, dass die Zahl der Geburten auf der Nordseeinsel ständig sinke. Im Jahr 2013 waren es nur noch 89 Geburten gewesen.