Jahresrückblick

Schleswig-Holstein 2013 – ein Jahr in Schlagzeilen

Diese Themen bewegten den Norden: Jost de Jager verkündet Rücktritt, Sanierung der Rader Hochbrücke bremst Verkehr aus, Elbhochwasser in Lauenburg erreicht den Höchststand, Susanne Gaschkes millionenschwerer Steuerdeal, Orkane Christian und Xaver verwüsten den Norden. Rückblick auf ein turbulentes Jahr 2013.

Hamburg. 2013 war ein turbulentes Jahr für den Norden. Gleich zu Beginn verkündet Jost de Jager, Landesvorsitzender der schleswig-holsteinischen CDU, überraschend seinen Rücktritt. Bundespräsident Joachim Gauck absolviert seinen offiziellen Antrittsbesuch in Schleswig-Holstein. Das Elbe-Hochwasser in Lauenburg erreicht den Höchststand von 9,64 Metern. Marode Betonpfeiler an der Rader Hochbrücke bei Rendsburg sorgen für monatelange Verkehrsprobleme auf der A 7. Susanne Gaschke (SPD), Kiels Oberbürgermeisterin, tritt nach einem millionenschweren Steuerdeal mit einem Augenarzt schließlich zurück. Der Orkan „Xaver“ wirbelt den Norden durcheinander und bringt der Nordseeküste eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte.

Das waren die Schlagzeilen 2013 in Schleswig-Holstein. Lassen Sie das Jahr Revue passieren!

Januar

2. Januar – Kiel/Essen: Die Kieler Traditionswerft HDW arbeitet seit Jahresbeginn unter neuem Namen. Im Zuge einer Umstrukturierung beim Mutterkonzern ThyssenKrupp heißt die auf Marineschiffe spezialisierte Werft jetzt ThyssenKrupp Marine Systems GmbH (TKMS). ThyssenKrupp fasste die Geschäftsbereiche Anlagenbau und Marineschifffahrt in dem Bereich Industrial Solutions zusammen. Dazu gehören auch die TKMS-Betriebe Hamburg (früher Blohm + Voss), Emden (früher Nordseewerke) und im schwedischen Karlskrona (Kockums). Insgesamt arbeiten in dem Bereich 3900 Menschen, darunter 2180 in Kiel.

8. Januar – Kiel: Der Landesvorsitzende der schleswig-holsteinischen CDU, Jost de Jager, verkündet offiziell seinen Rücktritt. Er überrascht damit die eigene Parteispitze und löst eine neue Führungskrise aus. Der frühere Wirtschaftsminister stand erst seit September 2011 an der Spitze der Nord-CDU. Er fühlte sich von seiner Partei nicht ausreichend unterstützt. Er war erst Ende November 2012 als Landesvorsitzender wiedergewählt worden, aber nur mit 80 Prozent. Zuvor hatte er sich in einer Kampfabstimmung um eine Direktkandidatur zur Bundestagswahl nur knapp gegen eine weithin unbekannte Gegenkandidatin durchgesetzt. Im März wird der Europaabgeordnete Reimer Böge neuer CDU-Landeschef.

20. Januar – Lübeck: Nach mehrjährigen Umbauarbeiten sind auf der Lübecker Altstadtinsel zwei Museen zu einem verschmolzen. Im neuen Museumsquartier St. Annen werden auf rund 9000 Quadratmeter Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart präsentiert. Die Neugestaltung sei ein Jahrhundertschritt zur Verdichtung der Lübecker Museumslandschaft, die für eine Stadt dieser Größenordnung bundesweit wohl einmalig sei, betont der Vorsitzende des Stiftungsrates der Museen, Frank-Thomas Gaulin.

Februar

6. Februar – Itzehoe: Der Druckkonzern Prinovis schließt seinen Standort Itzehoe mit rund 1000 Mitarbeitern. Ende April 2014 stehen die Tiefdruck-Anlagen endgültig still, danach soll das Werk demontiert werden. Für die strukturschwache Region ist es ein Tiefschlag, Ersatzarbeitsplätze in diesem Umfang sind nicht in Sicht. Die Druckerei sei nicht mehr wirtschaftlich, teilt Prinovis-Chef Bertram Stausberg mit. Überkapazitäten im europäischen Druckmarkt verschärfen den Konkurrenzdruck in der Branche. Für die Mitarbeiter wird bis Juni 2013 ein Sozialplan ausgehandelt. Die Aufträge zum Druck von Magazinen wie „Der Spiegel“ und „Stern“ werden auf andere Prinovis-Standorte verteilt.

19. Februar – Lübeck: Beim Bau des Europäischen Hansemuseums in Lübeck sind Archäologen auf unerwartete Funde gestoßen. Als sensationellste Entdeckung gilt eine vermutlich aus der späten Jungsteinzeit (6000 bis 3000 v. Chr.) stammende Feuerstelle. Die Wissenschaftler legten ferner Begrenzungsmauern einer mittelalterlichen Klosteranlage und einen vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammenden Brunnenschacht frei. Diese Funde sollen in das Museums integriert werden. Dadurch werde sich die Eröffnung um ein knappes Jahr auf März 2015 verzögern, kündigt Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) an.

21. Februar – Lübeck: Mit großer Mehrheit wird der bisherigen Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein, Gerhard Ulrich, zum ersten Landesbischof der Nordkirche gewählt. Ulrich erhält 144 der 153 Stimmen in der Synode. Er hatte keinen Gegenkandidaten. Ulrich war bereits Vorsitzender der vorläufigen Kirchenleitung. Er wird am 25. August im Schweriner Dom feierlich in sein neues Amt eingeführt. Er wolle eine Kirche, die sich einmischt, sagt der 62-Jährige in seiner Predigt.

März

22. März – Kiel: Bundespräsident Joachim Gauck absolviert seinen offiziellen Antrittsbesuch in Schleswig-Holstein. In Kiel lobt er den Umgang des Landes mit Minderheiten und die Meeresforschung. Der Besuch beginnt mit einer Panne: Gauck kommt eine Stunde zu spät, weil er auf ein Ersatzflugzeug warten musste. Die ursprünglich vorgesehene Maschine hatte einen Vogel gestreift. Im Parlament dankt er dem Land dafür, dass es nicht nur den Schutz der dänischen Minderheit und der friesische Volksgruppe in der Verfassung verankert hat, sondern auch den der Roma. In Schleswig besucht der Bundespräsident auf Schloss Gottorf die Landesmuseen.

April

5. April – Kiel: Mit seiner Bereitschaft zur Lagerung von Castor-Behältern mit Atommüll aus Großbritannien in Schleswig-Holstein löst Umweltminister Robert Habeck (Grüne) eine Kosten- und Sicherheitsdebatte aus. Die Gewerkschaft der Polizei und Innenminister Andreas Breitner (SPD) erklären: Tausende Polizisten müssten einen solchen Transport mit Gorleben-Dimension schützen; die Landespolizei könnte seinen Schutz mit dem derzeitigen Personalbestand nicht gewährleisten. Habeck wird von SPD-Ministerpräsident Torsten Albig gestützt. Die Debatte geht über Wochen. Auch der Landtag bekundet die Bereitschaft, Castoren im Norden zu lagern. Aber andere Länder müssten ebenfalls mitmachen.

28. April – Schleswig: Nach zehn Jahren geht die Zusammenarbeit der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen mit dem Sammlerehepaar Eva und Carl Großhaus zu Ende. Als letzte Großhaus-Ausstellung auf Schloss Gottorf wird die Exposition „Lieblingsbilder“ eröffnet. Großhaus und seine Frau stellten Werke unter anderem von Anselm Kiefer, Horst Antes, Friedrich Meckseper und Ernesto Tatafiore zusammen. Die „Lieblingsbilder“ sind noch bis zum 12. Januar zu sehen. Seit 2003 gab es auf Schloss Gottorf regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung Großhaus.

29. April – Rendsburg: Der Streit zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg um den Standort für eine internationale Windenergiemesse ist beigelegt – zulasten Husums. Die Messe wird ab 2014 nicht mehr in der nordfriesischen Kreisstadt veranstaltet, sondern alle zwei Jahre in Hamburg. Husum trägt ab 2015 eine nationale Windmesse aus. Beide Messegesellschaften gründen eine neue gemeinsame Gesellschaft. Dies vereinbaren die Geschäftsführer in Rendsburg. Bisher war Husum Gastgeber der weltweiten Leitmesse. 2011 hatte die Hamburger Messe eine eigene Veranstaltung angekündigt, was im Norden als Kampfansage gewertet wurde und die Beziehungen zwischen beiden Ländern belastete.

Mai

5. Mai – Heide: Die Dichterin Sarah Kirsch stirbt im Alter von 78 Jahren. Sie lebte 30 Jahre in Tielenhemme bei Rendsburg in einer ehemaligen Schule hinterm Deich. Die aus der DDR stammende Lyrikerin war nach Protesten gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann 1977 in den Westen übergesiedelt. Die Themen Liebe, Trennung und Einsamkeit bestimmten ihr Werk, vor allem Naturgedichte. Sie bekam den Georg-Büchner-Preis, die bedeutendste deutsche Literaturauszeichnung. Der Kritiker Marcel Reich-Ranicki pries einst ihre „Lyrik der großen Gefühle und der mächtigen Leidenschaften“.

14. Mai – Kiel: Der THW Kiel wird vor heimischer Kulisse zum 18. Mal deutscher Handball-Meister. Der deutsche Rekordchampion erteilte seinem ärgsten Verfolger Rhein-Neckar Löwen beim 31:25-Sieg in der Sparkassen-Arena eine Lektion und sichert sich schon drei Spieltage vor Saisonende den nächsten Titel. Ein paar Wochen vorher hatten die „Zebras“ bereits durch ein 33:30 im Endspiel gegen den Nordrivalen SG-Flensburg-Handewitt den DHB-Pokalsieg erzielt. National ist kein anderes Team so erfolgreich wie der am 4. Februar 1904 gegründete Turnverein Hassee-Winterbek. Der VfL Gummersbach als nächstbester Club bringt es in der Bundesliga auf zwölf gewonnene Meisterschaften.

26. Mai – Kiel: Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein behauptet sich die CDU als stärkste Partei. Mit ihrem neuen Landesvorsitzenden Reimer Böge holt sie landesweit 38,9 Prozent. Die SPD kommt auf 29,8 Prozent, gegenüber 2008 gewinnt sie 3,2 Punkte hinzu. Die CDU steigert sich um 0,3 Punkte. Sie ist in allen Kreisen sowie in den kreisfreien Städten Flensburg und Neumünster stärkste Kraft. Die SPD schafft dies auf Kreisebene nur in Kiel und Lübeck. Die Grünen legen kräftig auf 13,7 Prozent zu. Die FDP rutscht von 9,0 auf 5,0 Prozent ab. Die Piraten, die vor einem Jahr noch mit 8,2 Prozent in den Landtag einzogen, bleiben bei 1,6 Prozent hängen.

27. Mai – Kiel: Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) wird erstmals seit mehr als 60 Jahren nicht mehr an den Frühjahrs- und Herbstgutachten der Bundesregierung mitwirken. Für die Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2013 bis Frühjahr 2016 erhielt das Konsortium mit dem Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung keinen Zuschlag. Den Platz räumen muss das IfW für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. „Es ist bedauerlich, aber wir nehmen es sportlich“, sagt der Leiter des Prognose-Zentrums, Prof. Joachim Scheide.

Juni

12. Juni – Lauenburg: Das Elbhochwasser in Lauenburg hat seinen Höhepunkt erreicht. Es wird ein Pegelstand von 9,64 Meter gemessen. Die Deiche werden von Deichläufern und mit Wärmebildkameras aus der Luft überwacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) machen sich ein Bild von der Lage. Rund 300 Bewohner der Elbstraße hatten dem Elbhochwasser weichen und ihre Häuser verlassen müssen. Die Straße steht bis zu 30 Zentimeter unter Wasser, das auch in manches Erdgeschoss läuft. Die Altstadtbewohner können erst ab 15. Juni wieder zurückkehren.

19. Juni – Schleswig: Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hebt die Genehmigung für das atomare Zwischenlager Brunsbüttel auf. Es gibt der Klage eines Anwohners gegen die Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz statt. Der Kläger befürchtete Gefahren durch mangelnden Schutz vor Terrorangriffen. Das Gericht begründet seine Entscheidung mit Ermittlungs- und Bewertungsdefiziten der Genehmigungsbehörde. So habe das Bundesamt nicht ermittelt, welche Folgen der Absturz eines Airbus A380 auf das Zwischenlager hätte. Auch sei bei der Untersuchung der Folgen eines Angriffs mit panzerbrechenden Waffen nur ein älterer Waffentyp aus dem Jahr 1992 berücksichtigt worden.

21. Juni – Kiel: Der Landtag in Kiel stimmt der Wiederaufstockung der Ländergarantien für die angeschlagene HSH Nordbank von sieben auf zehn Milliarden Euro zu. Damit soll die schwächelnde Eigenkapitalquote gestärkt und so das Institut insgesamt stabilisiert werden. In der Vorwoche hatte die Hamburgische Bürgerschaft der Maßnahme zugestimmt. Unmittelbar davor war bekanntgeworden, dass die EU-Kommission eine vorläufige Genehmigung für die Wiederaufstockung der Ländergarantien erteilt. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) stellt klar, dass die Garantieerhöhung keineswegs eine weitere Milliardenzahlung der Länder bedeutet.

22. Juni – Bad Segeberg: Die Premiere für den neuen Winnetou-Darsteller glückt trotz schlechten Wetters: Mit Winnetou I - Blutsbrüder“ starten die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg in ihre 62. Saison. Jan Sosniok als Nachfolger von Publikumsliebling Erol Sander begeistert bei Dauerregen in der Rolle des Titelhelden die Premierengäste. In dem Western-Klassiker mimt neben dem einstigen „GZSZ“-Star Sosniok Wayne Carpendale („Der Landarzt“) den Old Shatterhand. Als Gaststars ebenfalls dabei in der 4,1 Millionen Euro teuren Produktion: Sophie Wepper als Winnetous Schwester Nscho-tschi und der 73 Jahre alte Gojko Mitic. Bis Anfang September strömen mehr als 320 000 Zuschauer in die Vorstellungen. Zwei Monate später steht fest: Sosniok und Carpendale reiten auch in die nächste Spielzeit gemeinsam.

Juli

7. Juli – Herrnburg: Die Leiche einer 29-jährigen Joggerin aus Lübeck wird im angrenzenden Herrnburg (Nordwestmecklenburg) gefunden. Nach Polizeiangaben fiel sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die junge Mutter war noch am Tatort verblutet. Vier Tage später nimmt die Polizei einen Tatverdächtigen in Lübeck fest. Seine DNA-Spuren waren auf einem Messer sichergestellt worden, das den Ermittlungen zufolge am Tag nach der Tat von einem siebenjährigen Jungen in Tatortnähe entdeckt worden war. Am 22. Oktober beginnt vor dem Schweriner Landgericht der Prozess gegen den 45-Jährigen. Ihm werden Mord, versuchte sexuelle Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Bisher sind Verhandlungstage bis zum 20. Januar 2014 geplant.

26. Juli – Rendsburg: Marode Betonpfeiler an der Rader Hochbrücke bei Rendsburg sorgen für monatelange Verkehrsprobleme auf der A7. Die zwischen 1969 und 1971 errichtete Autobahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal muss wegen Verschleißerscheinungen bis November saniert werden. Mitten in der Urlaubszeit stehen den Autofahrern statt vier nur noch zwei Spuren zur Verfügung. Für Lastwagen über 7,5 Tonnen wird die Brücke komplett dicht gemacht. Es kommt zu kilometerlangen Staus. Nach 15 Wochen geht die Gedulds- und Nervenprobe für Auto- und Lastwagenfahrer am 8. November zu Ende.

29. Juli – Flensburg: Das Flensburger Erotikunternehmen Beate Uhse will Frauen stärker ansprechen. Läden, Webseite und Katalog werden umgestaltet. Marktforschungsergebnisse hätten gezeigt, dass die Marke bislang mit den Kunden gealtert sei, heißt es auf der Hauptversammlung in Flensburg. Außerdem stellt das Unternehmen ein neues Logo vor: Mit Schnörkeln, Herz und einem Rot-Pink-Ton sowie dem Zusatz „seit 1946“.

August

13. August – Kiel: Hohe Steuereinnahmen und Niedrigzinsen entschärfen die Haushaltslage Schleswig-Holsteins. Das geht aus Zahlen hervor, die Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) vorstellt. Demnach besteht nach den Kriterien des Stabilitätsrates keine drohende Haushaltsnotlage mehr. Die Steuereinnahmen lagen im ersten Halbjahr mit 3,52 Milliarden Euro um mehr als 213 Millionen über Vorjahresniveau. Die Zinsausgaben um 67 Millionen darunter. Die Opposition kritisiert, die Landesregierung mache zu viele Schulden und investiere zu wenig. Der Landtag verabschiedet den Haushalt am 11. Dezember. Erstmals sind Netto-Ausgaben von mehr als zehn Milliarden Euro vorgesehen. Die Neuverschuldung ist mit 287 Millionen Euro angesetzt.

16. August – Lübeck: Der erst 18 Jahre alte kanadische Pianist Jan Lisiecki wird bei einem Konzert in Lübeck mit dem Leonard Bernstein Award 2013 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht seit 2002 beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) an besonders begabte Nachwuchsmusiker. Bei der Verleihung spielte Lisiecki das Klavierkonzert d-Moll (KV 466) von Wolfgang Amadeus Mozart und wurde vom Publikum stürmisch gefeiert. Die Auszeichnung erinnert an den amerikanischen Musiker Leonard Bernstein (1918-1990), der in den ersten Jahren des SHMF als Pädagoge und Dirigent mitgewirkt hatte.

September

13. September – Schleswig: Das Ergebnis der Landtagswahl vom Mai 2012 in Schleswig-Holstein ist rechtens. Das Landesverfassungsgericht weist Wahlprüfungsbeschwerden unter anderem von Mitgliedern der Jungen Union ab. Damit darf der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) weiter eine Sonderrolle in der Landespolitik einnehmen. Das Gericht erklärt die Befreiung der Partei der dänischen Minderheit von der Fünf-Prozent-Hürde für rechtens. Auch die Sperrklausel an sich bleibt bei Landtagswahlen im Norden bestehen. Damit kann Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) weiter mit seinem Dreierbündnis aus SPD, Grünen und SSW regieren.

17. September – Lübeck/München: Die Schriftstellerin Juli Zeh (39) erhält den mit 25.000 Euro dotierten Thomas-Mann-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Hansestadt Lübeck. Zeh sei eine temperamentvolle und experimentierfreudige Erzählerin, die in ihren Werken die Frage nach individueller Freiheit und Verantwortung, nach gesellschaftlichen Werten und Orientierungen in den Mittelpunkt stelle, teilt die Kulturstiftung in Lübeck mit. Der Preis wird am 8. Dezember in München verliehen.

Oktober

11. Oktober – Münster/Kiel: Die Fusion der öffentlichen Versicherungen Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland platzt auf der Zielgeraden. Ein Dreivierteljahr nach dem Start der Gespräche entscheidet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Alternativen unterhalb einer Vollfusion zu prüfen. Der Kommunalverband, der Anteilseigener der Provinzial Nordwest mit einem Standort auch in Kiel ist, legt sich auf die Rechtsform einer Aktiengesellschaft für ein fusioniertes Unternehmen fest. Dies steht im Gegensatz zur Position der Träger der Provinzial Rheinland, die eine Anstalt Öffentlichen Rechts anstreben.

28. Oktober – Kiel: Kiels Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) tritt nach einem millionenschweren Steuerdeal mit einem Augenarzt zurück. Sie spricht von einer Hetzjagd. „Manche Funktionäre der Landesregierung“ und Parteipolitiker im Rathaus seien ihr mit Hass begegnet. Gaschke (46) gibt mit ihrem Rücktritt massivem Druck nach. Sie war erst seit elf Monaten im Amt. Zuvor arbeitete sie 15 Jahre lang als Redakteurin bei der „Zeit“. Sie hatte im Juni an der Ratsversammlung vorbei per Eilentscheidung verfügt, dem Augenarzt 3,7 Millionen Euro für Zinsen und Säumniszuschläge zu erlassen. Dafür war der Mediziner bereit, 4,1 Millionen Euro Gewerbesteuern für alte Immobiliengeschäfte zu zahlen.

30. Oktober – Lübeck: Die 55. Nordischen Filmtage Lübeck zeigen die ganze Bandbreite des Kinos in Skandinavien und dem Baltikum. 163 Spielfilmen, Dokumentationen, Kurzfilmen und Streifen für Kinder umfasst das Programm bis zum 3. November. Der Hauptpreis, der mit 12.500 Euro dotierte NDR-Filmpreis, teilen sich der norwegische Streifen „Ich bin dein“ der Regisseurin Iram Haq und der Thriller „Der Nordwesten“ des Dänen Michael Noer. Mit 27 900 Zuschauern verzeichnet das Festival einen neue Rekordzahl. Die Nordischen Filmtage gelten als europaweit bedeutendste Werkschau und für Filme aus Skandinavien und dem Baltikum.

November

Kiel: Der Film- und Theaterschauspieler Hans von Borsody stirbt im Alter von 84 Jahren in seinem Wohnhaus in Kiel. Als Detektiv „Cliff Dexter“ zog er in den 60er Jahren Millionen Fernsehzuschauer in seinen Bann. Später begeisterte er als Urfaust oder Cyrano de Bergerac auf Theaterbühnen und ist im Kriegsdrama „Die Brücke von Arnheim“ zu sehen. In seiner jahrzehntelangen Karriere lässt der gebürtige Wiener sich nie auf bestimmte Rollen festlegen. Hans von Borsody hinterlässt seine Ehefrau Karin und die beiden Töchter, die Schauspielerinnen Cosima und Suzanne.

Dezember

3. Dezember – Leipzig: Das Bundesverwaltungsgericht teilt mit, dass es bei der umstrittenen Elbvertiefung zunächst auf den Gang zum Europäischen Gerichtshof verzichtet und den Fall nun direkt verhandelt. Vom 15. Juli 2014 an seien sechs Verhandlungstage für die Klagen der Umweltverbände BUND und Nabu terminiert. Ursprünglich hatten die Leipziger Richter geplant, dem Europäischen Gerichtshof wie bei der Weservertiefung Fragen zur Auslegung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorzulegen. Die Hamburger Wirtschaftsbehörde und die Aktionsgemeinschaft Lebendige Tideelbe aus BUND, Nabu und WWF begrüßten die Entscheidung. Hamburg möchte die Elbe tideunabhängig für Schiffe mit einem Tiefgang von 13,50 Meter befahrbar machen. Urteil im Führerscheinprozess: Zehn Jahre Haft für 57-Jährigen

5. Dezember – Flensburg: Für den gewaltsamen Tod einer Führerscheinsachbearbeiterin bei Schleswig muss ein 57-Jähriger wegen Totschlags für zehn Jahre ins Gefängnis. Die Richter am Flensburger Landgericht sehen es als erwiesen an, dass der Mann die Mitarbeiterin der Schleswiger Kreisverwaltung Ende April in ihrem Haus in Lürschau erstochen hat. Dem ehemaligen Lastwagenfahrer war zum zweiten Mal der Führerschein entzogen worden. Das Opfer, seine zuständige Sachbearbeiterin und ehemalige Nachbarin, hatte ihn zudem angezeigt, weil er ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren war. Orkan „Xaver“ trifft mit schwerer Sturmflut den Norden

5. Dezember – Hamburg/Husum: Sturmtief „Xaver“ bringt der Nordseeküste eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte. In Hamburg steigt der Pegel im Hafen am folgenden Morgen auf den höchsten Stand seit 1976. Trotz der Wassermassen gibt es weder Verletzte noch größere Schäden. Allerdings nagen die Fluten an den Stränden der Inseln. An der Helgoland vorgelagerten Düne gehen etwa 50.000 Kubikmetern Sand verloren. „Xaver“ wirbelt auch den Alltag vieler Menschen durcheinander. An den Schulen fällt der Unterricht aus, zahlreiche Flüge am Hamburger Flughafen werden gestrichen, der Bahnverkehr ist stark eingeschränkt. Geldstrafe für Psychiaterin wegen fahrlässiger Tötung

10. Dezember – Lübeck: Für die Beurlaubung eines gefährlichen Psychiatrie-Patienten, der kurz darauf seine Mutter erstach, verurteilt das Lübecker Landgericht eine Ärztin wegen fahrlässiger Tötung. Sie muss eine Geldstrafe von 18 000 Euro zahlen. Sie hatte dem unter Wahnvorstellungen leidenden Patienten ohne nochmalige Untersuchung erlaubt, das Krankenhaus in Geesthacht zu verlassen. Der 31-Jährige war direkt zu seiner Mutter gegangen und hatte sie mit einer Schere getötet. Wenige Stunden zuvor hatten Polizeibeamte den Mann in die Psychiatrie gebracht. Er hatte davon gesprochen, dass ein „Todesengel“ ihm befehle, seine Mutter und sich selbst zu töten.