Kopftuchstreit bremst in Niedersachsen Islamunterricht

Verbot der Kopfbedeckung ist ein Problem für Lehrerinnen

Hannover. Als erstes Bundesland hat Niedersachsen vor zehn Jahren Islamunterricht an den Grundschulen eingeführt. Jetzt aber droht der flächendeckende Ausbau dieses Angebots zu scheitern am Kopftuchverbot in den Schulen. Zwar ist der Islamunterricht mit Beginn dieses Schuljahres Regelfach geworden, aber zugleich ist die Zahl der Pädagogen, die das Fach auch unterrichten, deutlich zurückgegangen um sechs Lehrer auf 25.

„Das Kopftuch ist ein Problem“, sagte am Montag Yilmaz Kilic, Chef des Landesverbandes der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) in Hannover. Die meisten Pädagogen mit der entsprechenden staatlichen Ausbildung für diesen Religionsunterricht sind Frauen, sie dürfen das Kopftuch aber nur während des Islamunterrichts tragen. „Es ist Fakt, dass Studentinnen sich zurückhalten, dieses Fach zu studieren aus diesem Grund“, umschreibt Anette Abdel-Rahman das Problem. Ditib-Chef Kilic setzt auf Gespräche mit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will „pragmatische Lösungen“ suchen. Die aktuelle Rechtslage aber ist eindeutig: Das Kopftuch ist nur im Religionsunterricht erlaubt, aber ansonsten auf dem Schulgelände verboten.

Vor zehn Jahren hatte der CDU-Kultusminister Bernd Busemann den Modellversuch begonnen, derzeit wird das Fach an 37 Grundschulen in Hannover, Braunschweig, Osnabrück und Lüneburg unterrichtet. Wo es Angebote gibt, melden über 90 Prozent der Eltern ihre Kinder für den Islamunterricht an. Aktuell sind es etwa 1800 Schülerinnen und Schüler.

Weil der Unterricht zum Regelfach aufgewertet worden ist, sind jetzt die Noten auch versetzungsrelevant. Entsprechende Angebote soll es aber 2014 nicht nur aufsteigend an den Grundschulen, sondern auch in den weiterführenden Schulen geben. Dies aber ist angesichts des Lehrermangels blanke Theorie.

( (fert) )

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