Serie: Helden des Nordens 2013

Norddeutsche Medien suchen „Helden des Nordens 2013“

Folge 1: Philipp Buchholz folgte einem Schläger, bis die Polizei kam

Hamburg. Wer sind Ihre Helden des Nordens? Das Hamburger Abendblatt, NDR Info und drei große norddeutsche Tageszeitungen („Hannoversche Allgemeine“, „Ostsee Zeitung Rostock“ und „Kieler Nachrichten“) suchen in einer Gemeinschaftsaktion den herausragendsten „Helden des Nordens 2013“. Dabei geht es nicht um Prominente, sondern um die Würdigung von Helden des Alltags – also von Männern und Frauen, die sich für eine gute Sache besonders engagiert, großen Mut und Einsatz gezeigt haben oder mit ihrer kreativen Idee neue Wege für einen guten Zweck gegangen sind. Gemeinsam haben die Redaktionen der beteiligten Medien zahlreiche Vorschläge gesichtet und für Sie sechs norddeutsche Kandidaten ausgewählt, die wir Ihnen in den kommenden Tagen für die Wahl zum „Helden des Nordens 2013“ vorstellen wollen.

Das Leben des Auszubildenden Philipp Buchholz ist jetzt wieder zur Ruhe gekommen. Morgens verlässt er sein Zimmer, geht Straßen des bäuerlichen Schlieckum entlang, einem Ortsteil von Sarstedt im Landkreis Hildesheim, und ist fünf Minuten später im Betrieb. Buchholz, 19, lernt dort Garten- und Landschaftsbau. Jetzt kann er ein Held des Nordens werden. Nur, weil er ein bisschen geholfen hat. „Das war ja keine großartige Aktion.“ So jedenfalls betrachtet Buchholz die Ereignisse.

Philipp Buchholz stieg an einem Abend im Juni in Hannover in den Regionalexpress Richtung Sarstedt. Schräg gegenüber saß eine junge Frau, eine Studentin, wie sich später herausstellte, 21 Jahre alt. Dann kam dieser Typ. „Er lallte rum, sagte irgendwas von Sparkasse und kein Geld und fragte die Frau, ob sie ihm was leihen könnte“, erinnert sich Buchholz. Dann rief der Typ plötzlich: „Scheißfrauen!“ Er habe den Kopf der Studentin gepackt und immer wieder gegen das Zugfenster geschlagen.

Buchholz ist zwar recht groß, aber auch schlank. Sein Körper strahlt nicht aus, dass man sich mit ihm lieber nicht anlegen sollte. Kraft gewinnt er nicht allein aus Muskeln, sondern aus Ruhe. „Auf die Klappe kriegen wollte ich auch nicht, das hätte keinem geholfen“, sagt Buchholz heute. Als auch andere Fahrgäste auf die Schreie aufmerksam wurden, packten sie zu. Gemeinsam gelang es, den Mann vom Opfer wegzuzerren. Per Handy war inzwischen die Polizei alarmiert. In Sarstedt, am Bahnhof, glaubte Buchholz, würden Beamte den Mann festnehmen. Die Polizei war nicht da. Unbehelligt stieg der Schläger aus. Buchholz dachte: Wenn der weg ist, ist er weg, und so einer darf nicht frei rumlaufen. Er tat drei Dinge gleichzeitig: Er verfolgte den Mann, rief die Polizei an und bat Passanten um Hilfe. Dann kamen Streifenwagen, Polizisten nahmen den Angreifer fest. Es stellte sich heraus, dass der Mann wegen diverser Taten, darunter Körperverletzungen, gesucht wurde.

Philipp Buchholz staunt, welchen Wirbel sein Eingreifen verursacht hat. In den Medien, bei seinen Freunden und Kollegen, in der Familie. Und dass er für die „Helden des Nordens“ nominiert ist. Er ist davon überzeugt, dass sein Handeln selbstverständlich sein muss. „Es ist eine gute Sache, um zu zeigen, dass man mit kleinen Dingen was tun kann. Man muss nicht handgreiflich werden.“