Schleswig-Holstein will „Der echte Norden“ sein

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Matthias Popien

Neuer Slogan soll den Werbespruch „Land der Horizonte“ ablösen und Teil einer Dachmarke für Behörden und Wirtschaft werden

Kiel. Hamburg ist das „Tor zur Welt“. Aber was ist Schleswig-Holstein? Darauf gibt es nun eine Antwort – die Antwort der Kieler Landesregierung. Demnach ist Schleswig-Holstein „Der echte Norden“. Das ist das Ergebnis mehrmonatigen Bemühens von Fachleuten aus dem Landeswirtschaftsministerium und der Werbewirtschaft. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) stellte den Slogan am Dienstag der Öffentlichkeit vor. Er soll nun zunächst von den Landesbehörden verwendet werden. Meyer: „Weitere Verbände und Gruppen haben bereits ihre Bereitschaft bekundet, das Konzept zu unterstützen.“

Der neue Slogan wird den Werbespruch „Land der Horizonte“ ablösen, der heute noch auf vielen Schildern am Rande von Autobahnen in Schleswig-Holstein zu lesen ist. „Die Schilder sind verblasst, das Motto ist nie mit Leben erfüllt worden“, sagt Meyer. „Die Schilder werden deshalb abgebaut.“

„Schleswig-Holstein – der echte Norden“ ist Teil eines Dachmarken-Konzepts. Das ganze Land soll in Zukunft nach außen geschlossener auftreten. Wirtschaftsunternehmen, Wissenschaft, Schulen, Verbände und Touristiker sind aufgefordert, den neuen Slogan aufzugreifen und weiterzuverbreiten. „Seit Jahren wird von der Wirtschaft zu Recht ein einheitlicher Auftritt des Landes eingefordert“, sagte der Wirtschaftsminister bei der Präsentation des Konzepts. „Diesem Appell sind wir nun nachgekommen. Wir wollen eine gemeinsame Landesmarke aufbauen, wobei wir im ersten Schritt damit bei uns selbst anfangen.“

Meyer erhofft sich von dem „Claim“ eine deutlich höhere Werbewirkung, aber auch eine „höhere Identitätsstiftung“ für die Menschen im Land. Er habe es im Land manchmal „mit sehr viel Kleinteiligkeit“ zu tun. Meyer: „Wir haben uns das zweifellos hohe Ziel gesteckt, das Profil des Landes besser sichtbar zu machen und damit eine Aufbruchstimmung zu erzeugen.“

Der Vorstellung des 90.000 Euro teuren Claims soll im kommenden Jahr eine Werbekampagne folgen, für die vermutlich rund 500.000 Euro zur Verfügung stehen wird. In einem Markenhandbuch soll festgehalten werden, in welchen Situationen der Claim verwendet werden kann – und in welchen nicht. „Ich möchte nicht, dass er auf Bußgeldbescheiden steht“, so Meyer.

Die Formulierung „Der echte Norden“ ist das Ergebnis ausführlicher Marketinguntersuchungen. „Sie haben gezeigt, dass die Menschen mit Norden Begriffe wie Weite, Frische, Gesundheit, Authentizität, Klarheit, Bescheidenheit, Standfestigkeit und Weltoffenheit verbindet“, sagte Meyer. Schleswig-Holstein betone mit diesem Slogan seine Schnittstellenkompetenz und seine herausragende Position. „Schleswig-Holstein ist das nördlichste Bundesland. Es verbindet Deutschland mit Skandinavien und kann für sich proklamieren, der echte Norden zu sein“, so der Minister. Ob mit einem weiteren Motto wirklich Staat zu machen ist, wird sich zeigen müssen. Die Tourismusagentur Schleswig-Holstein wirbt seit jeher mit dem Spruch „Urlaub, so weit das Auge reicht“. Die Hinzufügung des Slogans „Der echte Norden“ dürfte die Werbebotschaft nur verkomplizieren. Andererseits ist der neue Claim derart unpräzise, dass er verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten offensteht. Dem Bundesland Sachsen-Anhalt war das seinerzeit mit seinem Landesmotto nicht gelungen. „Wir stehen früher auf“ war von Urlaubern als Anschlag auf einen langen, erholsamen Schlaf missverstanden worden. Da ist „Der echte Norden“ echt besser.

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