Bramstedter Abenteurer

Russen halten Arved Fuchs in Kohlehafen fest

Der Bramstedter Abenteurer und seine Crew kommen auf dem Weg zur Inselgruppe Franz-Josef-Land nur bis zum Hafen von Murmansk. Behörden verlangen Zertifikate.

Murmansk. Arved Fuchs ist zu Fuß zum Nord- und Südpol marschiert, hat immer wieder das Packeis besiegt und das Kap Hoorn im Kajak umrundet. Extreme Herausforderungen haben den Bramstedter stets gelockt. Sie existieren, um sie zu meistern – so lautet die Philosophie des 60-Jährigen.

Doch manche Hindernisse scheinen selbst für einen gestandenen Abenteurer unüberwindbar zu sein. Die russische Bürokratie gehört dazu. Seit Tagen liegen Fuchs und seine Crew mit dem Expeditionsschiff „Dagmar Aaen“ im Hafen Murmansk fest, genauer gesagt: im trostlosen Kohlehafen. Die Inselgruppe Franz-Josef-Land in der arktische See, das Ziel der Expedition, liegt nur wenige Segeltörns entfernt. Doch statt Packeis haben russischen Beamte das Schiff im Griff.

Immer wieder kommen Inspektoren der Behörden vorbei und verlangen Zertifikate. Mal geht es um die Funkbojen, mal um das Erste-Hilfe-Training. Sämtliche Dokumente müssen von seinem Bramstedter Büro nach Russland gemailt werden. Dann folgt die Prüfung.

Fuchs hofft, am Donnerstag endlich zu den Inseln aufbrechen zu können, die nur 900 Kilometer vom Nordpol entfernt liegen. Der Bramstedter ist vertraut mit der arktischen See im Nordwesten Sibiriens, war bereits 1991während seiner Expedition Icesail dort unterwegs und muss sich doch darauf vorbereiten, dass sich die Reisebedingungen völlig verändert haben. Damals musste sich die „Dagmar Aaen“ durchs Eis kämpfen, das die Inseln fast immer umschloss. Heute sorgt der Klimawandel für freie Fahrt im Nordpolarmeer.

Die Folgen des Klimawandels und Überreste historischer Expeditionen – das sind die Ziele der Erkundungstour, die bis Ende August dauern wird. Bereits 1991 hatte Fuchs Spuren der Entdecker der Inselgruppe gefunden: Auf der Wilczek-Insel des Archipels fand er einen Brief des Polarforschers Julius Ritter von Payer und des Kapitäns Carl Weyprecht aus dem Jahr 1873, in dem sie die Entdeckung des Franz-Josef-Landes meldeten. Beide Männer gehörten zu einer österreichisch-ungarischen Expedition, die den Archipel nach Kaiser Franz-Josef benannten. Ihr Schiff „Admiral Tegetthoff“ mussten die Männer ein Jahr später im Packeis zurücklassen. Nach seiner Rückkehr schickte Fuchs den Brief an das Bundeskriminalamt. Spezialisten machten das Schriftstück wieder lesbar, heute liegt es im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven.

Der Bramstedter geht davon, dass heute viele Punkte dieser und anderer Expeditionen leichter zugänglich sind als 1991. „Es gibt noch zahlreiche historische Depots und Basislager, die bis heute nicht wiederentdeckt worden sind“, sagt Fuchs. Er plant, die Positionen zu markieren und Inventarlisten zu schreiben.

Außerdem will die Crew nach Wracks der Schiffe suchen, mit denen sich Forscher des 19. Jahrhunderts in die Region wagten und hofften, von dort zum Nordpol zu gelangen. Franz-Josef-Land liegt im Nationalpark Russische Arktis. 2002 erklärte die Unesco den Archipel zum Biosphärenreservat.

Im Nationalpark leben seltene Tiere und die größte Vogelkolonie des Nordens. Dorthin steuert die „Dagmar Aaen“. Ein Ranger der russischen Behörden wird die Reise dorthin allerdings begleiten.