Pasewalk

Großer Protest gegen rechtsextremes Pressefest

| Lesedauer: 3 Minuten
Reinhard Sobiech und Ralph Sommer

Mehr als 2000 Menschen gehen auf die Straße. Die Nazi-Gegner hoffen nun, dass die Rechtsextremen in der Region langsam an Boden verlieren.

Pasewalk/Viereck. Mit dem bislang größten Demokratiefest in der Region Pasewalk haben Tausende Menschen gegen das NPD-Pressefest der „Deutschen Stimme“ in der Nachbargemeinde Viereck protestiert. Während sich am Samstag auf dem abgeschotteten Gelände eines Bauernhofes nach Polizeiangaben etwa 800 Vertreter und Anhänger von NPD und Kameradschaften trafen, formierten sich entlang der Straße von Pasewalk nach Viereck etwa 2.000 Demonstranten zu einer Menschenkette für Demokratie und Toleranz.

Die Resonanz sei größer gewesen als erhofft, sagte der Koordinator des Aktionsbündnisses Vorpommern, Benno Plassmann. Das Bündnis hatte sich erst vor einem Monat gebildet.

Am Straßenrand warben Vertreter von Parteien, Organisationen, Gewerkschaften und Kirchen mit 42 Informationsständen für ein „weltoffenes Vorpommern ohne menschenverachtende Kameradschaften und Rechtsextremisten“. Zu den Teilnehmern gehörten auch viele Bürgermeister aus Vorpommern und Brandenburg sowie Gäste aus Polen.

Aktionsbündnis will Arbeit fortsetzen

„Es war ein buntes und lautes Fest und ein deutliches Signal gegen Rechts“, sagte Plassmann. Er kündigte an, dass das inzwischen von 75 Mitgliedsorganisationen getragene Aktionsbündnis auch nach den Pasewalker Protesten seine Arbeit fortsetzen und vor allem Probleme mit Neonazis in den Dörfern der Region aufgreifen werde.

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In einer Pasewalker Erklärung kündigten 13 Bürgermeister ländlicher Gemeinden der Region an, als Repräsentanten des Gemeinwesens nicht mehr neutral zu sein, wenn in ihren Dörfern und Städten Menschen durch menschenverachtende, rassistische, ausländerfeindliche oder antisemitische Äußerungen oder Handlungen in ihrer Würde verletzt würden.

Pasewalks Bürgermeister Rainer Dambach (parteilos) unterstrich: „Wenn Menschenwürde, Toleranz und Freiheit durch einzelne Gruppen gefährdet werden, dann sehe ich mich in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz auch als Bürgermeister verpflichtet, gegen diese Gruppen offen Position zu beziehen.“

Landrätin sieht Image als Nazi-Heimstatt schwinden

An den Protesten hatte auch Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) teilgenommen. Er sei begeistert, dass sich so viele Menschen aller Generationen, vor allem auch viele junge Leute, in die Menschenkette eingereiht hätten, sagte er. Mecklenburg-Vorpommerns Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider sprach von einer Superaktion, mit der die Menschen des Landes gezeigt hätten, dass Nazis bei ihnen nicht erwünscht seien.

Nach Einschätzung der Landrätin von Vorpommern-Greifswald, Barbara Syrbe (Linke), ist am Samstag eine ganze Region gegen ihr von außen heran getragenes Image als Heimstatt und Zufluchtsort von Neonazis aufgestanden.

In Viereck hatten sich nach Angaben der NPD Gesinnungsgenossen aus ganz Deutschland, Schweden, Österreich, Großbritannien und der Schweiz zum Pressefest der „Deutschen Stimme“ versammelt. An dem Treffen nahmen den Angaben zufolge auch der NPD-Vorsitzende Holger Apfel, der NPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, Vertreter von Kameradschaften sowie der inzwischen verbotenen Wiking-Jugend teil.

Nach Polizeiangaben verliefen alle Veranstaltungen bis zum Nachmittag friedlich ab. Für den Abend lud das Aktionsbündnis zu einem bunten Volksfest in der Pasewalker Innenstadt mit Bühnenprogrammen, Konzerten und Filmvorführungen ein.

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