"Wischnewski"

Ein Planet, der seinen Namen trägt

Nach dem Astrophysiker Erik Wischnewski aus Kaltenkirchen ist jetzt ein kleiner Himmelskörper zwischen Mars und Jupiter benannt.

Kaltenkirchen. Wenn DJ Ötzi sein Lied "Ein Stern, der deinen Namen trägt" trällert, denken die Zuhörer in der Regel verzückt an einen romantischen Ort jenseits der irdischen Sphäre. Der Kaltenkirchener Erik Wischnewski darf mit Stolz behaupten, dass ein Himmelskörper nach ihm benannt worden ist, doch romantisch geht es auf dem Klumpen vermutlich nicht zu.

Minus 100 Grad kalt dürfte es auf dem Kleinplaneten sein, der zwischen Mars und Jupiter unterwegs ist. Masse hat der Kleinplanet mit dem Namen "Wischnewski" bei seinem Durchmesser von etwa einem Kilometer nicht zu bieten. Halt würde ein Besucher dort kaum finden. "Gravitation müsste man mitbringen", sagt der Kaltenkirchener Astrophysiker Wischnewski über "Wischnewski", der vor wenigen Tagen noch den schmucklosen Namen 227770 trug.

"Ich freue mich und bin stolz", sagt der 59-Jährige, der mit seinem Namen im Weltall verewigt wurde und betont, nicht auf die Vergabe des Namens hingearbeitet zu haben.

Vielmehr waren es seine wissenschaftlichen Verdienste als Buchautor, die zu der großen Ehre führten. In der Laudatio der International Astronomical Union (IAU) heißt es dazu: "Erik Wischnewski (geb. 1952) ist seit 1972 Dozent an Volkshochschulen und Planetarien und ist Autor von mehreren astronomischen Lehrbüchern. Seine Arbeit trägt zur deutschsprachigen astronomischen Ausbildung bei."

Die International Astronomical Union mit Sitz in Paris ist die einzige Instanz mit der offiziellen Lizenz zum Planetentaufen. Zwar bieten einige Privatfirmen kostenpflichtig ebenfalls Registereinträge an, doch wissenschaftlich sind diese Namen wertlos. "Eine reine, hübsch aufgemachte Verlagsdienstleistung", sagt Wischnewski.

Kometen und Kleinplaneten sind heute die einzigen Himmelskörper, die statt einer schnöden Nummer einen Namen bekommen. Kometen werden nach ihrem Entdecker benannt. Für Miniplaneten, die auch Planetoiden oder Asteroiden genannt werden, darf der Entdecker einen Namen vorschlagen. Einer dieser Entdecker ist der Österreicher Wolfgang Ries. Unermüdlich verfolgt der Amateurastronom die Bahnen der großen und kleinen Sternchen am Firmament und dokumentiert jene, die bislang anonym durchs All sausten. Diesen Job übernehmen in der Regel Roboterteleskope mit einer Detektivsoftware. Ries gehört zu den wenigen Enthusiasten, die noch selbst am Teleskop stehen und auf Entdeckungsreise gehen. Er hatte den Vorschlag an die IAU geschickt, 227770 nach Erik Wischnewski zu benennen.

+++ Forscher blicken in das Herz einer Galaxie +++

Wenn Ries, Wischnewski und andere Experten durchs Okular blicken, gibt es stets reichlich Verkehr zu beobachten. 600 000 bislang bekannte Kleinplaneten durchqueren die unendlichen Weiten, 300 000 wurden bislang offiziell registriert und nummeriert. Nur 17 000 tragen außerdem einen Namen - so wie "Wischnewski". 130 Millionen Kilometer ist der Täufling von der Erde entfernt. 3,3 Jahre braucht er, um einmal die Sonne zu umkreisen.

Wischnewski hat Physik studiert und sich auf Astrophysik spezialisiert. Als junger Mann beriet er den Expeditionsspezialisten Arved Fuchs aus Bad Bramstedt und brachte ihm die Kunst des Navigierens bei. Fuchs wollte auf seiner Wanderung durch die Arktis keinesfalls den Nordpol verfehlen.

In den vergangenen 15 Jahren hat Wischnewski als freiberuflicher Softwareentwickler gearbeitet, diesen Job aufgegeben und sich wieder ganz der Astronomie gewidmet. "Als Semi-Profi", wie er sagt.

Wischnewski setzt die Arbeit an seinem Buch "Astronomie in Theorie und Praxis" fort, das bereits in der achten Auflage erschienen ist und schon 5300-mal verkauft wurde. "Ich mache alles selbst", sagt Wischnewski. "Vom Erarbeiten des wissenschaftlichen Inhaltes, dem Schreiben der Texte und dem Zeichnen der Grafiken." Der Astrophysiker gestaltet das Layout und stellt die Druckvorlage her. "Es ist das einzige Buch, das Theorie und Praxis verzahnt", sagt der Wissenschaftler.

Und was würde Wischnewski machen, wenn ein Raumschiff ihn zu "Wischnewski" fliegen könnte? "Ich würde mich dort ziemlich langweilen." Der Kleinplanet ist nicht viel größer als das Stadtzentrum von Kaltenkirchen.