Weltkriegsmunition

Unterwassersprengung: Luftsack soll Wale schützen

| Lesedauer: 2 Minuten

Taucher des Kampfmittelräumdienstes sprengen in der Ostsee Reste von V1-Raketen. Ultraschall und Luftsäcke sollen Tiere schützen.

Neustadt. Die Taucher sind nicht sehr gesprächig. Das mag an der frühen Morgenstunde liegen oder an ihrem Job. Unter Wasser reden die Froschmänner des Kampfmittelräumdienstes schließlich nicht, da ist präzises Arbeiten gefragt. V1-Sprengköpfe unter Wasser verlagern und sprengen – das ist auch für die Spezialisten für die Beseitigung von Weltkriegsmunition keine alltägliche Aufgabe. Doch ihr Chef ist zuversichtlich, dass es keine Probleme geben wird. "Zwei der insgesamt sechs Sprengköpfe haben wir schon unschädlich gemacht, da ist alles glatt gegangen“, sagt der Einsatzleiter der Tauchgruppe, Georg Ocklenburg.

Dicker Nebel liegt über dem Marinehafen von Neustadt (Kreis Ostholstein). "Die Bundeswehr hat uns für diesen Einsatz die logistische Basis zur Verfügung gestellt, mit der Kampfmittelbeseitigung hat sie nichts zu tun“, betont Claus Böttcher vom Innenministerium Schleswig-Holstein, dem der Kampfmittelräumdienst untersteht. Bis zum Freitag, so hoffen die Taucher, werden sie die restlichen vier Sprengköpfe an eine Stelle rund zehn Kilometer nordöstlich vor Travemünde geschleppt haben, wo sie ohne Risiko für die Bevölkerung und die Schifffahrt gesprengt werden können. Eine Bergung und Sprengung an Land wäre nach Angaben des Innenministeriums zu gefährlich gewesen.

Zum Schutz von Seevögeln und Schweinswalen sind bereits seit mehreren Tagen sogenannte Robbenverscheucher im Einsatz, Geräte, die die geräuschempfindlichen Meeressäuger mit Ultraschall fernhalten sollen. Vor den eigentlichen Vernichtungssprengungen werden noch kleinste Unterwasserladungen gezündet, um Tiere aus dem Gefahrenbereich zu vertreiben. "Außerdem werden wir die Gefechtsköpfe unter einem Luftsack sprengen. Diese Luftblase soll den Schalldruck nach oben ableiten, ähnlich wie ein Blasenvorhang, aber billiger“, erläutert Ocklenburg. Die von den Sprengungen ausgehenden Schallwellen im Wasser werden nach Angaben des Innenministeriums gemessen und wissenschaftlich bewertet.

Entdeckt wurden die Überreste der sogenannten Vergeltungswaffe V1 im Zusammenhang mit der Suche nach angeblich 1961 in der Lübecker Bucht versenkten Gasflaschen. "Sie stammen vermutlich aus einer Munitionsfabrik in der Nähe von Lübeck oder aus der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom“, sagt Böttcher. Dort wurde während des Zweiten Weltkrieges die von den Nazis als Wunderwaffe propagierte V1 entwickelt. "Möglicherweise wurden die Sprengköpfe von dort kurz vor Kriegsende nach Schleswig-Holstein gebracht, um sie vor den russischen Truppen in Sicherheit zu bringen. Bei Kriegsende wurden sie jedenfalls von den Briten sichergestellt und auf deren Anweisung in der Ostsee verklappt. Das hat ein Militärhistoriker für uns recherchiert“, sagt Böttcher. (abendblatt.de/dpa)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Region