Atomtransporte

Atom-Zwischenlager hat Platz für mehr Castoren

Bisher stehen in Lubmin 65 Behälter. Es ist aber Platz für 80 und nicht wie von Innenminister Lorenz Caffier behauptet, 74 Castoren.

Schwerin. Mit den geplanten Atomtransporten aus Karlsruhe und dem südfranzösischen Cadarache ist das atomare Zwischenlager in Lubmin entgegen bisheriger Annahmen noch nicht ausgelastet. Das Zwischenlager habe vorbereitete Stellplätze für 80 Behälter mit hochradioaktivem Abfall, sagte die Sprecherin der Energiewerke Nord (EWN), Marlies Philipp, am Freitag der dpa. Damit korrigierte das bundeseigene Unternehmen Aussagen von Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Dieser hatte im Juni im NDR 1 Radio MV von einer Aufnahmegrenze von maximal 74 Castoren gesprochen.

Bisher stehen 65 Behälter mit atomarem Abfall aus den früheren DDR-Kernkraftwerken Greifswald und Rheinsberg in Lubmin. Neun weitere sollen bis Ende des Jahres aus Karlsruhe und dem südfranzösischen Cadarache nach Lubmin gebracht werden. "Weitere, darüber hinausgehende Transporte sind weder absehbar noch geplant", schränkte Philipp ein.

Die Grünen kritisierten die Aussagen der EWN. "Es geht hier zu wie auf dem Jahrmarkt", sagte der Landesvorsitzende der Grünen, Jürgen Suhr. Hier würden Nutzungsänderungen für Lubmin bewusst initiiert. "Die EWN verdienen an jedem zusätzlichen Castor." Damit bestätige sich der Eindruck, dass Lubmin schleichend als Endlager genutzt werden solle. "Für die Tourismusregion in Vorpommern ist das eine Katastrophe!"

Bereits die vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigten Transporte der neun Castoren sind stark umstritten. Atomgegner, Linke und Grüne werfen den EWN Wortbruch vor. Ursprünglich sei das Zwischenlager nur für die Lagerung von ostdeutschem Atommüll geplant gewesen, sagte Felix Leipold vom Anti-Atom-Netzwerk in Rostock. Die Atomgegner machen an diesem Wochenende in Greifswald und Lubmin gegen die geplanten Castor-Transporte mobil. "Wir bereiten uns auf den Tag X vor", sagte Leipold. Die Transporte quer durch Deutschland seien unnötig und "supergefährlich". Die Grünen vermuten zudem, dass der Regionale Planungsverband Vorpommern mit der Streichung des Passus über die vorrangige Einlagerung von ostdeutschem Atommüll aus dem Raumentwicklungsprogramm weiterem Fremdmüll in Lubmin Tür und Tor öffnen will.

Die Atomgegner wollen am Samstag auf dem Greifswalder Markt demonstrieren. Für Sonntag seien eine Fahrraddemo und eine Mahnwache vor dem Zwischenlager in Lubmin geplant. Zu dieser Kundgebung erwarten die Atomgegner aus Mecklenburg-Vorpommern auch Aktivisten aus dem Wendland.

Bei den genehmigten Transporten handelt es sich um Atommüll des Bundes. Fünf Castoren stammen aus der stillgelegten Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe, inzwischen ein Tochterunternehmen der EWN. Vier weitere Castoren mit Brennelementen aus deutschen Forschungseinrichtungen wie dem ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe oder dem Reaktorforschungsschiff "Otto Hahn" lagern im südfranzösischen Cadarache. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat die Transportgenehmigungen bis 13. Dezember 2010 befristet. Genaue Termine für den Transport stehen laut Schweriner Innenministerium noch nicht fest.

Nach Angaben der EWN gibt es zu einer Lagerung in Lubmin keine Alternative. Für das zweite zentrale, vom Bund verantwortete Zwischenlager in Jülich laufe die Genehmigung im Jahr 2013 aus, sagte Philipp.

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