Tödlicher Fussballstreit in Hannover

Nach Verhaftung von Holger B.: Zeuge aus Tatnacht gesucht

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Foto: dpa / dpa/DPA

Der mutmaßliche Doppelmörder hatte sich auf Mallorca der Polizei gestellt. Die deutschen Behörden hoffen nun auf eine schnelle Auslieferung.

Hannover. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Doppelmörders im "Fußballstreit" von Hannover, Holger B., auf Mallorca gehen die Ermittlungen der Kriminalpolizei weiter. Mit einem Zeugenaufruf suchen die Fahnder nun nach einem bislang unbekannten Mann, der als Zeuge möglicherweise wichtige Hinweise zum Tathergang geben kann. Wie die bisherigen Ermittlungen der Mordkommission ergeben haben, hatte sich der Mann zur Tatzeit in der Gaststätte aufgehalten und hat diese offenbar unmittelbar nach Abgabe der tödlichen Schüsse und vor Eintreffen der Polizei verlassen. Bei dem unbekannten Gast soll es sich laut Polizei um einen etwa 50 Jahre alten Mann mit grau-schwarzen Haaren handeln. Er kann der Mordkommission möglicherweise wichtige Informationen zum genauen Ablauf der Tat liefern. Deswegen hoffen die Fahnder, dass sich der Mann bei der Polizei meldet. Hinweise dazu nimmt der Kriminaldauerdienst Hannover unter Telefon 0511/ 109-5555 entgegen.

Holger B. hatte sich am Dienstag auf der Baleareninsel Mallorca den spanischen Behörden gestellt. Der Frührentner hatte sich einem Untersuchungsrichter auf der Ferieninsel offenbart. Dieser habe dann die deutschen Behörden informiert. Nach dem 42-Jährigen wurde gefahndet, weil er am Montag in Hannover nach einem Streit über Fußball auf zwei Italiener geschossen haben soll. „Wir hatten frühzeitig Hinweise darauf, dass sich der Verdächtige Richtung Mallorca abgesetzt hatte“, sagte Hannovers Polizeisprecher Heiko Steiner. Spanische Medien berichteten, der Gesuchte habe sich in der Wohnung seines Stiefvaters in Palma versteckt. Dieser habe ihn dazu überreden können, zur Polizei zu gehen. Vor dem Untersuchungsrichter soll der 42-Jährige sich schuldig bekannt haben. Die deutschen Behörden bestätigten diese Angaben am Mittwoch zunächst nicht.

Holger B. hatte nach derzeitigem Ermittlungsstand die durchgehend geöffnete Kneipe im Rotlichtviertel nach dem Streit mit den beiden Italienern zunächst verlassen, um Geld abzuheben. Dabei wurden von ihm Aufnahmen von einer Überwachungskamera gemacht. Anschließend kehrte der Mann zurück und schoss beiden Opfern in den Kopf. Ein 47 Jahre alter italienischer Koch starb kurz nach der Tat, sein 49 Jahre alter Landsmann, ein Pizzabäcker, erlag Stunden später in einer Klinik seinen Verletzungen. Bei dem Streit ging es um die Anzahl der WM-Titel von Deutschland und Italien.

Auf seiner Flucht warf der Schütze die Tatwaffe in einen Müllcontainer. Offenbar hatte der Deutsche noch am frühen Morgen ein Flugzeug nach Mallorca erwischt, ehe die Polizei seine Identität ermittelt hatte und ihn festnehmen konnte. „Wir haben keine Zweifel, dass der Verdächtige schnell nach Deutschland ausgeliefert wird“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Irene Silinger. Schließlich sei der Mann mit einem europäischen Haftbefehl wegen zweifachen Mordes gesucht worden.

Zuständig für die Auslieferung ist der Nationale Gerichtshof (Audiencia Nacional) in Madrid. Die deutsche Anklagebehörde wirft dem 42-Jährigen Mord aus Heimtücke und niederen Beweggründen vor. Zudem soll er aus Mordlust gehandelt haben, weil er seine Opfer sterben sehen wollte.

( (dpa/abendblatt.de) )

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