Heiligendamm-Insolvenz

Anleger werden nur wenig von ihrem Geld zurückbekommen

Nach der Insolvenz des Grand Hotels ist der schlimmste Fall eingetreten. Anleger werden nicht viel Geld zurückbekommen.

Heiligendamm/Esslingen. Nach der Insolvenz des Grand Hotels Heiligendamm werden die Anleger nach Juristenansicht auf direktem Weg nicht mehr viel von ihrem Geld zurückbekommen. Es sei der schlimmste Fall eingetreten, sagte Andreas Frank von der Kanzlei Hänssler & Häcker-Hollmann am Mittwoch in Esslingen bei Stuttgart. Die Kanzlei vertritt nach eigenen Angaben mehrere hundert der rund 1900 Anleger. Schon beim 90-prozentigen Kapitalschnitt im vergangenen Jahr habe sich die Schieflage abgezeichnet, als das Investitionskapital von 127 auf 12,7 Millionen Euro reduziert wurde.

Der Chef der Fundus-Gruppe Anno August Jagdfeld hatte am Montag Insolvenzantrag für die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Dem Fonds fehlten rund 30 Millionen Euro. Die Kreditzinsen konnten nicht mehr gezahlt werden, und die Banken hätten erklärt, ihre Kredite definitiv nicht zu verlängern. Jagdfeld hatte zwar angekündigt, alle Gläubiger aus dem Hotelbetrieb könnten von einer vollständigen Zahlung ausgehen. Anleger sind jedoch keine Gläubiger.

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Trotz der Insolvenz bestehe eine gute Chance für die Anleger, zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen, sagte Frank. „Ansatzpunkt dafür ist eine Falschberatung und eine nicht ordnungsgemäße Aufklärung über das Risiko sowie verschwiegene Provisionen, sogenannte Kickbacks.“ Fast alle deutschen Banken hätten Fundus-Anteile verkauft und oft seien die Käufer nicht deutlich genug auf Risiken aufmerksam gemacht worden. „Es laufen schon Verfahren. Unser Ausgangspunkt ist der, mit den Banken und Finanzvertrieben eine außergerichtliche Lösung zu finden.“ Wenn das nicht klappt, würden Zivilverfahren angestrengt. Die Chancen seien gut, es gebe bereits zweitinstanzliche rechtskräftige Urteile gegenüber Banken.

Die durchschnittliche Anlagesumme im Fundus-Fonds lag laut Anwalt Frank bei 50 000 D-Mark aufwärts. „Diese Anleger sind nicht alles Spitzenverdiener.“ Sie seien auch keine Zockertypen, sondern meist konservative Anleger, von denen einige vorher noch nie eine Aktie gezeichnet hätten. Die Anlagen seien ihnen als „ganz sicher“ beziehungsweise sogar als zweites Rentenstandbein verkauft worden. (dpa)