Hausbesuch

Wohnen am Schwanenwik? Diese Familie hat es gewagt

Beatrix und Adreas H. mit ihren Kindern Eva-Johanna und Paul im Esszimmer der Wohnung.

Beatrix und Adreas H. mit ihren Kindern Eva-Johanna und Paul im Esszimmer der Wohnung.

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Den Umzug von Rahlstedt in ein Jugendstilhaus nahe der Alster hat Familie H. nie bereut. Mit dem starken Verkehr kommen sie zurecht.

Hamburg.  Rückblickend wundert sich Beatrix H. selbst, wie alles gekommen ist. Schließlich konnte sie sich anfangs überhaupt nicht vorstellen, am Schwanenwik zu wohnen. „Da ziehe ich doch nicht hin!“, hatte sie ihrem Mann An­dreas gesagt, als er ihr von einer Wohnung an dieser Adresse vorschwärmte.

Tolle Lage zwar, weil direkt an der Alster, aber eben auch stark befahren. Schließlich mündet der Schwanenwik nach einigen Hundert Metern in die Sierichstraße. Und beide verbinden die Innenstadt mit Stadtteilen wie Winterhude oder der Uhlenhorst. Gut 20.000 Pkw sollen es Erhebungen zufolge täglich sein, die diesen Straßenzug nutzen.

Die Wende kam mit der Begehung

Warum also sollte die Familie ihr Haus in Rahlstedt mit großem Garten gegen eine solche verkehrsträchtige Lage eintauschen? Doch dann brachte die Begehung der schönen Altbauwohnung die Wende – die Familie zog mit beiden Kindern Eva-Johanna und Paul (heute 19 und 23) in Alsternähe.

Das ist jetzt gut zehn Jahre her und tatsächlich ist die Familie Anfang dieses Jahres erneut umgezogen: ein paar Meter weiter hoch entlang des Schwanenwiks in ein prachtvoll saniertes, denkmalgeschütztes Jugendstilhaus.

Und damit sogar noch ein Stückchen näher an das Verkehrsgeschehen: in den ersten Stock! Trotzdem hört man nichts von dem Straßenlärm – dank der dreifach verglasten Fenster und Balkontüren.

Drei Balkone und ein Innenhof

Da es nicht nur nach vorne raus einen Balkon gibt, sondern zwei weitere nach hinten zum begrünten Innenhof hin – einer davon ist sogar überdacht – kann man aber auch an diesem Standort Sonne und frische Luft genießen.

Erstaunlich wie ruhig es hier hinten ist! Kein Wunder: Wie Trutzburgen sind die Wohngebäude um den Hof angelegt. Da hat Lärm keine Chance. Und unter der begrünten Fläche befindet sich zudem die Parkgarage. Den Umzug in die City hat die Familie deshalb nie bereut.

Im Gegenteil: Jetzt kann das erfolgreiche Unternehmerpaar sogar unter einem Dach leben und arbeiten, denn beide haben im Souterrain des 1892 gebauten Gebäudes ihr Büro für Finanzanlagen.

Raffinierte maßgefertigte Lösungen

Dass beide ein Faible für raffinierte Lösungen haben – offenbar auch das Budget dafür – zeigt sich an vielen Details: Von Wolfgang Jermann, Geschäftsführer der Firma Sunconcept, haben sie sich seitliche Abtrennungen aus Markisenstoff für den vorderen Balkon fertigen lassen. Dank eines Griffs und Schienen lassen sie sich wie ein Vorhang leicht auf- und zuziehen. Und Musik ertönt aus Lautsprechern der Hamburger Manufaktur Inklang.

Die Kinder, mittlerweile im Ausland studierend, freuen sich, in ein so schönes Zuhause kommen zu können. Dort ist alles seit Tagen geschmückt: Den großen Kamin in der Küche zieren rechts und links zwei unechte Tannenbäumchen mit Lichterketten. „Erstmals“ sei ihnen sowas ins Haus gekommen, räumt die 55-Jährige ein und man merkt: Unechtes mag sie eigentlich nicht.

Aber die Wahl macht Sinn, denn das Paar liebt es, sich am Abend bei knisterndem Feuer auf ein Gläschen Rotwein vor dem Kamin einzufinden. Das würde kein echter Baum aushalten!

Von viel Kunst geprägte Räume

Der wird deshalb im großen Wohnzimmer seine volle Pracht entfalten dürfen. „Er wird wie jedes Jahr mit roten Kugeln, Hutschenreuther Weihnachtsglocken und Lichterketten geschmückt“, verrät die Hamburgerin.

Bei der Einrichtung der Wohnung hat sie sich, obwohl sie sichtbar ein Gespür für schönes Dekor hat, von dem Einrichter Ullrich Stein beraten lassen. Der hat sich einen Namen gemacht mit „Metropolitan Interior Style“ – in der Wohnung der Familie spiegelt sich dies in einer herrschaftlich, zugleich lässigen, von viel Kunst geprägten Atmosphäre wieder.

So findet sich selbst in der Küche ein großformatiges, sehr farbenfrohes Bild. Es stammt wie ein weiteres Bild im Flur von dem Maler Peter Robert Keil. „Den hat Paul entdeckt, als er unbedingt sein Geld in Kunst investieren wollte“, erzählt die Diplom-Kauffrau. Längst ist klar, dass der Junior in die Fußstapfen seiner Eltern treten wird: Er hat ein Start-up gegründet, um Beteiligungen an Wohnimmobilien mit geringen Einsätzen zu ermöglichen. Seine Eltern unterstützen ihn dabei.

Skulptur von der Familie in Bronze

Eine Skulptur im Esszimmer macht deutlich, wie wichtig der Familie Zusammenhalt ist. „Wir haben sie von der Künstlerin Annette Zappe anfertigen lassen, nachdem wir sie auf der Affordable Art-Messe kennengelernt haben.“ Sie zeigt die Familie in Bronze, wie sie Hand in Hand „Durch den Wind“ geht. Was für eine schöne Idee!

Es sind die kleinen, sich nicht aufdrängenden Dinge, die zwischen all den schönen und exklusiven Arrangements, den Räumen eine persönliche Handschrift geben. Da ist zum Beispiel der Biedermeierschrank im Esszimmer – „zugelegt zu einer Zeit, wo wir noch Studenten waren und weder Geld noch eine gemeinsame Wohnung hatten“, erzählt Beatrix H., und man spürt: Das Paar freut sich noch heute über seine „Bauchentscheidung“ von damals.

Beratung bei der farblichen Gestaltung

Als richtig hat sich auch erwiesen, sich bei der farblichen Gestaltung der Räume beraten zu lassen. Denn neben dem schönen alten Parkett am Boden sind es die in Pastellgrün gehaltenen Wände und Türen im Flur, die positiv auffallen.

„Der Farbton heißt Lightblue“, werde ich freundlich korrigiert. Eigentlich hätte sie alles, wie zuvor, in Weiß und Beige halten wollen, doch Amandus Mayer von Paint & Brush (Kieler Straße) habe sie überredet, „mal etwas Neues zu wagen“, erzählt die Hausherrin.

So dominieren im Gästezimmer warme Auberginetöne, während das Schlafzimmer in Grün getaucht ist. Wirkt es beruhigend? „Ja, doch“, lautet die Antwort. Beim Abschied dann fallen diese Worte: „Wissen Sie, dass mit dem Lärm muss man ganz entspannt sehen. Irgendwann wird es nämlich auch am Schwanenwik ruhig.“

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