Wohnen

Darum sollten Eigentümer ihr Haus nach Fahrplan sanieren

Hauskäufer Niels Oke Schmäschke zusammen mit Energieberaterin Elke Sander.

Hauskäufer Niels Oke Schmäschke zusammen mit Energieberaterin Elke Sander.

Foto: Zebau / ZEBAU GmbH;

Wer sich von Profis helfen lässt, profitiert bis Ende Februar von besonders hohen Zuschüssen durch den Bund und die Stadt Hamburg.

Hamburg.  Niels Oke Schmäschke und seine Familie haben gerade ein Haus gekauft. Doch an einen Einzug ist noch nicht zu denken; erst muss das 1975 errichtete Gebäude modernisiert werden.

Um zu erfahren, welche Maßnahmen sinnvoll sind, wandte sich der 31-Jährige an die Energieberaterin Elke Sander. Sie hilft der jungen Familie, den richtigen Weg zwischen sinnvollen Modernisierungsmaßnahmen, eigenen Ausbauträumen sowie Finanzierungskosten und Fördermöglichkeiten zu finden.

Nach einer ersten Vor-Ort-Besichtigung empfahl sie den Schmäschkes, einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) und einen Hamburger Energiepass (HEP) erstellen zu lassen.

Es locken bis zu 1300 Euro

Beide werden gefördert – Ersterer mit einem Zuschuss von 800 Euro durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Bis zum 28. Februar in Kombination mit dem Hamburger Energiepass (HEP) durch die Stadt Hamburg zusätzlich mit 500 Euro.

Weil sich Bund und die Stadt Hamburg verständigt haben, werden beide Programme durch die IFB Hamburg gefördert. Sprecher Torsten Fragel rät Interessierten, etwa ein halbes Jahr vor Beginn der ersten Maßnahmen Kontakt zur Förderbank aufzunehmen.

„Dann wird ein schriftlicher Antrag gestellt. Nach Erhalt der Bewilligung kann das Vorhaben starten“, sagt Fragel.

Geringer Eigenanteil für Beratung

Angesichts der hohen Förderung zahlen Ratsuchende für die Beratung meist nur noch einen Eigenanteil von 200 bis 340 Euro, wie die IFB Hamburg berechnet hat.

Diese Kosten könnten gegebenenfalls auch steuerlich geltend gemacht werden. Beraten dürfen allerdings nur zugelassene Energieberater. „Wir haben dazu eine Liste auf unserer Homepage hinterlegt“, sagt Fragel.

Mit dem iSFP hofft die Bundesregierung zum Ziel beizutragen, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen.

„Hauseigentümer erhalten mit ihm eine auf ihre Lebenssituation abgestimmte Schrittfolge zur Modernisierung ihres Eigenheims“, sagt Elke Sander.

Angaben zu Investitionen

Im Dokument seien auf wenigen Seiten Informationen zu Art und Umfang jeder Maßnahme, die geschätzte Investitionshöhe und die damit verbundene Energieeinsparung hinterlegt.

„Für mich ist der iSFP vor allem eine Hilfestellung und etwas, woran wir uns in den kommenden Jahren entlanghangeln können“, sagt Schmäschke.

Keiner in seiner Familie habe Ahnung vom Bauwesen. „Und bei einer Renovierung eines so alten Hauses hätten wir nicht gewusst, wie wir strukturiert vorgehen sollen.“ So könne er jetzt sicher sein, nicht in irgendwelche Fallen zu laufen, die Jahre später erst bemerkt und dann teuer werden könnten.

Zuerst die Fenster, dann das Dach

Die Möglichkeit, individuelle Prioritäten zu setzen, überzeugt. So lassen sich die wirklich notwendigen und sinnvollen Maßnahmen zuerst betrachten und von den Schritten trennen, die auch im bewohnten Zustand durchgeführt werden können.

Schmäschkes und ihre Energieberaterin Sander waren sich vor diesem Hintergrund schnell einig, dass zunächst die Fenster ausgetauscht werden sollen.

Anschließend hat die Familie noch bauliche Veränderungen am Gebäude vor, die auch das Dach betreffen werden. Damit bietet es sich an, in diesem Rahmen auch die Dachdämmung zu modernisieren. Beides soll noch vor dem Einzug passieren.

Der junge Familienvater ist zufrieden, dass er nicht sofort eine Komplettsanierung vornehmen muss – und sich das Projekt „das Haus fit für die Zukunft machen“ mehrere Jahre hinziehen kann. Dabei ist ihm vor allem wichtig, den roten Faden nicht zu verlieren und Fehler zu vermeiden, die sonst Jahre später teuer korrigiert werden müssten.

Jedes Gebäude einzeln betrachten

Energieberaterin Sander weiß jedoch: So individuell die Häuser, so individuell die Probleme.

„Die Schwachstellen sind je nach Baujahr unterschiedlich, so dass es keine Pauschalisierung gibt. Gebäude, die in den 50er-Jahren gebaut wurden, besitzen meist keine gute Außendämmung. Bei Häusern der 70er-Jahre wurden zwar bereits häufig Dach und Fenster erneuert. Diese Sanierungen sind heute allerdings auch schon wieder veraltet.“

Der iSFP sei vor diesem Hintergrund vor allem für Käufer von Bestandsbauten und Hausbesitzer eine wichtige Orientierungshilfe. Soll es nach Erstellen des iSFP dann mit der Sanierung konkreter werden, ist der Hamburger Energiepass das Berechnungsinstrument, mit dem Hauseigentümer eine auf ihr Haus abgestimmte Sanierungsmaßnahme erhalten.

Er ist zum Teil auch Voraussetzung, um Fördermittel in Hamburg zu bekommen, und zeigt die Gesamtmaßnahme einschließlich der sich daraus ergebenden Energie- und Kosteneinsparungen auf.

Kostenloses Beratungsangebot

Beide Instrumente – iSFP und HEP – lassen sich somit gut kombinieren, weil die Energieberater in beiden Fällen eine eingehende Bestandsaufnahme des Hauses vornehmen müssen.

„Für den Immobilienbesitzer bedeutet das somit eine doppelte Hilfestellung: Zum einen werden die anstehenden Sanierungsmaßnahmen zeitlich in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht, zum anderen erfahren die Beteiligten, in welchem Umfang alle Maßnahmen am Ende zusammen die Energiebilanz optimieren“, heißt es bei der ZEBAU Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt.

Sie berät im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde kostenlos und unabhängig Interessierte (Tel. 380 38 40 oder per E-Mail: isfp@zebau.de)

Berechnungen des Umweltbundesamtes zeigen: Läuft alles nach Plan, hat man am Ende ein KfW-förderfähiges Effizienzhaus, das viel weniger Energie verbraucht als vorher.

Habe es vorher Energiekosten von 4551 Euro pro Jahr verursacht, sind es nachher nur noch 2023 Euro. Und die Umwelt profitiere auch davon: Die Co2-Emissionen lägen statt bei 81 Kilogramm nur noch bei drei Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr.

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